Samstag, 22. Dezember 2012

Weiße Weihnacht

Was für viele Gegenden in Deutschland wahrscheinlich ausfällt, bei uns scheint es zu werden: Ein weißes Weihnachtsfest.  Nach den heftigen Regenfällen, die unseren Garten in eine Sumpflandschaf verwandelten, übergangslos zwischen 20 und 30 cm Schnee.
Jetzt also alles weiß, darunter teils gefroren, teils Matsch. Die letzten Rosen sind aber leider erfroren. Natürlich kein Wetter, unser Pferd Alaska auf die Wiese zu stellen. Er wohnt jetzt im Stall und hat auch nichts zu meckern: Warm und gutes Futter und regelmäßig Streicheleinheiten. Was will Pferd mehr. Leo ist nicht nur nach wie vor verfressen, er ist auch lernfähig. Er lernt gerade apportieren. Klappt noch nicht immer, aber immer besser. Rechtzeitig vor der Kälte und dem Fest hat er ein neues Hundebett bekommen - der wahre Luxus für hiesige Verhältnisse. Also Weihnachten kann kommen.
Mit Erstaunen haben wir hier die Meldungen aus Deutschland zur Kenntnis genommen, dass es auf einigen Gebieten Medikamentenengpässe gibt. In Deutschland. Und wir dachten immer, das sei eher ein Problem für Länder wie Bulgarien. Denn auch hier ist seit vielen Wochen zu lesen, dass es in Gesundheitseinrichtungen nicht ausreichend Medikamente gibt. Unter anderem für Chemotherapien.
Das hat auch eine Freundin hier aus dem Dorf getroffen - Dida. Bei ihr wurde im vergangenen Winter Darmkrebs festgestellt. Da sie keine Arbeit und somit kein Einkommen und auch keine Angehörigen mit Geld hatte, wurden die Kosten für Operation und Medikamente von der Sozialkasse übernommen. Dann kamen die Chemotherapien. Im November erfuhr sie aber, dass die letzte Behandlung Anfang Dezember ausfallen muss - keine Medikamente. Doch dann kam die Nachricht, dass sie Mitte Dezember nun doch noch einmal behandelt wird. Ihre Erleichterung war groß, hatte sie sich doch seit der Operation wieder gut erholt und hat nun auch offiziell die Bestätigung, dass sie Invalidenrentner ist. Ihre monatliche Rente - 180 Lewa, das sind rund 90 Euro. Besser als nichts, auch wenn es zum Leben kaum reicht.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Weihnachtliches aus Bulgarien

Ich habe heute auf dem Foto einer Tageszeitung (Internet macht es möglich) unseren Freund Bernd gesehen. Auf einem Geraer Weihnachtsmarkt schenkt er gerade Glühwein aus. Das sind Momente, da überkommt einen schon ein wenig die Sehnsucht. Weihnachtsmarkt, Glühwein, Pfefferkuchen, Freunde treffen. Schön wäre es... Weihnachtsmärkte haben hierzulande wenig Tradition.
Dabei haben wir doch schon zwei erlebt, sogar einen deutschen. Ende November waren wir in Sofia, unsere neuen Pässe in der Botschaft abholen. Und der Zufall wollte es, dass gerade an diesem Tag im Zentrum Sofias direkt neben dem Theater der deutsche Weihnachtsmarkt eröffnet wurde. Bereits zum 2. Mal initiiert und organisiert von der deutschen Botschaft gemeinsam mit den österreichischen Kollegen. Und wir erlebten. obwohl eigentlich zu spät gekommen, sogar die offizielle Eröffnung mit. Zwei Stunden verspätet, weil anfangs der Strom fehlte. Doch dann ging es los mit (bulgarischem) Weihnachtsmann und deutschem und österreichischem Botschafter. Anschließend gab es auf der Bühne ein sehr schönes weihnachtliches Konzert eines Streichquartettes. Klein aber fein luden zahlreiche Weihnachtsbüdchen zu Glühwein und Rostern, Sauerkraut und Kartoffelsalat ein. Daneben gibt es einige Angebote zum Kauf von Weihnachtsschmuck, Gebäck, Büchern. Weihnachtsmarkt eben mit allem was dazu gehört, zwar etwas kleiner als wie gewohnt die deutschen Märkte, aber ebenso stimmungsvoll.
In Burgas dann vor wenigen Tagen vor und in einer großen Einkaufsmall ein kleiner bulgarischer Weihnachtsmarkt mit bulgarischen Spezialitäten (Kjufte, Kebabtsche, Lukanka) und einem Glühwein, der den deutschen Fertigglühwein weit in den Schatten stellte. Selbstgemacht aus einem guten bulgarischen Rotwein mit etwas Zucker und Gewürzen - sehr schmackhaft. Leider fehlte am frühen Nachmittag die richtige Weihnachtsstimmung, die sich wohl erst im Lichterglanz einstellte.

Weihnachtsstimmung bei uns im Haus gibt es selbstverständlich auch - mit vielen Lichtern und erstmals selbstgebackenem Stollen, der zwar etwas breitgelaufen, aber sehr schmackhaft ist - Margits Rezept sei dank.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Barbaratag - Festtag für Varvara

