Dienstag, 1. September 2009

Da war die Freude groß

Nasch dom (unser Haus) in "Nasch Dom", einem bulgarischem Lifestyle-Magazin veröffentlicht. Na, da war die Freude groß. So schöne Fotos hatten wir von unserem Häuschen bisher noch nicht gesehen. Da sieht man halt doch, was ein Profi-Fotograf ist. Ende Juni war er mit einer Journalistin bei uns aufgetaucht und wollte sich mal unser Haus ansehen. Die beiden gehörten zu einem Filmteam, das in Warwara in einer Bucht an der Steilküste für einen Kinderfilm drehte. Und bei ihrem Aufenthalt hier hatten sie das Haus gesehen und interessierten sich dafür, wer ein für diese Region traditionelles Haus auch in dieser Tradition bewahrt und wie es zugleich modernen Wohnansprüchen angepasst wurde.

Das Haus, oder besser der Haustyp hat eine ganz eigene Geschichte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Balkan neue Grenzfestlegungen mit mehreren "Gebietsbereinigungen". Das bedeutete konkret, dass beispielsweise die in der Region von Ahtopol ansässigen Griechen nach Griechenland umgesiedelt wurden. Dafür mussten Bulgaren, die auf türkischem oder griechischem Gebiet lebten, ihre dortige Heimat verlassen. Auch entlang der südlichen Schwarzmeerküste entstanden in Bulgarien neue Ansiedlungen. Die Vertriebenen bekamen ein Stück Land, auf dem sie eine neue Existenz begründen konnten. Eine überaus arme Existenz, denn sie hatten ja nur mitnehmen können was sie oder was der Eselskarren tragen konnte. Die Großmutter unserer Freunde in Ahtopol hat uns an ihrem 100. Geburtstag ein wenig von diesem Schicksal erzählt. 1912, da war sie 12 Jahre alt, musste sie mit ihrer Familie ihr Häuschen verlassen. Der Ort liegt heute auf türkischem Gebiet, unweit der bulgarisch-türkischen Grenze. Sie packten ihre wenigen Habseligkeiten, vieles mussten sie zurücklassen im kleinen Häuschen. Bevor sie loszogen in eine ungewisse Zukunft vergrub der Vater ganz in der Nähe des Hauses unter einem Baum den Hausschlüssel. Er zeigte den beiden Töchtern den Platz, damit sie ihn wiederfinden. Falls sie einmal zurückkommen würden. Zurückgekommen ist sie nie wieder, auch ihre Kinder und Enkel haben den Ort nie besucht.

Damit sich die vielen Vertriebenen auf bulgarischem Boden ein neues Häuschen bauen konnten gründete ein französischer Unternehmer, Rene Sharon, zu Beginn der 20er Jahre einen Fonds, aus dem günstige Baudarlehen gewährt wurden. Die Häuser, die mit diesem Geld gebaut wurden, hatten alle das gleiche Aussehen. Eingeschossige Häuser mit zwei Zimmern und einer Küche. Der Eingangsbereich des Hauses war mit einer dreibogigen offenen Loggia versehen. Diese Art Häuser, von denen es allerdings nur noch wenige gibt, heißen bis heute die Sharonne-Häuser. Bei unserem Umbau zum Ferienhaus haben wir den alten Grundriss beibehalten, nur die Aufteilung der Innenräume verändert. Und das, die Bewahrung der Tradition, die Bewahrung eines Stückes Geschichte dieser Region, hat dem Fotografen und der Journalistin so gut gefallen, dass sie es mit einer Fotoreportage festhalten wollten.

Und wir zeigen nun natürlich ziemlich stolz die Zeitschrift herum.

Kommentare:

  1. Das Haus ist wirklich wunderschön. Sind davon noch welche zu verkaufen? An wen wendet man sich am Besten, wenn man ein älteres, kleines Häuschen sucht? Sind Immobilien wie bei uns in der Zeitung ausgeschrieben oder geht das eher über den persönlichen Kontakt? Uns interessiert das sehr, da wir mit dem Gedanken spielen nach Bulgarien auszuwandern. Wir sind dankbar für jeden Tipp.

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  2. Hallo Ihr beiden !
    Habe heute Eure Web-site gefunden , und muß sagen : interessant ! Alle Achtung ! Lebe auch hier in Bulgarien, aber im Binnenland.
    Habe aber auch Fragen, die mich brennend interessieren . wo gibt es hier Brotbackmischungen ? Ich baue meinen Roggen selber an ( alles reine Handarbeit) und backe mein Schwarzbrot selst.
    Und bei Bücherversand kann ich nur JOKERS empfehlen - liefert gut und mit nur 10.- Euro Versandkosten. Die postalischen Schäden sind hierbei zu verkraften ;-) .
    Alles Gute !
    Achim
    Jasenovo2006@gmail.com

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