Sonntag, 28. Februar 2010

Marteniza und Frühlingsgefühle


In unserem Garten herrschte in den letzten Tagen Hochbetrieb. Nein, keine Gartenarbeiter, dazu hat es zu oft geregnet. Am vielen Betrieb war Gominin schuld, die Hündin unserer Freunde. Den Namen hat der Hündin der Enkel verpasst - nach einem Namen in einem Computerspiel. Gominin fühlt sich bei uns immer mal wieder wie zu Hause - hier gibt es das bessere Futter. Zur Zeit nervt sie aber nur - Frühlingsgefühle. Und seit drei Tagen bringt sie Tag und Nacht ihre vielen Freunde mit. Sie selbst ist etwa so groß wie ein weißer Hochlandterrier. Doch ganz offenbar steht sie nicht auf kleine, sondern auch auf große Hunde. Im Schlepptau hat sie einen kleinen Spitzmischling, einen etwas großeren hellbraunen Hund mit Terriereinschlag, und dann noch zwei etwa schäferhundgroße Tiere, die ihr laut bellend den Hof machen. Hier ist es für viele Leute üblich, die Hunde frei rumlaufen zu lassen. Und wir sind die ganze Zeit damit beschäftigt, diese ganze Meute immer wieder aus unserem Garten zu verjagen - der Zaun ist hat nicht sehr dicht. Und wo ein Wille ist findet sich immer auch ein Weg. Wir gönnen Gominin ja ihre Frühlingsgefühle, aber sämtliche Krokusse auf der Wiese sind schon platt gedrückt. Heute war es ruhiger - die schlimme Zeit ist, scheint es, vorbei.
Übrigens ist morgen am 1. März Marteniza. Der Tag, an dem man die rot-weißen Bändchen verschenkt, mit denen sich groß und klein schmückt und die auch Tieren angehängt werden. Sie sollen Glück und Gesundheit für das ganze Jahr bringen und dürfen erst abgelegt werden, wenn man die erste Schwalbe oder den ersten Storch sieht.
Man wünscht zu Marteniza (abgeleitet von Monat März, Mart) übrigens auch Tschestita Baba Marta - Glückliche Oma Marta. Damit und mit den rot-weißen Bändchen will man Großmütterchen März (ähnlich wie Frau Holle) milde und freundlich stimmen. Denn auch hierzulande ist der März nicht nur frühlingshaft schön, er kann auch Stürme, Kälte und Schnee bringen. Und wer will das schon.
Also für alle Freunde und Leser auf diesem Wege unser Marteniza-Gruß.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Griechische Schule in Achtopol


Manchmal hat man hier ja auch angenehme Erlebnisse. Eigentlich sind wir ja mittlerweile immer auf das Schlimmste gefasst, was die plan- und oft auch sinnlose Bauwut in Bulgarien angeht. Riesige Hotels, riesige Appartmentanlagen, eins hässlicher als das andere, aber natürlich an den schönsten Plätzen der Schwarzmeerküste. Da sticht die Immobilienhaie ein solch schönes Plätzchen wie das an der Griechischen Schule an der Spitze einer ins Meer hineinragenden Landzunge in Achtopol besonders ins Auge. Ja, es stimmt, das Gebäude, das vermutlich um 1900 gebaut wurde, ist eine Griechische Schule. Das ist begründet in der Geschichte der Stadt Achtopol. Sie war eine von vielen alten griechischen Ansiedlungen rund ums Schwarze Meer. Es wird vermutet, dass die Siedlung mit Namen Agathopolis etwa 600 vor Christi entstanden ist. Die Lage war ideal - mit einem wunderbaren natürlichen Hafenbecken, ideal zum Anlanden von Handelsschiffen. Seit dieser Zeit gab es hier griechische Bewohner. Von dieser alten Ansiedlung freilich ist heute nichts mehr zu finden - außer den Resten der alten Stadtmauer, die vermutlich bei einem Erdbeben eingestürzt ist. Teile davon finden sich in einigen Straßenzügen in der Nähe des Hafens, und sogar in manchen Gärten kann man ein Stück Stadtmauer finden. Erst vor wenigen Jahren stieß ein Bauherr beim Ausheben der Baugrube auf ein weiteres Stück Mauer. Er bekam ein anderes Stück Bauland, die Mauer wurde notdürftig gesichert. Für die weitere Freilegung fehlt das Geld.
Doch zurück zu den Griechen. Die Stadt wurde später von den Römern erobert, und dann war sie wie ganz Bulgarien 500 Jahre von den Türken beherrscht. Eine griechische Bevölkerung lebte in der Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Vor allem griechische Schiffsbauer sollen von den Türken hier angesiedelt worden sein. Um 1900 war in Achtopol ein Völkergemisch heimisch: Griechen, Bulgaren, Türken, Roma lebten in der Region. Ein Haupterwerbszweig der Griechen zu dieser Zeit war unter anderem der Export von Holzkohle nach Istanbul, die im benachbarten Strandsha-Gebirge mit seinen dichten Eichen- und Buchenwäldern hergestellt wurde. Die Stadt muss immer wieder ziemlich vermögend gewesen sein, der natürliche Hafen bot gute Bedingungen für Händler.
Mit dem Niedergang des Türkischen Reiches gibt es immer wieder Veränderungen in der gesamten Region - hier stoßen heute Bulgarien, die Türkei und nur wenig entfernt auch Griechenland aneinander. Es gab um 1912 mehrere Kriege auf dem Balkan gegen das Osmanische Reich. Im Ergebnis der Kriege kam es zur Neuaufteilung der Territorien und zu massiven "Gebietsbereinigungen". So musste die bulgarische Bevölkerung die zur Türkei gehörenden Gebiete räumen, dafür verließen viele Türken bulgarisches Territorium. Und auch die Griechen, die noch in Achtopol lebten, mussten die Stadt verlassen. Von ihnen ist im Stadtbild kaum etwas geblieben, ein Großbrand im Jahre 1918 hat nahezu alle der überwiegend aus Holz gebauten Häuser der Stadt vernichtet. Nur eines der alten Holzhäuser direkt an der Steilküste ist aus jener Zeit erhalten geblieben, aber jetzt verfällt es allmählich, da seine Besitzer das Geld nicht haben es zu erhalten.
Und dann ist da natürlich die aus Stein gebaute griechische Schule, die den Brand ebenfalls überstanden hat. Kurz nach ihrer Fertigstellung mussten die Griechen die Stadt verlassen. Das Gebäude blieb Schule, wurde mehrfach restauriert und teilweise umgebaut. Bis vor einigen Jahren diente die einstige Schule als Freizeiteinrichtung für Kinder, in den Ferien gab es hier viele Angebote. Doch dann stand das Haus leer, zog viele begehrliche Blicke auf sich. Bis wir dann vor zwei Jahren hörten, das Gebäude ist in Besitz der Kunstakademie Sofia übergegangen. Einem alten Lehrer aus Achtopol, der sich sehr intensiv um die Erforschung der Geschichte der Stadt bemüht ist es zu danken, dass jetzt auch das kleine Museum der Stadt hier mit einer kleinen, aber feinen und vor allem gut gestalteten Ausstellung hier untergekommen ist. Teile des Gebäudes sind saniert, das Freigelände ist mit zahlreichen Holzplastiken der Kunststudenten geschmückt, die hier ihre Ferien verbrachten. Damit dürfte die Gefahr, dass auch auf dieser Landzunge ein großkotziger Hotelkomplex entsteht, gebannt sein.