Es ist neblig, sagte Jo, als er gestern morgen aus dem Fenster schaute. Nachdem er die Brille aufhatte korrigierte er: Nein, es schneit. Erst ganz fein, dann dickere Flocken. Es war deutlich kälter geworden nach  Gewitter und Regen in der vorangegangenen Nacht. Doch als zehn Uhr die Glocke in unsere kleine Kirche rief, war die weiße Pracht längst vorbei.
Es war Barbaratag. Der Tag der Heiligen, nach der unser Dorf benannt ist. Einer der wenigen Tage, an denen hier auch ein Gottesdienst stattfindet. Nach der Zeremonie, an deren Ende es Süßigkeiten und Brot gab, ging es weiter ins Bürgermeisteramt. Dort wurde der Pensionärsklub eingeweiht. Vom Popen selbstverständlich, nur so bekommt der Raum die richtige Weihe.
Klub klingt etwas gewaltig. Ein Raum im Bürgermeisteramt war neu mit Tischen und Stühlen ausgestattet und die Vertreter des Landratsamtes hatten auch noch einen Fernseher mitgebracht. Für einen kleinen Monatsbeitrag können sich hier künftig die Rentner des Dorfes treffen, die zumindest unter den bulgarischen Einwohnern deutlich in der Überzahl sind, gemeinsam Kaffee trinken, vielleicht auch mal kleine Feiern veranstalten oder Veranstaltungen organisieren. Mal sehen was daraus wird.
Zur Feier des Barbaratages, der ja auch ein besonderer Festtag für das Dorf ist, hatte die Bürgermeisterin (oder besser Dorfbeauftragte, denn einen Bürgermeister hat ja unsere kleine Gemeinde nicht mehr) zu Dimo ins Hotel zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Die Gemeinde stellte dafür einen kleinen Betrag zur Verfügung, der Hotelchef steuerte Rakia bei. Wir mussten die Feier leider vorzeitig verlassen: Unser Pferd Aramis hatte sich wieder mal selbständig gemacht und war auf Wanderschaft gegangen. Der Metallstab, der das Seil,mit dem Aramis festgebunden ist, festhalten soll, war im schlammigen Boden Aramis Kräften nicht annähernd gewachsen. Also wieder einmal suchen und einfangen, bevor wir auch ihn noch einbüßen. Zum Glück wissen wir mittlerweile, wo sein Lieblingsplatz ist: am Meer. Und das besonders Erfreuliche: Wenn er uns aus der Ferne sieht reißt er nicht etwa aus, sondern er läuft uns entgegen. Und lässt sich brav nach Hause führen. Da haben sich geduldige Arbeit und viele Leckerlis also gelohnt.

Mittwoch, 28. November 2012

Wir werden dich nicht vergessen


Das ist Artus. Oder besser: das war er. Bis Montag. Dann ist er verschwunden. Heute haben wir ihn gefunden. Oder besser: das, was von ihm noch übrig war. Erschlagen und ausgeschlachtet. Nur die kläglichen Überreste liegen noch im Wald. Artus, du warst unser Freund. Wir haben viel Mühe und Zeit aufgewendet, dich dazu zu bringen, Menschen zu vertrauen. Doch dann warst du unser Freund. Du hast dich gefreut, wenn wir zu dir gekommen sind und Leckerein mitbrachten.
Du hast uns aber auch gezeigt, dass es viel Zeit, Geduld und Liebe braucht, bevor Vertrauen auf beiden Seiten da ist. Vielleicht hast du ja auch den letzten Menschen vertraut, denen du begegnet bist. Sie haben es missbraucht, dein Vertrauen. Du hättest dich wehren und weglaufen sollen, dann

wärst du jetzt wohl noch am Leben. Aber wir haben dich gelehrt Vertrauen zu Menschen zu haben. Wir werden dich nicht vergessen. Und wir wissen auch nicht, wem außer den wenigen Menschen, die wir hier wirklich gut kennen, wir jetzt noch vertrauen können und wollen.


Donnerstag, 22. November 2012

Neuer Goldschatz gefunden

Und wieder wurde ein Goldschatz in Bulgarien gefunden. In der Nähe von Omurtag, in einer Grabhügelanlage, an der seit 30 Jahren gegraben wird.  Nach einer mehrjährigen Ruhepause wegen Geldmangels ging es in diesem Jahr weiter - und das gleich mit diesem Ergebnis. Ein Goldschatz, bestehend aus 264 Teilen mit einem Gesamtgewicht von 1800 Gramm. Genaueres kann man hier nachlesen: http://bnr.bg/sites/de/Lifestyle/Geschichte/Pages/221112_%D0%903.aspx
Wenn wir demnächst in Sofia sind werden wir ihn uns wohl mal näher ansehen.
Damit es im Landmal finanziell aufwärts geht, dafür sind wohl noch jede Menge Goldfunde nötig. Zur Zeit steigen jedoch weniger die Landeseinnahmen als vielmehr die Preise. Eine Ankündigung erregt die Gemüter ganz besonders: Der Wasserpreis. Derzeit liegt er bei einem Lewa pro Kubikmeter. Ab Januar soll gespart werden. Für eine begrenzte Menge, 4 Kubikmeter pro Person, bleibt der Preis von einem Lewa. Also könnte ein Zwei-Personen-Haushalt künftig monatlich 8 Kubikmeter preiswertes Wasser verbrauchen. Jeder Kubikmeter mehr kostet dann das Vierfache, also 4 Lewa oder 2 Euro.
Eine Maßnahme, mit der die Regierung den Wasserverbrauch im Land eindämmen will. Denn der ist gewaltig, geschuldet dem großzügigen Wasserverbrauch in den Gärten. Die sind wichtig für die Bulgaren, wird doch nahezu jeder Garten dringend dafür gebraucht, die Gemüseversorgung einer oder auch mehrerer Familien mit zumeist sehr niedrigen Einkommen zu gewährleisten. Große Mengen Tomaten, Paprika, Gurken, Melonen - das ist das Grundspektrum. Und alles wird großzügig gegossen, der niedrige Wasserpreis macht es möglich. Besser - machte es bisher möglich. Jetzt rechnen viele Familien damit, in Zukunft kaum noch Gemüse anbauen zu können. Denn den hohen Preis können sich wohl nur die wenigsten leisten. Und Regenwasser zu sammeln wird hier bisher nicht praktiziert. Wozu auch, Wasser war ja billig. Und das mit dem Regenwasser ist auch nur bedingt eine Alternative. Denn in den Monaten, in denen die Gärten das Wasser brauchen, regnet es hierzulande  ziemlich selten. Aber vermutlich werden die meisten Bulgaren auch künftig Tomaten, Gurken, Zucchini, Auberginen und vieles mehr in ihren Gärten anbauen - aber vielleicht mit ausgefeilteren Methoden der Bewässerung als bisher.
Bleibt die Frage, wie sich die Wasserpreise für kommerzielle Gemüseproduzenten entwickeln. Steigen die auch, werden auch die Lebensmittelpreise im kommenden Jahr stark ansteigen.

