Sonntag, 30. Januar 2011

Futtern wie bei Muttern

Das geht hier natürlich nicht so einfach, aber wir vervollkommnen unsere Fähigkeiten, (mittel)deutsches Essen herzustellen. Wir sind halt dran gewöhnt. Mit der Leberwurst klappte das schon ganz gut, auch mehrere Brotsorten sind ganz gut gelungen. Jetzt haben wir uns erstmals an Lachsschinken und Bratwurst (in manchen Gegenden auch Knackwurst genannt) gewagt.

Und sind von uns selbst begeistert - es duftete nicht nur ganz wunderbar nach frisch Geräuchertem, es schmeckte auch. Und schmeckt noch. Was nicht heißt, dass wir nicht auch sehr gern die bulgarische Küche genießen. Es gibt viele Dinge in der traditionellen bulgarischen Küche, die wir wirklich gern essen und auch selbst gern kochen. Aber wenn man ganz ehrlich ist: woran man von klein auf gewöhnt ist will man nur ungern missen. Also dunkles Brot, herzhaft gewürzte und geräucherte Wurst, feste Schnittkäse und cremige Camemberts. Bis auf den Käse sind wir nun Selbstversorger. Und das nicht nur des Geschmackes wegen, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Bei vielen Lebensmitteln sind wir nicht sicher, was da wirklich drin ist. Zwar soll es auch hier Lebensmittelkontrollen geben, aber wahrscheinlich doch nur sehr sporadisch. Sogar eine große europäische Supermarktkette, die hier auch Märkte betreibt, hat sich neulich verpflichtet, künftig die Herkunft ihrer Produkte besser zu kontrollieren, damit nicht wieder gefälschte Schnäpse in den Regalen landen. Und auch sonst liest man in hiesigen Zeitungen immer mal wieder von verfälschten Lebensmitteln.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Maul- und Klauenseuche in Bulgarien

Dioxin und kein Ende. Zumindest in Deutschland. Ob es hier Dioxin oder sonst irgendwas im Fleisch gibt wissen wir nicht. Hier in der Region um Burgas gibt es derzeit andere Probleme, die auch mit Tieren und Fleisch zu tun haben: Wir haben die Maul- und Klauenseuche. Naja, nicht wir, für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich. Aber etliche Tiere in umliegenden Dörfern sind infiziert.
Die ersten Leidtragenden waren die Jäger - bei zwei geschossenen Wildschweinen in der Nähe von Kosti wurde die Krankheit festgestellt. Kosti ist ein kleines Dorf  in den Ausläufern des Strandja-Gebirges fast am Ende der Welt - zumindest am Ende Bulgariens. Von Varvara ist es nur wenige Kilometer entfernt, eine Straße führt bis hin, aber dann nicht mehr weiter. Hinter den nächsten Bergen liegt schon die Türkei. Und von dort ist die Seuche auch gekommen, von den Türken, von denen in Erinnerung an 500jährige türkische Fremdherrschaft nur schlechtes kommen kann. Und jetzt also die Tierseuche, so die offizielle Darstellung. Richtig scheint zu sein, dass es in der Türkei tatsächlich Maul- und Klauenseuche in den Tierbeständen gibt. In Kosti wurden alle Tierbestände getestet, etliche Tiere mussten getötet werden. Auch in anderen Dörfern in der Region wurden daraufhin umfangreiche Kontrollen durchgeführt. In Resovo, letztes Dorf an der bulgarischen Schwarzmeerküste, wurde der Krankheitserreger ebenfalls gefunden, zahlreiche Tiere wurden getötet. Bisher wurden allerdings nur Erreger festgestellt, die Seuche selbst soll noch nicht ausgebrochen sein. Unser Dorf ist bisher auch verschont geblieben. 
Die bulgarische Regierung hat gestern mitgeteilt, dass die Tierhalter entschädigt werden, auch mit Mitteln aus der EU. Das ist auch dringend nötig, denn in den Dörfern hier gibt es zahlreiche Tierhalter, die eine kleine Schafherde, Ziegen oder einige wenige Kühe halten. Die Tiere werden jeden Tag auf den umliegenden Wiesen geweidet. Von den Tieren - Milch- oder Fleischverkauf - fristen die Besitzer ihr meist armseliges Leben. Hoffentlich kommen die Entschädigungen bald, denn nur dann können neue Tiere angeschafft werden. Und wir können im Sommer auch wieder solche Fotos wie oben schießen.

