Mittwoch, 25. März 2009

Die Störche sind da


Heute vormittag kreisten sie plötzlich über unserem Dorf - hunderte Störche in mehreren Schwärmen. Als ich die ersten sah hielt ich erst noch für Möwen - bis es immer mehr wurden. Warwara - das Dorf liegt ziemlich weit im Süden der bulgarischen Schwarzmeerküste. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur türkischen Grenze. Und aus Süden, also aus der Türkei, kamen die Störche geflogen auf ihrem Zug in die sommerlichen Brutgebiete im Norden. Im Herbst hatten wir in vergangenen Jahren, wenn wir Ende September im Urlaub hier waren, schon solch großen Storchschwärme gesehen, die auf ihrem Zug zum Überwintern nach Süden waren. Nun also erstmals die andere Richtung.

Dieser Teil der Schwarzmeerküste liegt an einer der großen Vogelzugrouten, der osteuropäischen Route "via ponticum". In der Nähe von Burgas gibt es zahlreiche Seen und ausgedehnte sumpfige Gebiete, ideale Rastplätze für Zugvögel. Störche sind nicht die einzigen, die hier in der Gegend Rast machen auf ihrem Weg ins Brutgebiet. Krauskopfpelikane haben wir dort auch schon gesehen, bevor sie im Herbst weiterzogen in südlichere Gefilde. Hier leben aber auch mehrere Reiherarten, zahlreiche Entenvögel, aber auch viele Raubvögel.

Dass die Störche ausgerechnet heute erschienen sind hat noch eine ganz besondere, etwas mystische Bedeutung. Heute feiert die bulgarische orthodoxe Kirche Mariä Verkündigung. Dieser Tag ist außer in seiner christlichen Bedeutung noch mit zahlreichen heidnischen Bäuchen verbunden. So sagt der Volksmund, dass heute auch der Tag ist, an dem die ersten Zugvögel zurückkehren und der Kuckuck ruft. Den haben wir nicht gehört, aber dafür jede Menge Zugvögel gesehen. Vielleicht sind ja auch die darunter, die wir Jahr für Jahr an ihren Brutplätzen in Deutschland gesehen haben. Die ersten Störchen sind es freilich nicht, die in diesem Jahre zurückkehren. Bereits Anfang März sind die ersten Schwärme über Burgas gesichtet und von Mitarbeitern der Vogel-Beobachtungsstation Poda am Stadtrand von Burgas auch fotografiert worden. Das Naturschutzzentrum Poda wurde 1997 mit finanzieller Unterstützung eines bulgarisch-schweizerischen Programmes zur Erhaltung der Artenvielfalt errichtet. Naturfreunden bietet es hervorrangede Beobachtungsbedingungen von seinen Dachterrassen, von denen aus man einen guten Blick in die Sumpf- und Seenlandschaft am Stadtrand von Burgas hat. Dabei kann Poda noch mit einer Besonderheit aufwarten: Von hier aus lassen sich ganz prima auch die großen Kormorankolonien beim Brüten beobachten, die ihre Nester auf großen stillgelegten Strommasten bauen - das ist weltweit einmalig. Wer mehr über das Naturschutzzentrum wissen will, es hat auch eine deutschsprachige Internetseite:. http://www.bspb-poda.de/

Montag, 16. März 2009

Heute ist Backtag


Bei unseren Urlaubsaufenthalten im Ausland waren wir immer neugierig auf das landestypische Essen. Und in den meisten Fällen waren wir auch begeistert und nicht besonders scharf auf Hotel-Einheits-Kost. Deshalb wurde auch bei Hotelaufenthalten meist nur mit Frühstück gebucht. Alles andere haben wir selbst organisiert, meist in den kleinen Restaurants oder Imbiss-Ständen, in denen sich's die Einheimischen schmecken ließen. Dort sah es nicht immer einladend aus, aber köstlich war es immer. Und wir hatten von dem Essen nie Verdauungs- oder andere Probleme. Aber eins habe ich nach einigen Tagen immer vermisst - richtiges schönes Bäckerbrot in allen Farbschattierungen vom Mischbrot bis zum dunklen Roggenvollkornbrot. Hier in Bulgarien geht es uns auch so - man kann hier durchaus ganz wunderbares lockeres, wohlschmeckendes Weißbrot kaufen. Aber nach zwei Wochen will man mal ein kräftiges herzhaftes dunkles Brot. Wir sind es halt so gewöhnt. Es ist vielleicht drei Jahre her, da sah ich in einem Laden in Burgas ein dunkles Kastenbrot und war glücklich. Beim Reinbeißen weniger - Weibrot, mit was weiß ich welchem Farbstoff auf dunkelbraun getrimmt.
Mit der Wurst ist es ähnlich. Die kräftigen Gewürze, der andere Geschmack - ganz vorzüglich. Bis der Appetit auf eine richtige Leberwurstschnitte kommt. Aber so was ist hier nicht üblich und also auch nicht oder nur schwer zu bekommen. Also selbst ist der Mann meinte mein Mann, da werden wir unser Brot eben selber backen. Und kaufte erst mal einen Brotbackautomaten und fertige Brotmehlmischungen, weil das mit dem kompletten Selberbacken doch ziemlich aufwendig und die Hausfrau so viel Hausfrau doch nicht ist. Aber auch das Brot für die nicht ganz so fleißigen aus dem Automaten schmeckt, hat man erst mal die richtigen Mehlmischungen gefunden, fast wie vom Bäcker. Als zweites baute der Hausmann einen kleinen Räucherofen (siehe Foto). Dort werden jetzt beispielsweise Speck und Schinken selbst geräuchert. Schinken gibt es hier selbstverständlich auch in den unterschiedlichsten Varianten, aber die meisten Sorten sind ziemlich stark gesalzen. Und Speck heißt hier Slanina - das heißt so viel wie in Salzlake eingelegt. Geräuchert wird er im Allgemeinen nicht. Aber auch für Makrele, Forelle und sonstige diverse Fischarten eignet sich das Räucherhäuschen ausgezeichnet. Doch demnächst, so die Ankündigung, wird gleich neben das Räucherhaus ein kleiner Backofen gebaut - da heißt es dann doch noch selber backen lernen. Ach ja, Leberwurst haben wir auch schon selbst hergestellt - wegen der Leberwurstschnitten.