Dienstag, 20. November 2012

Ab sofort wird geheizt

Und schon wieder Herbst, und geheizt werden muss auch. Dabei war nach unserer Rückkehr aus Deutschland (dank Autoeinbruch mit Hindernissen und Verspätung) doch eigentlich noch Sommer. Noch bis vergangene Woche war bei Frühstück und Mittag Esssen draußen angesagt.
Und nach dem Mittagessen eine Stunde Liegestuhl in der Sonne - schön war das, nachdem uns in Deutschland leichtes Schneegestöber verabschiedet hat. Hier sah bei unserer Ankunft alles schön grün aus - eine Woche zuvor hatte es ein Unwetter gegeben mit 120 Liter Regen in zwei Stunden. Einige Häuser standen unter Wasser, in viele Straße waren große Löcher gespült - zusätzlich zu den schon vorhandenen. Mittlerweile ist aber der Herbst angekommen mit Regen, Nebel, Wolken. Und mit Pilzen. In den letzten Tagen viele Schirmpilze und einige Riesenchampignons gegessen. Die morgendlichen Spaziergänge mit Leo zahlen sich aus.
Der ist während unserer Abwesenheit weiter gewachsen und hat zugenommen - mehr als 10 kg bringt er auf die Waage. Was ihn nicht daran hindert auch weiter mit affenartiger Geschwindigkeiten alles zu fressen was man ihm hinstellt - wie kurz vor dem Verhungern eben.
In den nächsten Tagen ist erst mal Gartenarbeit angesagt, vorausgesetzt freilich, dass der Boden abtrocknet. Dann wird mal wieder alles umgestaltet - oder zumindest einiges.
Im Haus wird inzwischen geheizt und gegessen wird auch nur noch drin: Nicht mehr leichte Sommerkost, sondern immer öfter deftig deutsch - das schmeckt bei Hitze nicht, aber bei Temperaturen unter 15 Grad ist das in Ordnung.

Montag, 8. Oktober 2012

Hunde ins Heim, wir nach Deutschland

Nein, natürlich nur Spaß. Den Hunden geht es gut und sie müssen nicht ins Heim. Sie sind nur für die Zeit unserer Abwesenheit in gute Hände gegeben. Die Halswunde von Bella, wie wir die weiße Hündin genannt haben, ist weitgehend verheilt. Der etwa 10 cm breite und 1 cm tiefe Schnitt ist dank ständiger Pflege fast völlig zugeheilt. Und am Wochenende bekam sie nun auch richtig Arbeit: Gemeinsam mit Ilija ging sie das ganze Wochenende Ziegen hüten. Und es hat ihr offenbar Spaß gemacht. Sie hört gut (und gehorcht auch) und hat Freude daran, den ganzen Tag mit Herde und dem Hirten unterwegs zu sein. Die Nächte wird sie künftig nicht bellend in unserem Garten, sondern im Ziegengehege verbringen. Dort kann sie gefräßige Wölfe und Hunde und diebische Menschen verjagen. Sie wird es gern und laut tun.
Leo hat sich auch prächtig entwickelt.
Er ist 8 cm höher geworden und hat 4 kg zugenommen. Die Rippen stehen nicht mehr über der Haut, sondern werden sanft von ihr verdeckt. Die langen, staksigen Beine hat er behalten, sie sind eher noch länger geworden. So lieb wie Bella freilich ist er nicht. Letzte Nacht hat er aus lauter Langerweile ein auf der Terrasse vergessenes Polster einer Gartenliege zerfetzt. In der Mitte aufgerissen und alle Innereien rausgezerrt. Aber dafür bellt er nicht die halbe Nacht, sondern verhält sich schön still. Vor wenigen Stunden hat Denka ihn abgeholt und er ist ganz brav mitgegangen. Weshalb auch nicht, hat sie doch auch Futter und seinen Fressnapf in einem Beutel mitgenommen. Und wo das Futter ist, da ist auch Leo.
Heute hat sich das Wetter hier deutlich verändert. Dicke Wolken und Temperaturen nur noch wenig über 20 Grad. Es wird kühler und demnächst soll es auch mal regnen (hoffentlich). Und wenn auch der Garten noch in voller Blüte steht und sich mit Früchten schmückt, bei solchen Aussichten können wir beruhigt abreisen Richtung Deutschland.

Samstag, 6. Oktober 2012

Schönstes Sommererlebnis

In den frühen Morgenstunden wabern zur Zeit Nebel übers Meer und der Himmel ist wolkenverhängt. Doch spätestens um zehn hat die Sonne Nebel und Wolken gefressen und es ist wieder sonnig und warm. Das Thermometer klettert immer mal wieder auf 30 Grad. Der sehr warme goldene Herbst, hier Zigansko Ljato genannt - Zigeunersommer. Leider immer noch kein Regen, statt dessen gießen, gießen, gießen. Dank kühlerer Nächte und morgendlichen Taus haben sich die meisten Pflanzen von der großen Sommertrockenheit erholt und blühen wieder. Schöne Farben im Garten, kurz vor unserer Abreise.
Die vielen Blüten erinnern an unser diesjähriges schönstes Sommererlebnis, über das ich eigentlich schon längst schreiben wollte. Hier also der Nachtrag.
Ende Juli, gleich nach unserem Besuch in Sliven und Sheravna, kamen Georgi Kalaidshiev und seine Partnerin Maria gemeinsam mit ihren Gießener Freunden Barbara Wolf, Fredrik Vahle und Monika  für ein paar Tage ans Meer nach Varvara. Wir erlebten auch hier ein paar schöne gemeinsame Abende. Der schönste aber war ein ungeplanter, an dem weitere Urlauber aus Deutschland beteiligt waren: Die Bulgarin Leda aus Köln mit ihrem Freund Thomas und dessen Kindern Fritzi, Benni und Michi. Eine fröhliche Familie.
Als der älteste, Benni, erfuhr, dass Kalaidshiev ein nicht ganz unbekannter Geiger ist, wollte er ihm unbedingt vorspielen. Er spielt seit vielen Jahren selbst Geige und ist erster Geiger im Schulorchester. Und geübt wird auch im Urlaub. Georgi war sofort bereit ihn anzuhören. Und die Idee entstand, am Abend gemeinsam in der uns benachbarten Gaststätte "Starzi Rasboinizi" (Alte Vagabunden) ein kleines Konzert zu geben. Das war ohnehin schon geplant, als Partner wollte natürlich auch Fredrik Vahle mit seinen Liedern und Instrumenten mitwirken. Doch es sollte nicht sein - wir hatten vergessen, für uns alle einen Tisch für den Abend zu bestellen. Also kein gemeinsames Essen und somit auch kein Konzert. Aber das wäre denn doch zu traurig gewesen, sollte es doch ein schöner gemeinsamer Abend werden.