Freitag, 19. Februar 2010

Der Frühling ist da


Die Schneemassen sind weggeschmolzen. Und anschließend hat es geregnet - gar nicht so knapp. Mit dem Erfolg, dass Teile unseres Gartens rund zwei Wochen lang eine Art Sumpflandschaft waren. Durch unser Grundstück fließen ziemlich große Wassermengen von der höher liegenden Straße. Und unter der wiederum fließt das Wasser aus dem noch ein wenig höher gelegenen Ortsteil hindurch direkt in unseren Garten.

Aber unsere Wassermassen waren nichts gegen das was wir vor zwei Tagen in Burgas erlebten. Die von Süden kommende Straße trennt mehrere Binnenseen von der Stadt. Am Anfang fand ich das ja noch lustig dass die Wasserfläche des größeren Sees fast das Niveau der Straße erreichte. Aber dann führte die Straße durch eine Senke - und der See war plötzlich auf der Straße. Und wir haben eigentlich kein schwimmfähiges Auto. Aber es ging alles gut. Am Abend wurde im Fernsehen ein Bericht über die Überschwemmungen in einigen Stadtteilen gezeigt. Wahrscheinlich war das Wasser im Laufe des Tages noch angestiegen. Mit einigen Tausend Säcken Sand, so wurde gemeldet, konnte das Wasser ein wenig aufgehalten werden.

Doch jetzt ist der Frühling da. Seit drei Tagen scheint die Sonne, die ersten Arbeiten im Garten können in Angriff genommen werden. Weinreben verschneiden zum Beispiel. Und heute war sogar das erste Mal Mittagessen auf der Terrasse angesagt. Das Thermometer war immerhin auf 23 Grad geklettert. Das kann gerne so weitergehen.

Das schöne Wetter sorgt auch dafür, dass auf den unzähligen Hotel- und Appartmentanlagen-Baustellen das Baugeschehen wieder beginnt. Zumindest auf denen, wo noch (oder wieder) Geld da ist. Die Krise hat auch hierzulande nicht zu knapp zugeschlagen. Aber für die Einheimischen bedeutet das, endlich wieder Arbeit zu haben. Auf den meisten Baustellen wird übrigens schwarz gearbeitet, nur die wenigsten sind bereit, für ihre Bauarbeiter Steuern und Krankenversicherung zu bezahlen. Aber das ist den meisten egal - sie sind froh über die Möglichkeit, überhaupt wieder Geld zu verdienen. Von 36 Lewa Sozialhilfe pro Monat kann man wahrlich nicht leben.

