Samstag, 9. Mai 2009

Drachentöter, Kriegerpatron und Schutzheiliger der Zigeuner

In Deutschland ist der Georgstag vielerorts vor allem durch die Georgsritte im Gespräch. Der Heilige Georg - bekannt als Drachentöter, wobei der Drache als Symbol für das Böse, das Heidnische steht. Mit dem Töten des Drachen hat Georg, der übrigens aus Südkappadokien stammte, das Böse überwunden, die Menschen davon befreit und sie zur Taufe aufgefordert. Georg der Drachentöter, bekant auch als Schutzpatron der Pferde. Deshalb die Ritte am Georgstag, der am 23. April begangen wird. Der Heilige Georg ist Schutzpatron etlicher Länder - unter anderem Englands und Georgiens - und er schützt auch gegen diverse Unbill - neben Herpes unter anderem auch gegen Kriegsgefahren. Und er ist der Heilige der Ritter und der Kriegsleute.
Der Georgstag ist in Bulgarien ein staatlicher Feiertag, der hier allerdings nach dem alten Kalender am 6. Mai begangen wird. Nicht nur des Heiligen Georg wird durch die bulgarische Kirche an diesem Tag gedacht, er ist auch Fest- und Feiertag des Heldenmutes und der Streitkräfte und wird entsprechend mit Militärparaden und kernigen Reden begangen.
Wir erlebten in unserem kleinen Warwara allerdings einen ganz anderen Georgstag - den der hier ansässigen Romafamilien. Das Georgsfest gehört zu den großen Feiertagen der Roma. Sie sehen den Heiligen Georg als ihren Schutzheiligen an. Und der wird mit dem wohl größten Fest geehrt das die Roma feiern. Wohl keine Familie, die zu diesem Anlass nicht ein Schaf schlachtet und gut gewürzt im Lehmofen bäckt. Mit dem gegarten Schaf, diversen anderen Speisen und natürlich Getränken, mit Kind und Kegel ziehen die Familien auf eine große Wiese am Ortsrand von Warwara. Dort sind bereits Tische, Stühle, Bänke aufgebaut, die bald von den Familien und ihren Gästen besetzt sind. Auf einer Seite des Festplatzes hat sich ein LKW aufgebaut, auf dessen Ladefläche große Verstärkerboxen. Drei Musiker sorgen für stimmungsvolle Unterhaltung. Von Mittag an wird nun getafelt und gezecht, getanzt und gesungen. Das Schöne in Warwara auch an diesem Georgstag - hier feiern Zigeunerfamilien und Bulgaren gemeinsam. Auch der Ortsbürgermeister lässt es sich nicht nehmen, den ganzen Nachmittag dabei zu sein.
Wir brechen mit Denka und Ilija am späten Nachmittag auf in das Strandja-Dorf Rosen. Die Familie von Ilijas Bruder wohnt dort - und dort gibt es das größte Romafest der Region. Als wir ankommen sind wir verblüfft. Rund um eine große Wiese reiht sich Zelt an Zelt, die meisten halbrund gewölbt in traditioneller Zigeunermanier aufgestellt. Hinter den Zelten allerdings nicht mehr der traditionelle Planwagen oder die Karuza, heute stehen hinter den Zelten mehr oder minder moderne Autos. Viele der hiesigen Zigeuner haben feste Wohnorte, kleine Häuschen. Sie arbeiten in der Landwirtschaft, im Forst, auf dem Bau, während der Feriensaison auch in der Gastronomie.
Mehr als 800 Leute sind in Rosen angereist, um den Georgstag gemeinsam zu feiern. Und nicht nur diesen, hier geht das Fest drei Tage lang - mit lehmofengebackenem Schaf, mit Musik, Gesang und Tanz.

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