Also kurz entschlossen alle verfügbaren Tische und Stühle in unserem Garten aufgestellt, alle Vorräte aus dem Kühlschrank zusammengesucht, unsere Gäste brachten auch alle noch etwas mit. Am Ende gab es ausreichend Getränke, Tomaten, Gurken, Käse und auch etwas Wurst füllten die lange Tafel, die von Kerzen beleuchtet wurde - nur das Brot war etwas knapp. Nach dem fröhlichen Mahl mit anregenden Gesprächen dann der große Auftritt. Schnell noch eine Lampe aufgestellt, damit die Künstler nicht ganz im Finstern musizieren mussten.Aber dann gab es doch noch ein Problem: Benni wollte etwas vom Blatt spielen, wir haben aber keinen Notenständer.

Doch da sprang geistesgegenwärtig sein jüngerer Bruder Michi ein - er stellte seinen Rücken für die Notenblätter zur Verfügung. Das Konzert konnte beginnen. Georgi und Benni spielten Geige, solistisch und auch im Duett, Klassik wurde von Folklore abgelöst, und Fredrik, Barbara und Maria ergänzten die Geigenmusik mit Flöte, einer kleinen Gitarre, diversen anderen Instrumenten und ihren Stimmen.

Die Freude am Spielen und Singen war allen anzumerken, und natürlich brachten sich auch die Zuschauer mit ein. Wir saßen lange in dieser warmen Sommernacht in unserem Garten, entspannt, bei schönem Wein, und der Abend war einfach großartig. Ein erneuter Beweis dafür, dass die spontanen und improvisierten kleinen Feste oftmals einfach die schönsten sind.

Freitag, 14. September 2012

Schon wieder ein bedürftiger Hund

Eigentlich wollte ich ja über Wölfe schreiben. Aber nun wird es doch wieder etwas über Hunde. Irgendwie scheint es sich unter den Hunden im Dorf herumzusprechen, dass da ein paar hilfsbereite Tierfreunde wohnen. Gestern Nachmittag sahen wir plötzlich unseren Leo mit einem hellen Hund durch den Garten toben. Von Denkas Hunden war es keiner, die waren unterwegs mit Jo, Denka und Ilija zu den Pferden. Und der im Garten war auch deutlich größer als die  beiden. Und auch ein ganzes Stück größer als Leo, der immerhin schon gewachsen und um drei Pfund schwerer geworden ist. Ich also raus und den Hund vertreiben. Wollte ich. Ging aber nicht. Denn der zog sich sofort unter den wegen des abschüssigen Geländes auf Stelzen stehenden Bungalow zurück. In die hinterste Ecke. Und kam auch nicht vor. Erst als ich wieder im Haus verschwunden war spielte er weiter mit Leo. Und was ich dann sah empört mich seither unaufhörlich.
Um den Hals der Hündin zog sich ein breiter blutiger Streifen. Wahrscheinlich von einem Strick, mit dem das Tier angebunden war. Der Einschnitt im Nacken ist mindestens einen Zentimeter tief, bis weit ins Fleisch eingeschnitten. Irgendwie war es dem Hund gelungen, den Strick loszuwerden. Wahrscheinlich war er vom Blut so aufgeweicht dass er gerissen ist. Heute morgen, als Leo zum Spaziergang war, habe ich der noch jungen Hündin etwas zu fressen gegeben. Sie kam auch sofort aus ihrem Versteck, war sehr zutraulich und ich konnte die Wunde aus der Nähe betrachten. Ist noch ziemlich frisch, noch nichts entzündet. Jetzt werden wir sie erst mal behandeln. Aber die Frage bleibt: Wer macht so etwas? Wir wissen ja, dass hier viele Hunde Tag und Nacht mit einem Strick oder einer Kette angebunden sind und Wache halten sollen. Viele ohne Halsband. Sie leben im wahrsten Sinne des Wortes von Wasser und Brot. Aber so schlimme Verletzungen haben wir noch nicht gesehen. Wer macht so was? Im Dorf weiss keiner, wem das Tier gehören könnte. Vielleicht hat ihn ja einer der vielen Schäfer angebunden, um ihn an sich "zu gewöhnen". Naja, jetzt ist er jedenfalls bei uns, hat hier Asyl gesucht und auch gefunden. Aber behalten können und wollen wir ihn nicht auch noch. Also müssen wir jetzt, nachdem er gesund gepflegt ist, einen neuen, besseren Besitzer für ihn finden.