Donnerstag, 12. März 2009

Preis der Buchmesse für (Anti?)Bulgarien-Buch

Na das ist ja eine Überraschung, die ich da dank Internetradio live miterleben konnte: Für ihren Roman "Apostoloff " hat die Sibylle Lewitscharoff soeben den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Die in Stuttgart geborene Autorin mit bulgarischen Wurzeln erzählt in dem Roman von der Reise zweier in Deutschland lebender Schwestern in die Heimat ihres bulgarischen Vaters. Für die jüngere der Schwestern wird die Reise zu einer Abrechnung mit ihrem Vater und ihrem Vaterland. Eine Familiengeschichte voller bissigem Witz, umwerfender Komik und schwarzem Humor. Eine, wie den Rezensionen zu entnehmen ist, durchaus nicht freundliche Abrechnung. Lewitscharoff zeigt stellenweise offenbar genau das auf, das so viele an diesem doch schönen Land Bulgarien so stört: Eine ungezügelte Bauwut, die das Land verschandelt, eine überwiegend erschreckend geschmacklose Architektur, Schmutz in allen Ecken .... Es soll auch schon Anfragen bulgarischer Verlage geben, die das Buch offenbar in bulgarischer Übersetzung herausbringen wollen. Ich habe das Buch selbst noch nicht gelesen, werde es mir aber wohl so schnell wie möglich besorgen. Aber da die Buchversandhäuser nicht hierher liefern, wird das wohl aufgeschoben werden müssen bis zur nächsten Deutschlandreise.

Sonntag, 8. März 2009

Frauentag und Marteniza

Heute gab es in usnerem kleinen Warwara eine Frauentagsfeier. Der Internationale Frauentag hat hier durchaus Bedeutung. Nein, keine Politiker, keine Reden, kein offizielles Bramborium. Hier feiern tatsächlich die Frauen - Jung und Alt - gemeinsam ihren Tag. Zur Mittagszeit versammelten sich fast alle Frauen des Dorfes in der größten Gaststätte des Ortes. Das schönste dabei - Bulgarinnen und die ortsansässigen Zigeunerinnen feiern gemeinsam. Es wurde viel geschwatzt, gegessen, getrunken - vor allem aber mit Begeisterung und Ausdauer getanzt. Bevorzugt wird dabei die Hora, ein Reigentanz, wie er ähnlich in vielen Ländern Tradition hat.
Es war übrigens nicht der erste "Frauentag" in diesem Jahr. Bereits Ende Januar haben sich die Frauen zusammengefunden, als sie den Baba-Tag, den Großmuttertag begingen. Auch dieser Tag hat eine lange Tradition. Eigentlich, so erzählten uns Freunde, treffen sich an diesem Tag die Großmütter (dass ich eingeladen war hat mich schon erschreckt, ) um miteinander zu reden, jeder bringt etwas selbst Gebackenes, Gekochtes, Gebrautes zum Verkosten mit. Es war also wahrscheinlich eine Möglichkeit, mal aus dem eigenen Haus und hinter dem Herd hervorzukommen zu einem geselligen Beisammensein unter Gleichgesinnten. Nun, der Großmuttertag, den ich erlebte, verlief ähnlich wie auch der Frauentag - sehr gesellig und sehr fröhlich. Und nicht nur die Großmütter, auch Töchter und Enkelinnen waren anwesend.
Und da wir einmal bei Feiertagen und Traditionen sind, soll der 1. März nicht vergessen sein - der Tag der Baba Marta, Großmütterchen März. An dem Tag werden an Freunde und Verwandte rot-weiße Bänder oder Schleifen verschenkt. Sie sollen Kraft und Gesundheit schenken. Getragen werden die Bänder oder Schleifen solange, bis der erste Frühlingsbote gesichtet wird - eine Schwalbe oder ein Storch beispielsweise. Dann werden die Bänder an einen blühenden Baum gehängt. Ein schöner Brauch.
Am 3. März war übrigens der bulgarische Nationalfeiertag - 131 Jahre sind es her, dass Bulgarien nach 500 Jahren vom türkischen Joch befreit und wieder en eigener Staat wurde.
So, und jetzt warten wir auf Ostern und hoffen, dass auch bald mal das Wetter besser wird. Zur Zeit ist es recht regnerisch.