Montag, 10. Mai 2010

Kon sa kon - Georgsritt auf bulgarisch

Der Himmel über Varvara - nein, hängt nicht voller Geigen, ist aber bevölkert von ungezählten Vögeln. Nachdem die Katzeninvasion abgezogen war konnten wir auch wieder ungestört die vielen Vogelstimmen hören. Nachts singt im Nachbargarten unermüdlich eine Nachtigall, tagsüber hören wir jede Menge andere Vögel, deren Stimmen wir aber leider nicht zuordnen können. Die Spatzen, Stare, Schwalben schon, denn die hören wir nicht nur, die kriegen wir auch zu sehen. Seit einigen Tagen sind nun auch wieder die aufgeregten Rufe der Bienenfresser zu hören, die unser Dorf in kleinen Schwärmen Richtung Norden überfliegen.
Am 6. Mai allerdings haben wir weder Vögel noch sonstwas gehört, da waren wir Georgstag feiern. Wie schon im Blog im vergangenen Jahr beschrieben, der Heilige Georg ist den Bulgaren wahrlich heilig. Die Roma feiern ihn als ihren Schutzheiligen, das ganze Bulgarien hat an diesem Tag gesetzlichen Feiertag, weil der Heilige Georg auch der Beschützer der Krieger ist.
Auch in diesem Jahr wieder trafen sich die Roma-Familien mittags auf einer großen Festwiese, um gemeinsam zu feiern. Die Familien saßen an langen Tischen, auf denen große Pfannen mit dem an diesem Tag unvermeidlichen Lammbraten standen. Der ist, da im traditionellen Lehmofen gebacken, allerdings wirklich köstlich. Dazu gab es diverse Salate, selbstgebackenes Pita-Brot und natürlich jede Menge Rakia. Für die richtige Feststimmung sorgte eine Zigeunerband, die ihre Verstärker auf und vor einem Lkw aufgebaut hatten. Es waren riesige Verstärker und aus ihnen dröhnte die traditionelle Volks- oder an sie angelehnte Musik in einer Lautstärke, die jegliche Unterhaltung unmöglich machte. Aber essen und trinken und tanzen ging trotzdem. Wir haben uns nach drei Stunden verabschiedet, die meisten anderen hielten bis zum frühen Abend durch.
Was wir im vergangenen Jahr vermisst hatten - die an diesem Tag in Deutschland traditionellen Georgsritte. Dass es einen solchen Brauch ausgerechnet bei den Roma nicht gibt, bei denen Pferde bis heute eine große Rolle spielen, hat uns schon sehr gewundert. Doch unser Freund Ilija klärte uns auf, dass es solche Ritte selbstverständlich auch hier gibt. Allerdings als Pferderennen am 7. Mail.
Also machten wir uns morgens um 7 Uhr auf den Weg in den kleinen Ort Ravna Gora, wo um 8 Uhr ein solches Rennen starten sollte. Die Roma-Familien saßen auf dem Festplatz vor ihren kleinen Zelten, die sie für den Georgstag aufgebaut hatten. Zwei Pferde waren auch schon da, ein drittes wurde wenig später auf den Platz geführt. Das vierte Pferd kam allerdings erst nach 9 Uhr, da hätten wir nicht so früh aufstehen müssen. Der späte Ankömmling war allerdings ein Riese gemessen an den eher zierlichen Pferden der Roma.
Aber was dann passierte war schon sehr interessant: Die Pferdebesitzer stimmten sich auf das Rennen ein mit den Worten: "Kon sa kon" - Pferd für Pferd. Uns wurde erklärt: traditionell wird hier nicht nur um den Sieg gekämpft, sondern auch ums Pferd. Der Verlierer des Rennens verliert das nämlich - an den Sieger. Allerdings wird dieser Brauch nur noch selten praktiziert, viele der Zigeuner sind auf ihr Pferd angewiesen, sie benutzen es nach wie vor als Arbeitstier.
Nach diesem ersten Rennen fuhren wir noch in den Nachbarort, dort waren immerhin acht Pferde am Start.
Und die Begeisterung groß, vor allem weil ein Einheimischer mit dem kleinsten Pferd am Start dem auch hier startenen großen Tier das Nachsehen gab.
Auf dem Heimweg (mit dem Auto und nicht hoch zu Ross) hat uns Ilija darauf hingewiesen, dass viel Arbeit vor uns liegt - schließlich müssten wir unseren jungen Hengst Alaska endlich trainieren, damit er im nächsten Jahr mit an den Start gehen kann.

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