Dienstag, 11. September 2012

Dorf und Strand gehören wieder den Alteingesessenen

Die Saison ist zu Ende. Die Schwalben sind weg.
Vor dem Abflug

Die Urlauber auch. Zumindest die meisten - Urlauber wie auch Schwalben. Schon vor zwei Wochen waren von letzteren die meisten weggeflogen. In den Wochen zuvor waren sie zu vielen Hunderten jeden morgen kurz nach Sonnenaufgang fröhlich zwitschernd viele Runden über unser Haus geflogen um den Formationsflug zu üben. Jetzt sind nur noch wenige wahrscheinlich Spätbrüter übrig, und die üben mit ihren Jungen für den großen Flug in den Süden am Dorfrand.
Am vergangenen Samstag war das alljährliche Doffest in Varvara. Viele Urauber und Verwandte der Alteingesessenen waren zu den noch ausharrenden Urlaubern ins Dorf gekommen.
Gero und Freunde beim Fest

Zu dem Anlass  war der Termin des Dorffestes günstig, weil am 6. September in Bulgarien Feiertag ist - Tag der Vereinigung. Im Jahr 1885 vereinigten sind an jenem Tag nach dem türkisch-bulgarischen Krieg zwei Landesteile wieder, das Fürstentum Bulgarien und Ostrumelien. Heute also istt an dem Tag Staatsfeiertag, was den Bulgaren in diesem Jahr ein langes Wochenende bescherte.
Leo feiert mit
 Und das nutzen viele für einen Kurzurlaub, auch in unserem Dorf.
Doch jetzt sind sie fast alle wieder weg, die Langzeit- und auch die Kurzurlauber. Die Küste gehört wieder den Möven und den Kormoranen und den Einheimischen, sofern sie Zeit dafür haben am Strand zu liegen.
Jo macht Feierabend

Doch das Wetter ist ohnehin nicht so günstig. Seit dem Wochenende ziehen wir für den Morgenspaziergang mit Hund Leo eine Jacke an, und auch die Abende auf der
Terrasse lassen sich ohne Jacke nicht wirklich genießen.
Doch die Einheimischen können auch aus anderen Gründen nicht an den Strand, denn jetzt ist nicht nur Ernte- und Einkochzeit, jetzt beginnt auch die Weinlese. Und also viel Arbeit mit Ernten, Pressen, Wein und Schnaps ansetzen. Letzteres nicht nur aus Trauben, sondern nach den Spillingen nun auch aus Feigen. Gibt einen besonders feinen Rakia.
Unser Wein ist übrigens schon im Fass. Er ist schon früh reif, weil er an der Hauswand sehr geschützt wächst. Leider war es in diesem Jahr nicht allzuviel, der Sommer war zu trocken, die Trauben ziemlich klein. Also blieben keine übrig, um daraus Traubengelee zu kochen. Aber dafür ist die Feigenernte umso größer, es gibt viel Feigenmarmelade. Und erstmals habe ich auch einen Feigenessig ausprobiert. Was heißt ausprobiert, angesetzt. Probiert werden muss er erst noch. Aber wenn er so so schmeckt wie er riecht, dann sind die Salate damit sicher sehr lecker.
Kommt bald ins Fass

Doch am Wochenende soll erst mal wieder Strandwetter sein - 32 Grad sind angedroht und immer noch kein Regen. Das heißt - letzte Nacht hat es mal geregnet - heftig, aber leider nur ganz kurz.

Dienstag, 4. September 2012

Zauberhaftes Museumsdorf Sheravna


Deutsch-bulgarisches Programm im Museumshof
Wie im vorhergehenden Block angekündigt, hier nun die Fortsetzung unseres Erlebnissen mit den Kindern und Organisatoren von Musik statt Straße. Nach den Abschlussprüfungen für das zurückliegende Musikschuljahr ging es für Schüler, Lehrer und Gäste nach Sheravna. 

Das ist ein malerisches Dorf in der Nähe von Sliven, ein architektonisches Reservat mitten in den Bergen. 172 der Häuser hier wurden zu Kulturdenkmälern erklärt, saniert werden darf nur unter denkmalschützerischen Auflagen. Neubauten müssen dem traditionellen Baustil des Ortes angepasst sein. 
Aus Sheravna stammen einige bekannte bulgarische Künstler, ihre Häuser wurden als Museen eingerichtet. Ein Dorf mit zahlreichen Museen, aber kein Museumsdorf. Es ist ein lebendiger Ort mit vielen seit langer Zeit hier wohnenden Familien, die von der Landwirtschaft und auch vom Tourismus leben. 


Daneben haben sich Künstler und Intellektuelle hier Häuser gekauft und saniert, es gibt zahlreiche Kulturveranstaltungen.

Zuschauen, aber auch mitsingen
Im Museum des Ortes, der ehemaligen Schule, finden ständig wechselnde Ausstellungen zur Kultur und Lebensweise der Region statt. Aber auch zahlreiche Künstler finden hier einen Platz für Ausstellungen. 
Eine kleine Auswahl ihrer Arbeiten hatte auch Barbara Wolf aus Gießen mitgebracht.

Die Kunstpädagogin lud außerdem die Kinder aus Sliven und aus Sheravna zu einem kleinen Malworkshop ein - er war überaus gut besucht. Ein sehr stimmungsvolles musikalisch-literarisches Konzert gaben die Musiklehrer gemeinsam mit Frederik Vahle und seiner Partnerin Barbara Wolf mit Künstlern aus Sheravna im Museumshof.
Gut besuchter Malworkshop
Das verlängerte Wochenende, finanziert durch Spenden vor allem aus Gießen, war als kleine Anerkennung für fleißiges Üben in der Musikschule gedacht, aber auch als ein kleiner Urlaub für Kinder, die Urlaub mit der Familie nicht kennen. Natürlich wurde getobt, aber es wurde auch hier musiziert und geübt. Alle Kinder des Musikprojektes „Musik statt Straße“ beisammen - das passiert sonst nicht. Und das ist natürlich eine gute Gelegenheit, das Miteinander-Musizieren zu üben. Da geht es nicht nur darum, dass jeder zeigt was er kann, sondern jeder muss sich auch am anderen, an der Gruppe orientieren. Eine nicht eben alltägliche Erfahrung für die Kinder aus dem Ghetto. Beim Abschlusskonzert im Museumshof konnten sie dann allen Besuchern von Sheravna und den Einwohnern  noch einmal zeigen, was alles sie schon gelernt haben. 
Junge Solistin, begleitet von ihren Lehrerinnen