Sonntag, 9. Januar 2011

Fast Eisbaden

Sie haben es tatsächlich wieder getan - mieses Wetter, Temperaturen kaum über null Grad, Wind, Wellen, Nieselregen. Das alles konnte zwölf Männer in Tsarevo nicht davon abhalten, ins kalte Hafenbecken zu springen.
Der Anlass war ein vom Popen zuvor geweihtes großes Holzkreuz, dass alljährlich am 6. Januar, dem Jordanov den ins Wasser geworfen wird. Eigentlich war es ja ein Fehlstart, der erste sprang los noch bevor der Pope überhaupt werfen konnte. Aber womöglich war es dem Frühstarter ja ganz einfach zu kalt da auf der Betonmauer.
Diese  alte Tradition ist in ganz Bulgarien bis heute lebendig geblieben. Ob Fluss, See oder Meer - es wird gesprungen, wie der Fernsehbilder am Abend aus allen Regionen in Bulgarien zeigten. Demjenigen, der zuerst das Kreuz erreicht und es ans Ufer bringt winkt als Preis ein ganzes Jahr Glück und Gesundheit. Vorausgesetzt er ist ausreichend abgehärtet und hat sich im kalten Wasser nicht erkältet.
In diesem Jahr war auch in unserem kleinen Varvara der Brauch des  Jordan-Badens angekündigt, 11 Uhr sollte es losgehen. Aber außer uns war keiner da, auch um 12 noch nicht. Heute haben wir erfahren, dass es erst kurz vor ein Uhr losging - aber da waren wir schon wieder zu Hause.
Na, vielleicht erleben wir im kommenden Jahr die unerschrockenen Eisbader aus Varvara.
Auch alle anderen Rituale zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr haben wir wieder miterlebt. In der Weihnachtsnacht zogen die Koledari in unseren Garten und wünschten dem Haus und seinen Bewohnern Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Und am Neujahrsmorgen kamen die Kinder des Dorfes, um uns mit geschmückten Ruten kräftig den Rücken zu klopfen und ebenfalls Glück, Gesundheit und natürlich Reichtum zu wünschen. Und natürlich gab es dafür auch wieder ein Dankeschön in Form von Süßigkeiten und kleinen Geldgeschenken.

Dienstag, 4. Januar 2011

Ausgerechnet heute Wolken

Das darf doch nicht wahr sein - nach Tagen schönster Sonnenschein. Mittags haben wir draußen gesessen zum Kaffeetrinken, das Gesicht sonnenbaden lassen. Einfach nur angenehm. Vor zwei Tagen kam Nachbar Chris zu uns Sonnenbadern, um zu fragen ob alles in Ordnung und wir auch wirklich gesund seien. Seine Frau hatte ihn geschickt - mit Joachim ist etwas nicht in Ordnung, hatte sie gesagt, er bewegt sich überhaupt nicht. Geh schnell mal nachsehen. Aber wir konnten Chris überzeugen, dass alles in Ordnung war. Und da er nun einmal da war tranken wir auch gleich noch einen großen Schluck vom selbst hergestellten Hauswein. Ist doch gut dass man so aufmerksame Nachbarn hat.
Apropos Hauswein: Der erste eigene ist übrigens gut gelungen. Im Septemberblog war er ja erst am gären.

Aber der gelungene Wein kann uns nicht darüber hinweg trösten, dass sich nach so vielen schönen Tagen ausgerechnet heute die Sonne hinter dicken Wolken versteckte. So war also die hierzulande zu sehende Sonnenfinsternis, immerhin sollten 86 Prozent der Sonne vom Mond bedeckt sein, nicht zu sehen. Stattdessen hatten wir 100 Prozent Sonnenfinsternis.
Naja, freuen wir uns halt auf den nächsten so schönen Sonnenaufgang wie den auf dem Foto.