Montag, 20. April 2009

Ostern zum Zweiten

Christos woskresen - Christus ist auferstanden. So begrüßen sich in der Osternacht die orthodoxen Gläubigen in Bulgarien. Kurz vor Mitternacht sind auch wir in die kleine Kirche in Warwara aufgebrochen. Die ist schon gut gefüllt von Einheimischen und ihren Angehörigen, die Ostern im Heimatort verbringen. Einen Gottesdienst wie an vielen anderen Orten gibt es hier nicht. Die erst 2005 fertig gestellte kleine Kirche hat keinen eigenen Priester. So hören die versammelten Gläubigen liturgische Gesänge von Christi Tod und Auferstehung. Sie zünden Kerzen an. Um Mitternacht ertönt die Kirchenglocke, eine Frau ruft: Christos woskresen, Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden, erwidern die anderen. Dann verlassen sie mit den brennenden Kerzen die Kirche, umkreisen sie drei Mal. Danach freudige Begegnungen der Menschen untereinander, sie umarmen und küssen sich und tauschen gute Wünsche aus: Christus ist gestorben und er ist auferstanden, seine Auferstehung bringt die Hoffnung für das nächste Jahr. Gemeinsam mit den anderen machen auch wir uns auf den Heimweg und nehmen mit den brennenden Kerzen das Heilige Licht mit nach Hause.
Der Ostersonntag ist ein Tag des Feierns. Auch wir sind mit Freunden zum nahegelegenen Paraklis gezogen, schwer beladen mit mit allem, was zu einem guten bulgarischen Osterfest gehört: Osterbrot, ein gefärbtes Ei in der Mitte, viele bunte Ostereier, ein im Lehmofen gebackenes Osterlamm, das in unserem Fall aber ein Zicklein war. Und jede Menge Getränke natürlich. Denka und Ilija, eine Roma-Familie, haben gebacken und das Zicklein im Lehmofen gebacken, Wir steuern deutschen Kartoffelsalat bei.
Viele Familien sind zum Paraklis gekommen, vor allem auch einige Roma-Familien. Sie alle haben nicht nur viel Gute Laune, sondern auch traditionelle Musikinstrumente mitgebracht. Gemeinsam wird gegessen und getrunken. Und ein alter Brauch gepflegt: Die Ostereier werden aneinandergeschlagen. Wessen Ei dabei nicht zerbricht, dem sind Glück und Gesundheit gewiss im neuen Jahr. Vom späten morgen bis zum frühen Abend sitzen wir so zusammen - essend, trinkend, ein wenig redend auch (unser Bulgarisch ist leider noch sehr dürftig). Und dann auch musizierend. Den Auftakt machen Micha und Stefan mit Klarinette und Trommeln. Micha kennen wir schon, als er noch ein Halbwüchsiger war: schon damals spielte er vorzüglich Klarinette. Gero hat seine Gadulka mitgebracht, eine Art Geige mit 13 Saiten, die meisterhaft spielt. Ilija singt dazu mit seiner schönen Stimme traditionelle Lieder. Später kommt Tapa, auch ein Roma aus dem Dorf, mit der Gajda dazu, dem bulgarischen Dudelsack. Sie alle sind Laien, die meisten von ihnen haben sich das Musizieren selbst beigebracht. Aber was siel leisten ist beeindruckend, wir sind von dieser Musik und der Musikalität der Menschen immer wieder begeistert. Schade dass wir sie hier nicht zu Gehör bringen können.
Am Abend dann haben viele Bulgaren weiter gefeiert - wir brauchten erst mal Erholung.
Heute, am bulgarischen Ostermontag, haben wir noch einen Ausflug ins Strandja-Gebirge gemacht, das unmittelbar an Warwara grenzt. Wir haben ein Kraut gesammelt, Samardala genannt. Es ist in etwa das, was den Deutschen der Bärlauch. Samardala wächst ebenfalls im Wald, ist ein Zwiebelgewächs, ähnlich dem Allium , und die Blätter schmecken herrlich scharf nach Knoblauch. In meinem Garten wächst es übrigens auch - der schönen Blüten wegen, die demnächst aufgehen.

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