Die Höhepunkte in diesem Konzert: Ein Violinduett der Musikschüler Zvetelina und Aziz und danach eine absolute Premiere, wie Musikschulleiterin Radka Kusseva erklärte: Zwei Musiklehrerinnen begleiten bei einem anspruchsvollen Musikstück die Solistin, die Musikschülerin Zvetelina, die schon bei der Prüfung durch ihre vorzügliche Leistung aufgefallen war.
Ihren Abschluss fanden die ereignsreichen Tage mit einem Picknick in Sliven in den Blauen Berge, wo die Schüler auch ihre Abschlusszeugnisse erhielten.
Georgi Kalaidshiev ist mit seinen Freunden inzwischen längst wieder in Gießen, wo er bereits mit einem Benefizkonzert mit seinem multikulturellen Orchester für die  weitere Finanzierung für das Projekt „Musik statt Straße“ sorgt.

Freitag, 24. August 2012

Ein Fest der Musik in Sliven

Singen mit Fredrik Vahle und Georgi Kalaidjiev
Es war eine intensive, anstrengende, aber ungemein erlebnisreiche Woche, die wir Ende Juli erlebten.
Unser Freund, der Geigenvirtuose Georgi Kalaidjiev, Initiator des Projektes "Musik statt Straße", hatte nach Sliven eingeladen. Zwei Jahre nach dem Start des Projektes sollten wir, die Namenserfinder für das Projekt, erstmals Gelegenheit haben, die jungen Musikschüler spielen zu sehen und zu hören. Einen kleinen Höhepunkt gab es gleich am Abend unserer Ankunft in Sliven. 
Auf einem Platz im Stadtzentrum war zum Konzert geladen. Den Auftakt gaben die Musiklehrer. Doch dann musizierte das Orchester der Kinder, zwischen 7 und 12 Jahren alt und mit einer Musikschulerfahrung zwischen 6 Monaten und zwei Jahren. Und sie spielten konzentriert und mit viel Eifer. Da konnte auch der Wind, der immer mal ein Notenblatt davonwehte, nicht wirklich stören.
Musikbegeisterung sichtbar
Ihre Begeisterungsfähigkeit für jede Art Musik und Bewegung demonstrierten sie dann beim gemeinsamen Singen mit dem Liedermacher Fredrik Vahle, den sie vom Besuch im vergangenen Jahr in Gießen kannten. Mit seinen Mitsing-, Mitspiel- und Mittanzliedern eroberte er die Herzen der jungen Leute ebenso wie das vieler Zuschauer. 
Eines der beeindruckendsten Erlebnisse des Konzertes gab es an dessen Ende: Zwei Straßenjungen kamen zur Bühne und fragten, ob bei dem Projekt wirklich jeder ein Instrument lernen kann. Natürlich, so die Antwort von Georgi Kalaidjiev und Radka Kusseva, Leiterin der Musikschule. Sie bestellten die beiden Jungen für den nächsten Tag in das Jugendzentrum, in dem die Prüfungen für die stattfinden würden, die schon länger Musikunterricht erhalten.
Doch der Abend war noch nicht zu Ende. Mit dem Bus ging es in das Wohngebiet Nadeshda: Ghetto für den größten Teil der Slivener Romafamilien, abgetrennt vom Rest der Stadt durch eine Mauer, die die Stadtverwaltung vor Jahren errichten ließ. Der Name Nadeshda bedeutet übrigens Hoffnung - viele der in diesem Ghetto Lebenden, einem der größten in Bulgarien, haben allerdings wenig Hoffnung, was eine Verbesserung ihres Lebens betrifft. Doch ihre Lebensfreude ist ungebrochen. Der zentrale Platz im Viertel war dicht gefüllt, alle warteten auf das Konzert der Kinder des Projektes "Musik  statt Straße. 


Musizieren vor Familien und Freunden
Straßenjunge
Die kleinen Musiker kommen schließlich aus diesem Viertel, und dank dieses Projektes erleben die Kinder und ihre Familien nicht nur kulturelle Bildung sondern auch ein Stück Verbesserung ihrer Lebensqualität. Auch wenn noch nicht alle Töne des jungen Orchesters stimmen - die Begeisterung und der Beifall der Zuschauer waren groß. Wahre Begeisterungsstürme dann beim folgenden Auftritt der Blasformation Karandila jr. Auch das ein Projekt eines Slivener Musikers für junge Leute, allerdings auf dem Gebiet des auch international sehr beliebten Gipsy Brass.
Am nächsten Morgen war dann Prüfung angesagt. In einer Einzelprüfung zeigte jedes Kind, was es mit seinem Instrument gelernt hat. Das Niveau war, entsprechend der unterschiedlichen Lerndauer, sehr unterschiedlich, in den meisten Fällen aber für uns verblüffend gut. Neben vielen anderen Violine- und Klavierspielern hinterließ ein kleines Mädchen den wohl größten Eindruck - die 6jährige Franzi lernt gerade erst mal drei Monate in der Musikschule. Doch mit unglaublichem Selbstbewusstsein kam sie in den Prüfungsraum, in dem zehn Leute vor ihr saßen, nahm ihr Kindercello zwischen die Knie und spielte los. Und das in einer Qualität, als hätte sie ihr ganzes bisheriges Leben nicht anderes getan. Mit der gleichen hohen Qualität hatte zuvor schon ihre ältere Schwester Zwetelina aufgewartet, die seit zwei Jahren Violinunterricht erhält.
Ach ja, die beiden Straßenjungen, die sich am Vorabend für die Musikschule interessierten, waren auch gekommen. 


