Sonntag, 20. Juni 2010

Auch Varvara nicht ohne Fussball

Auch wenn man nicht unbedingt von Fussballfieber reden kann - ganz ohne Fussball geht es auch im kleinen bulgarischen Schwarzmeerort Varvara nicht. In allen Hotel-Gaststätten steht mindestens ein Fernseher, und der ist in diesen Tagen meist auf WM eingestellt. Die Zuschauerzahl hält sich in Grenzen - Bulgarien ist nicht dabei bei dieser WM. Im Hotel Tscherno more trifft sich indessen eine kleine internationale Truppe regelmäßig vor dem Bildschirm: Vier Deutsche, zwei Bayern, zwei Schweizer, sechs bis 10 Bulgaren. Auf den Tischen je nach Tageszeit Kaffee oder auch Bier und Wein.
An den Tischen, vor allem beim Spiel Deutschland gegen Serbien, lautstarke Kommentare und viel Unverständnis über die Schiedsrichterentscheidung. Freilich auch Klatschen und Jubeln beim serbischen Tor und dem verschossenen Elfmeter- das waren zwei bulgarische Zuschauer. Die anderen stehen zu den Deutschen. Der Schweizer Paul und die in München lebende Bulgarin Donka retten sogar gemeinsam die extra aufgehängte deutsche Fahne vor dem Absturz. Und wenn schon keine bulgarische Teilnahme an dieser WM, dann darf wenigstens die Geschichte eines großen bulgarischen Fussball-Triumphes nicht fehlen: als 1994 das bulgarische Fussballteam das deutsche aus dem Viertelfinale schoss. Lechkov war der Torschütze - ein bisschen ein Volksheld bis heute.

Freitag, 4. Juni 2010

Musik statt Straße - ein Projekt für benachteiligte Kinder in Sliven


Die Kinder brauchen die Musik wie die Luft zum Atmen. Ein Satz, dem Georgi Kalaidjiev aus vollem Herzen zustimmt. Sein eigenes Leben ist geprägt von Musik. Kalaidjiew ist Geiger.  Schon als Sechsjähriger begann er in seiner Heimatstadt Sliven mit dem Musikunterricht, sein erster Lehrer war sein Vater.  Der war auch Musiker - Zigeunermusiker, der sich selbst den Traum vom Musikstudium nicht erfüllen konnte und mit einer selbst aufgebauten Musikergruppe durch Europa zog. Aber sein talentierter Sohn sollte ein “richtiger“ Musiker werden, sollte seine Liebe zur Musik leben können. 
Georgi Kalaidjiev hat es geschafft, er ist ein nicht nur in Bulgarien anerkannter Musiker geworden.  Heute musiziert er bei der Philharmonie Gießen und ist musikalischer Leiter des Ensembles "Collegium Musicum" in Stadt Allendorf. Er gründete ein eigenes Kammerorchester "Studio Konzertante", in dem er musikalischer Leiter und Konzertmeister  gleichzeitig ist.  Eine erfolgreiche Karriere, auf die sein heute über 80jähriger Vater sichtlich stolz ist. Aber diese Karriere  war nur möglich, weil es Menschen gab, die sie ihm ermöglicht haben. Durch ein Stipendium seiner Heimatstadt zum Beispiel für begabte, aber arme Kinder. Und seine Familie, die viele Entbehrungen auf sich nahm, um ihm das Studium zu ermöglichen. Heute will Kalaidjiev anderen helfen. Er ist häufig zu Besuch in seiner Heimatstadt.  Und er kennt die Armut vieler Slivener. Sliven war eine Industriestadt. Die Industrie ist nahezu völlig weg gebrochen, damit sind auch die Arbeitsplätze verschwunden. Die Sozialleistungen, die Bulgarien seinen Bürgern gewähren kann, reichen kaum für das tägliche Essen. Wie sollten die Familien da Geld erübrigen können für kulturelle Bildung für die Kinder?
Kalaidjiev weiß, wie wichtig eine sinnvolle Beschäftigung, eine ausgefüllte Freizeit für Kinder ist.  “Der Umgang mit Musik, das Spielen eines Instruments hilft ihnen nicht nur, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und zu schulen. Auch das Selbstbewusstsein dieser benachteiligten Kinder wird entwickelt, weil sie Erfolgserlebnisse haben.“
Deshalb hat er mit Helfern aus Gießen und aus der Stadt Sliven eine Initiative ins Leben gerufen, die Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine Musikausbildung ermöglichen soll. “MUSIK STATT STRASSE” heißt das Projekt des Kammerorchesters „Studio Konzertante“, welches die Mitglieder des Stadttheaters in Giessen im Sommer 2009 für Slivener Kinder initiierten. Mit Sammlungen und Benefizkonzerten brachten sie das erste Geld für das Projekt zusammen. Ein Projekt, das wir gern unterstützen.
In Sliven kümmert sich Radka Kuseva von der Kunstschule “Kleine Virtuosen” gemeinsam mit einer Rundfunkredakteurin (auf dem Foto gemeinsam mit Kalaidjiev vor dem Slivener Rathaus, die Musikschule liegt genau gegenüber) und in Zusammenarbeit mit einem Jugendhaus um die Umsetzung des Projektes. Im September vergangenen Jahres ist es angelaufen. Konkret heißt das, dass  die ersten Kinder aus den ärmsten Familien zweimal wöchentlich Unterricht in Violine, Gitarre oder Klavier sowie in Malerei erhalten. Ebenso wichtig: alle teilnehmenden Kinder erhalten  eine Mahlzeit. Und die beteiligten Musiklehrer geben die Stunden für ein minimales Honorar.
Kalaidjiev und seine Mitstreiter freuen sich über die bisherige Resonanz. “Jetzt allerdings müssen wir uns etwas einfallen lassen”, sagt er. Denn mit so vielen interessierten Kindern hatte niemand gerechnet und das Geld wird knapp und auch Instrumente werden  gebraucht. Wer helfen will:
Kinderprojekt “Musik statt Straße“: Konto-Nr.: 66554600, BLZ:51390000. Oder im Blog über die Kommentarfunktion mit uns Kontakt aufnehmen, wir vermitteln einen Kontakt zum Verein.