Sonntag, 9. Januar 2011

Fast Eisbaden

Sie haben es tatsächlich wieder getan - mieses Wetter, Temperaturen kaum über null Grad, Wind, Wellen, Nieselregen. Das alles konnte zwölf Männer in Tsarevo nicht davon abhalten, ins kalte Hafenbecken zu springen.
Der Anlass war ein vom Popen zuvor geweihtes großes Holzkreuz, dass alljährlich am 6. Januar, dem Jordanov den ins Wasser geworfen wird. Eigentlich war es ja ein Fehlstart, der erste sprang los noch bevor der Pope überhaupt werfen konnte. Aber womöglich war es dem Frühstarter ja ganz einfach zu kalt da auf der Betonmauer.
Diese  alte Tradition ist in ganz Bulgarien bis heute lebendig geblieben. Ob Fluss, See oder Meer - es wird gesprungen, wie der Fernsehbilder am Abend aus allen Regionen in Bulgarien zeigten. Demjenigen, der zuerst das Kreuz erreicht und es ans Ufer bringt winkt als Preis ein ganzes Jahr Glück und Gesundheit. Vorausgesetzt er ist ausreichend abgehärtet und hat sich im kalten Wasser nicht erkältet.
In diesem Jahr war auch in unserem kleinen Varvara der Brauch des  Jordan-Badens angekündigt, 11 Uhr sollte es losgehen. Aber außer uns war keiner da, auch um 12 noch nicht. Heute haben wir erfahren, dass es erst kurz vor ein Uhr losging - aber da waren wir schon wieder zu Hause.
Na, vielleicht erleben wir im kommenden Jahr die unerschrockenen Eisbader aus Varvara.
Auch alle anderen Rituale zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr haben wir wieder miterlebt. In der Weihnachtsnacht zogen die Koledari in unseren Garten und wünschten dem Haus und seinen Bewohnern Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Und am Neujahrsmorgen kamen die Kinder des Dorfes, um uns mit geschmückten Ruten kräftig den Rücken zu klopfen und ebenfalls Glück, Gesundheit und natürlich Reichtum zu wünschen. Und natürlich gab es dafür auch wieder ein Dankeschön in Form von Süßigkeiten und kleinen Geldgeschenken.

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