Sie waren neugierig, musikbegeistert,  interessiert an den Instrumenten. Sie bekamen alle Informationen zum Projekt, die Anmeldeformulare, aber auch den Hinweis, dass die Aufnahme in das Projekt, das sich ja aus Spendengeldern finanziert, auch Disziplin erfordert - wer wiederholt fehlt darf nicht mehr kommen.

Zum Abschluss der Prüfungen gab es dann aus den Händen von Marie Hauschild, die gemeinsam mit Georgi Kalaidjiev den Großteil der organisatorischen Arbeit in Gießen für das Projekt erledigt, für jedes Kind noch ein kleines Geschenk - zur Verfügung gestellt von Sponsoren aus Gießen.


Was wir in Sheravna mit den Kindern erlebten, dazu in den nächsten Tagen mehr.

Mittwoch, 15. August 2012

Endlich mal wieder Regen

Schattenplatz Backofen - unbeheizt
Es hat geregnet - endlich! Seit Mitte Juni nur Sonne, Sonne, Sonne und immer mehr Hitze. Eigentlich immer über 30 Grad, an Spitzentagen 36. Auch Nachts nie kühler als 23, 24 Grad. Ein Glück, dass es Klimaanlagen gibt. Der Garten sah traurig aus, selbst die Rosen wollten in der Hitze nicht mehr blühen. Da half auch gießen, gießen, gießen nicht mehr. Das Wasser diente eigentlich nur noch dazu, die vielen Pflanzen mühsam am Leben zu halten. Von oben wurden sie von der Sonne verbrannt.
Die einzigen, denen das Wetter bekommen ist, sind die vielen kleinen Tierchen die nichts anderes tun als die ohnehin schon traurig anzusehenden Pflanzen und Früchte anstechen und anfressen. Selbst aus den Tomaten kommen kleine Raupen gekrochen. Also nichts von wegen abpflücken und reinbeißen.
Insektenfresser Wespenspinne
Doch endlich am Wochenende - dicke Wolken und viel Blitz und Donner. Am Samstag mit einem heftigen, aber leider nur kurzen Regenschauer. Am Sonntag morgen dann wieder viel Blitz und Donner und endlich auch ein starker und recht lang anhaltender Regen. Er füllte alle Fässer und Gefäße und tränkte auch den ausgetrockneten, mit tiefen Rissen versehenen Erdboden. Nicht sehr tief wahrscheinlich, aber immerhin ein wenig. Ein Glück auch, dass wir ein paar Tage nicht gießen mussten - uns hatte eine unschöne Magen-Darm-Grippe erwischt, die uns tagelang vom Essen fernhielt. Diät der anderen Art.

Sonntag, 5. August 2012

Doppelter Nachwuchs

Nachwuchs ist da. Einmal bei unseren Freunden in Sofia. Maria, Tochter unserer Freunde Boby und Rossi,  hat einen kleinen Sohn bekommen. Wassil heißt er, nach dem verstorbenen Uropa. Über den Namen haben wir uns gefreut, bleibt doch auf diese Weise die Erinnerung an einen wunderbaren und auch uns sehr lieben Menschen lebendig. Wir wünschen dem kleinen Wassil ein ebenso erfülltes und glückliches Leben im Kreise seiner Familie, wie es sein Namensgeber hatte.
Und dann gab es auch bei uns hier in Varvara noch Nachwuchs.
Leo heißt er.
Vor zwei Tagen sahen wir ihn das erste Mal von der Dachterrasse eines Hotels. Klein, grau und einsam humpelte er auf der Straße neben dem Hotel herum. Er gehört niemandem, sagte unsere Gastgeberin. Ich geben ihm ab und zu etwas Brot zu fressen. Brot ist hierzulande nicht nur Grundnahrungsmittel für die Menschen sondern sehr oft auch für Hunde. Hundefutter kann hier kaum jemand kaufen. Jedenfalls tat er uns leid, wie er da so einsam und verlassen neben dem Hotel hauste. Am nächsten Morgen stand Jo früh auf, zog sich an und verkündete: Ich hole jetzt den Hund. Und der kleine Kerl ließ sich gern holen. Ein Hotelnachbar erzählte, dass vor etwa zehn Tagen ein Auto angefahren kam, kurz anhielt, den Hund hinauswarf und weiterfuhr. Lowtsche hatten sie ihn genannt, weil er im Zeichen des Sternbildes Löwe hier auftauchte. Jetzt ist er jedenfalls bei uns. Er fühlte sich vom ersten Moment an wohl - sicher auch deshalb, weil der völlig abgemagerte kleine Kerl erst mal mit Katzenfutter gefüttert wurde. Nach dieser ersten gierigen Freßorgie füttere ich ihn Stück für Stück mit der Hand, weil wir sonst Gefahr laufen, dass er in seiner Gier die Schüssel mit verschluckt. Wasser hatte er wohl auch lange nicht bekommen, er hörte jedenfalls gar nicht wieder auf zu saufen.
Aber fortan gefiel es ihm so gut, dass er sich heftig sträubte das Grundstück wieder verlassen zu müssen. Aber mit etwas Geduld brachten wir ihm schließlich bei, dass er seine großen und kleinen Geschäfte schließlich nicht im  Garten verrichten kann. Nach dem Spaziergang kann er ja immer wieder rein, am besten in die Nähe der Futterschüssel. Er ist ein sehr dünner, aber hübscher, lebhafter und vergnügter kleiner Kerl, der sich viele Streicheleinheiten abholt und mit zunehmendem Sattheitsgrad auch viel Spielen will. Aber morgen muss er erst mal zum Tierarzt. Am Fuß hat er eine große Schnittwunde, vielleicht ist sogar eine Zehe gebrochen. Und Impfen muss schließlich auch sein wenn er mit uns und unseren Katzen zusammenleben will. Letztere sich bisher nicht sehr erfreut über den Neuzugang. Stummel hat ihn vorsorglich gleich mal heftig angeknurrt und angespuckt. Aber sie werden sich schon an ihn gewöhnen. Als Denka uns heute besuchte wünschte sie ihm viel Gesundheit - Glück habe er ja schon, weil er ausgerechnet bei uns gelandet sei. Und da gehe es ihm mit Sicherheit gut. Die Ansprache war übrigens auf Bulgarisch, Deutsch muss er erst lernen. Und vieles andere auch.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Attentat am Flughafen Burgas