Sonntag, 14. Februar 2010

Trifonstag oder Trifon Zarezan


Ich hoffe doch sehr, dass ich nach diesem anstrengenden Feier-Tag die richtigen Tasten noch finde. In unserem ganzen bulgarischen Dorf - und nicht nur in unserem - wurde heute gefeiert. Ganz gleich wohin man kam, ein froher Feiertag wurde gewünscht - und dann eingeladen zum Wein verkosten. Der Trifonstag ist der Tag der bulgarischen Weinbauern. Und nahezu jeder der einen Garten oder einen Vorgarten hat nennt auch einige Weinreben sein eigen. Selbst an Balkonen haben wir sie schon ranken gesehen. Und natürlich werden die Weinreben im Herbst abgeerntet und dann wird jede Menge Wein gemacht. Und auch Rakia, Traubenschnaps. Eigentlich ist der Trifonstag nach dem neuen Kalender am 1. Februar. Aber traditionell wird der Tag von den Bulgaren nach wie vor nach dem alten Kalender, also am heutigen 14. Februar gefeiert.
Der Heilige Trifon ist der Schutzpatron der Weinbauern. Zarezan wird der Heilige Trifon auch genannt, weil die Gottesmutter ihm prophezeite, er werde sich beim Weinschneiden die Nase abschneiden, weil er sie verhöhnt hatte. So geschah es dann auch. Und das war offenbar eine schlimme Strafe, denn die Nase galt von jeher als Symbol der Männlichkeit. Trifon Zarezan, Trifon der Geschnittene ward er seither auch genannt.
Und nun ist dieser 14. Februar also der erste Feiertag im zeitigen Frühling. Ursprünglich war das auch der Tag, an dem die Weinstöcke verschnitten werden. Dieses Verschneiden war mit einem Ritual verbunden, bei dem der Weinstock mit Rotwein aus dem Vorjahr begossen und ein Segensspruch ausgebracht wurde, um auch in diesem eine reiche Ernte zu gewähren: "Es möge das Jahr ertragreich sein.Von jeder Rege ein Fass voller Trauben und volle Fässer Wein."
So ein Ritual gibt es gelegentlich auch heute noch, aber im Vordergrund, so zumindest in unserem Dorf, steht das Feiern. Die Männer trafen sich vor dem Haus, jeder hatte seinen Wein zum Verkosten dabei, die Frauen hatten es sich gemeinsam im Haus gemütlich gemacht - auch mit jeder Menge Wein, versteht sich. Und als die Feier auf dem Höhepunkt war, da wurde dann auf der Straße die Hora getanzt. Und das Verschneiden der Weinstöcke auf die nächsten Tage verschoben.

Montag, 1. Februar 2010

Ungewohntes aus dem Römertopf


Das war, kulinarisch gesehen, ein gelungenes Wochenende. Mal keine Arztbesuche und Medikamentenlisten, statt dessen lecker Essen.

Am Samstag zum ersten Mal ein Brot aus Sauerteig, gebacken im Römertopf. Der Sauerteig war erstaunlich einfach herzustellen, Roggenmehl haben wir auch gefunden und das Brot ist weitgehend auch gelungen. Nur weniger Oberhitze nächstes Mal, dann geht es vielleicht noch höher und wird nicht ganz so dunkel. Aber sonst war es einfach lecker. Vor allem weil die Bulgaren traditionell Weißbrotesser sind und dunkle Brotsorten, die gelegentlich angeboten werden und durchaus wie Mischbrot aussehen, einfach nur wie Sand schmecken.
Nun also das eigene erste Mischbrot. Darauf zu streichen Griebenfett - auch aus eigener Herstellung versteht sich, mit Zwiebel und Apfel und Schweineschmalz. Ja, ich weiß, wahnsinnig ungesund und perfekter Dickmacher. Aber es schmeckt doch so gut. Dafür heute zur Krönung des Ganzen etwas total gesundes - das Sauerkraut wurde verkostet, das seit Anfang Januar vor sich hinsäuerte - auch das ist eine wahre Köstlichkeit geworden. Hätte nie gedacht, dass es so gut schmeckt. In Deutschland wäre ich nie auf die Idee gekommen, solche Sachen (außer dem Fett) selbst herzustellen. Aber hier schmeckt eben alles ein wenig anders und nicht wie gewohnt. Und ab und zu will man geschmacklich schon mal heimatliche Gefühle kriegen. Und es zeigte sich mal wieder - wie wenig doch manchmal nötig ist, um Menschen glücklich zu machen. Na ja, die nächste Fastenzeit kommt bestimmt.
Das Wetter ist zur Zeit weniger schön: Seit zwei Tage erfreulicher weise wieder wärmer, dafür aber viel Regen. Statt in knie- bis hüfthohem Schnee stehen wir jetzt in knöcheltiefem Wasser. Und als heute Vormittag die Sonne schien und das Thermometer gleich mal auf 15 Grad kletterte, schmolzen auch die letzten Schneereste rund ums Haus eilig dahin. Die Folge des vielen Wassers: Samstag Abend - da war das Brot zum Glück fertig gebacken - und den halben Sonntag ohne Strom gesessen. Und wir dachten, die Stromausfälle kommen nur bei großer Kälte und viel Schnee.