Mittwoch, 11. Mai 2011

Hilfe in der Not

Die Feiertage sind vorbei und wir wieder mal auf dem Wege nach Hause - also nach Deutschland. Muss ab und zu auch mal sein. Eigentlich freuen wir uns ja auch immer darauf, viele Freunde und die Familie wieder zu sehen. Aber dass wir gerade jetzt fahren wollen, wo hier endlich die Regenzeit vorbei ist und der Sommer beginnt - das ist nicht so toll. Aber es ist halt geplant.
Glück mit dem Wetter hatten wir hier auf jeden Fall an den Feiertagen. Ostern konnten wir endlich mal bei viel Sonnenschein draußen verbringen und auch der Georgstag verwöhnte uns mit viel Sonne. Darauf hatten natürlich alle gehofft, ist doch der Georgstag in Bulgarien ein offizieller Feiertag. Der Tag der Armee wird begangen, weil der Georg der Schutzheilige aller Krieger ist. Dass der 6. Mai, also der Georgstag, auch das wichtigste Fest der Roma ist, das hatte der staatliche Nachrichtensender BNR in seinem auch in deutsch erschienenen Text zu diesem Tag vergessen zu erwähnen. Aber Denka und Ilija und alle anderen hier im Dorf haben sich erinnert. Und wie jedes Jahr schlachtet jede Familie, die es sich leisten kann, ein Schaf. Um die Mittagszeit treffen sich alle Roma des Dorfes an festlich und vor allem üppig gedeckten Tischen mit allen Familienangehörigen und Freunden, um den Tag mit guten Essen und natürlich auch viel Rakia bei Musik und Tanz zu begehen. Die Wiese hinter dem Dorf, der traditionelle Festplatz am 6. Mai, war diesmal allerdings nicht geeignet. Auf Grund des vielen Regens in diesem  Frühjahr war sie ein einziger Sumpf. Also wurden Tische, Bänke und Stühle kurzerhand auf einer Dorfstraße aufgestellt, eine kleine Bühne für die Musiker errichtet und es konnte gefeiert werden.

Am Morgen des 7. Mai machten wir uns dann wieder auf  in die Dörfer Ravna Gora und Rosen - dort wohnen Ilijas Verwandte. Und dort gab es - wie schon im vorigen Jahr - Pferderennen. Leider fanden sich nur zwei Pferde in Ravna Gora, die den Wettkampf wagen wollten. Dafür standen dann auch noch zwei Esel bereit für ein zünftiges Rennen der Kinder.
Das Rennen in Rosen haben wir diesmal allerdings verpasst - zu lange geredet in Ravna Gora. Unter anderem auch mit Ilijas Bruder Stojan, der in den vergangenen beiden Jahren kein leichtes Schicksal hatte. Vor etwa zwei Jahren hatte er in Griechenland einen Autounfall. Er arbeitete dort (schwarz natürlich) und saß beim Unfall im Auto seines Chefs. Der hatte getrunken, also keine Polizei und demzufolge auch keine Versicherungsleistung. Stojan hatte einen komplizierten Beinbruch.

Die Erstbehandlung bezahlte ihm sein Chef. Doch zurück in Bulgarien waren weitere Behandlungen nötig, der Knochen musste gerichtet und mit Nägeln stabilisiert werden. Außerdem stellte sich eine Infektion ein. Das Geld dafür hat sich Stojan (Schwarzarbeit, also nicht krankenversichert) in der Familie zusammengeborgt. Seither ging er an Krücken, konnte nicht mehr arbeiten. In diesem Jahr nun stand eine weitere Operation an - die Nägel mussten entfernt werden, sollte sich das Bein nicht noch weiter entzünden. Aber Geld konnte keiner mehr beisteuern. Die Krise hier in Bulgarien währt nun das zweite Jahr. Viele in der Region hatten zuvor auf den zahlreichen Baustellen gearbeitet, die jetzt fast alle stillgelegt sind. Also gab es für Stojan nur eine Option - Amputation. Freunde in Deutschland, denen wir von diesem für uns unvorstellbaren Schicksal erzählten, wollten helfen. Sie sammelten in Verwandten- und Bekanntenkreis und überwiesen uns umgehend 400 Euro. Die Summe, die ursprünglich für die Behandlung genannt worden war. Stojan wurde erfolgreich operiert, auch die Infektion erfolgreich behandelt - Ostern überraschte er uns mit einem Besuch ohne Krücken. Und zum Georgstag hat er beim großen Fest in seinem Dorf sogar beim Tanz einen Preis gewonnen. Jetzt ist er wieder auf Arbeitssuche und wir wünschen ihm Glück dafür. Und danken noch einmal ganz herzlich denen, die so schnell geholfen haben.

1 Kommentar:

  1. Hallo, ich lese diesen Blog sehr oft und sehr gerne. Mir hat es ehrlich gesagt das Herz umgedreht, wenn ich bedenke, wie dankbar wir Deutschen auf unser Gesundheitssystem sein müßten. Und wie ungerecht es in Bulgarien gehandhabt wird. Als nicht krankenverichert UND Zigeuner ist man leider dort doppelt und dreifach gestraft. Wie oft höre ich: "Ja, ja euer Hitler war gut. der alle Zigeuner vergast."
    Ich glaube leider, dass sich diese Einstellung nicht so leicht ändern wird.
    Aber euch wünsche ich in Varvara viel Glück und ein großes Dankeschön an euer noch größeres Herz.

    Kathrin

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