Der Schreck sitzt tief - ein Selbstmordattentat in Burgas, in einem Bus mit israelischen Touristen. Das Reiseland Bulgarien ist bei Israelis beliebt. Angenehm, preiswert und vor allem - sicher.  Zumindest galt Bulgarien für Israelis bisher als sicheres Reiseland: Keine Bedrohungen, keine Anschläge. Doch das könnte seit heute vorbei. sein. Am frühen Abend gab es auf dem Busparkplatz am Flughafen Burgas in einem mit israelischen Urlaubern besetzten Bus eine schwere Explosion. Weitere Busse, ebenfalls mit Touristen, die gerade mit einem Flugzeug aus Israel angereist waren, wurden beschädigt. Sechs Tote soll es bisher geben, etwa 30 Verletzte. Der Flughafen wurde gesperrt, Reisende zum Flughafen Varna gebracht.
Während die bulgarischen Behörden noch von einer Explosion sprechen ist sich die israelische Regierung sofort nach dem Ereignis sicher - das war ein Attentat Irans. In letzter Zeit sollen sich Drohungen und auch Anschlagsversuche iranischer Attentäter auf Israelis in vielen Reiseländern häufen. Und  die bulgarische Regierung soll bereits Anfang des Jahres darüber informiert worden sein, dass auch auf israelische Reisende in Bulgarien Anschläge geplant seien.
Auch für uns ein erschreckendes Ereignis. Sicher ist bekannt, dass es hier viele Gewaltverbrechen gibt. Mafiöse Strukturen, Korruption, Auftragsmorde - all das immer wieder in den Schlagzeilen. Aber das alles betrifft uns nicht wirklich. Aber Attentate am Flughafen Burgas, von dem wir selbst, von dem Verwandte und Freunde fliegen - das macht betroffen.

Dienstag, 3. Juli 2012

Begegnung der besonderen Art

Was war denn das? Pferde mit richtigen Sätteln? Und sogar Reiter drauf? Das müssen wir uns doch mal näher ansehen. Also Auto wenden und zurück. Und tatsächlich, am Rande der Straße von Zarevo nach Varvara, auf einem Feldweg, standen vier gesattelte und bepackte Pferde mit zwei Reitern.

Ein wenig nass allesamt, es hatte gerade etwas geregnet. Mühselig unser Bulgarisch nutzend versuchten wir eine Verständigung. Und wurden nicht verstanden. Also englisch. Unser Gegenüber gab uns zu verstehen, dass er aus Germany sei. Na prima, da klappt`s doch mit der Verständigung. Dennis und Ronja, so erfuhren wir, kommen aus Göttingen. Hoch zu Ross. Im vergangenen Jahr waren sie mit ihren Pferden bis Ungarn geritten und hatten das Land ein wenig erkundet. In diesem Jahr hatten sie ihre vier Pferde nach Sofia gebracht und waren in den vergangenen Wochen durch das Stara Planina-Gebirge bis zur Küste geritten. Eine herrliche Landschaft, wie sie feststellten. Jetzt sollte ihr Weg sie weiter bis Resovo führen, dem letzten und südlichsten bulgarischen Ort an der Schwarzmeerküste, direkt an der türkischen Grenze. Dann zurück und weiter durch das Strandsha-Gebirge bis nach Griechenland. Bis zum Ende des Sommers wollen sie sich Zeit lassen mit ihren vier Pferden. Bulgarien übrigens, so stellten sie fest, ist ein ideales Land für einen solchen Reiturlaub. Große Weideflächen überall, nichts eingezäunt, rasten dort, wo die Landschaft am schönsten ist. Wir wünschten den beiden jedenfalls auch weiterhin eine glückliche Reise.
Ein schönes Erlebnis, das uns sogleich motivierte, neben der Gartenarbeit auch die eigenen Bemühungen um reitbare Pferde zu verstärken. Nachdem die Enkeltöchter nach leider nur einwöchigem, aber hoffentlich erlebnisreichem Aufenthalt wieder abgereist sind ist auch Zeit dafür. Der eine, Alaska, ist ja ein ganz braver. Er hat (wegen oder trotz?) unserer erzieherischen Bemühungen große Fortschritte gemacht. Lässt sich geduldig führen, putzen, Hufe auskratzen - bis auf ein Hinterbein, das will er partout nicht heben. Jetzt lässt er sich auch schon den Sattel auflegen und wird demnächst mal eine Last tragen müssen. Schwieriger schon das zweite Pferd, Artus.
Der ist absolut scheu und wollte sich gar nicht berühren lassen. Wenn man ihm näher kam hat er sich sofort hinter seinem großen Bruder Alaska versteckt. Also ab mit Alaska auf die Weide, Artus allein im eingezäunten Gartengrundstück. Jetzt hatte er nur noch uns. Was ihm aber nicht wirklich gefiel. Mitten in der Nacht wieherte er immer wieder laut nach dem Gefährtn, der antwortete auch aus mehr als einem Kilometer Entfernung. Artus sehr unruhig, Fluchtgefahr. Da habe ich mich warm angezogen und bin mit einem Gartenstuhl in seine kleine Koppel gezogen. Vertrauensbildende Maßnahme sozusagen: Sieh mal, du bist doch gar nicht allein. Er hat es begriffen und blieb dicht beim Stuhl stehen. Nach zwei Stunden wurde es dann doch unbequem und kühl und feucht und ich schlief lieber im Bett. Artus hat das verstanden, ist jetzt auch tagsüber viel zutraulicher geworden und steht, auch wenn keiner drauf sitzt, gerne neben dem roten Gartenstuhl, von dem aus er zeitweise erzogen wird. Jos Kommentar: Das einzige Pferd  weit und breit mit eigenem Lehrstuhl.