Donnerstag, 14. Oktober 2010

Das thrakische Kuppelgrab von Mishkova niva ist einen Besuch wert

Die Zeit rast und jetzt will ich endlich mal über unseren Besuch in Mishkova Niva erzählen.
Gefunden haben wir diese archäologische Fundstätte in der Nähe von Malko Tarnovo, also nicht weit weg von uns, im vergangenen Jahr durch ein Foto oder einen Blog im Internet. Und waren neugierig, weil noch nie gehört. Dank google earth haben wir dann auch weitere Fotos gefunden, die den Fundort näher eingrenzten. Und Jo stellte fest (er ist der Kartenkundige), dass der Fundplatz wahrscheinlich direkt an der Grenze liegt. Und so war es auch. Wir also im Vorjahr mit Freunden nach Malko Tarnovo und suchen. Wir fanden auch einen Weg, der laut Karte zum Kuppelgrab führen musste - aber dann kam der Grenzzaun und ein eisernes Tor, das mit einem Vorhängeschloss zugesperrt war - Grenze zur Türkei und also nicht einfach so zu betreten. Ein Ortskundiger älterer Mann verriet uns schließlich, dass ein Besuch möglich sei, aber nur in Begleitung eines Grenzers. Organisiert wird das ganze von der Touristinformation in Malko Tarnovo. Und die hatte zwar Öffnungszeiten, aber leider nicht geöffnet. Auch telefonisch war niemand zu erreichen. Also in diesem Jahr ein neuer Anlauf, und siehe, wir hatten Glück. Es hatten sich noch weitere Interessenten gemeldet und mit denen gemeinsam konnten wir an einem Sonntag vormittag die archäologische Fundstätte besuchen. Ein Grenzer begleitete uns nicht, dafür die Dame von der Touristinformation, die auch den Schlüssel zum Grenzzaun hatte - spannend, spannend.. Im Grenzstreifen waren es dann noch ungefähr zwei Kilometer durch ein schönes Waldgebiet des Strandsha-Gebirges zu laufen, das genau an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei liegt. Noch waren wir am Stöhnen der Hitze und des Anstieges wegen, da öffnete sich der Wald und vor uns lag das Grabungsfeld mit vielen großen Steinblöcken.
Die "Große Mogila" wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den in Bulgarien lebenden tschechischen Brüdern Hermann und Karel Schkorpil gefunden. Das Kuppelgrab, errichtet aus großen Marmorblöcken, entstand im Zeitraum vom 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus und wurde vermutlich für einen thrakischen Fürsten errichtet.
Das Kuppelgrab war zum größten Teil zerstört und wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts teilweise rekonstruiert. Rekonstruktionsversuche dauern bis heute an und werden, wie Jo ziemlich wütend bemerkte, sehr dilettantisch und ohne wissenschaftliche Begleitung durchgeführt. Da passt nur wenig wirklich zueinander und leider werden die alten Steine durch unprofessionelle Methoden teilweise zerstört. Das war der weniger schöne Teil an einer ansonsten imposanten und sehenswerten Kultstätte. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte ein Besucher aus unserer kleinen Gruppe - er stellte sich ins Zentrum des offenen Kuppelgrabes und holte eine Flöte aus der Tasche. Und spielte auf ihr eine sehr schöne, etwas klagende Melodie, der wir alle andächtig lauschten.
Die Region diente wahrscheinlich schon weit früher als Kultkomplex. Auch im Umfeld fanden sich weitere alte Grabstätten. Zu den interessantesten Funden gehören aber neben dem Kuppelgrab zweifellos auch die Überreste einer Anlage aus der Kupfer- oder Bronzezeit, die der Kupferverhüttung diente.