Freitag, 27. Januar 2012

Eingeschneit, aber nur ein wenig

Wintersitzgruppe ohne Sitzende

Frostige Yucca
Von wegen Frühling: 24 Stunden Daueregen, nein Dauergießen von Donnerstag bis Freitag, ungefähr 60 Liter auf den Quadratmeter hatte es heruntergelassen. Am Telefon hatten wir am Freitag Mittag auf eine besorgte Anfrage aus Sofia gerade erzählt, dass wir keinen Schnee, jetzt jede Menge Wasser haben, da fielen nur wenig später die ersten Schneeflocken.
Und sie fielen und fielen und wurden vom Winde verweht den ganzen restlichen Freitag bis in den Sonnabend Morgen hinein. Zum Glück war es nur ganz feiner Schnee, an nicht verwehten Stellen vielleicht 10 cm hoch. Da hat es andere Regionen im Land weit schlimmer getroffen, wie wir den bulgarischen Nachrichtensendungen entnehmen konnten.
Die Katzen machen sichs am Kamin bequem
Da hatte es bereits am Donnerstag geschneit und gar nicht so wenig. Von geschlossenen Straßen und Pässen ist die Rede, viele Straßen können nicht oder nicht ausreichend geräumt werden. Aber das schafft ja nicht mal das reiche Deutschland, wie ich mich erinnern kann.
Bei uns halten sich die Schneemengen jedenfalls in Grenzen, aber es soll in den nächsten Tagen immer mal noch ein wenig weiter schneien. Und kalt soll es werden, bis zu minus 10 Grad sind nachts angedroht. Wer braucht denn so was?

Dienstag, 24. Januar 2012

Wie viel Wasser braucht der Mensch?

Wir sind doch schon ganz schön verwöhnt. Für schmutzige Kleidung die Waschmaschine, für Teller und Tassen und sonstiges Geschirr den Geschirrspüler. Für sonstigen Schmutz und Katzenhaare den Staubsauger. Aber am vergangenen Sonnabend ging gar nichts. Erst war der Strom weg. Dann floss auch kein Wasser mehr aus der Leitung. Das war zu erwarten, hatte doch Jo schon am Morgen beim Brot holen eine fröhlich sprudelnde Fontäne gesehen. Gleich neben der Hauptstraße des Dorfes. Und dann blieb das Wasser aus der Leitung aus. Dafür war der Strom wieder da. Nützte aber nur wenig: ohne Wasser aus der Leitung keine Waschmaschine, kein Geschirrspüler, kein warmes Wasser aus der Dusche. Auch kein kaltes. Toilettenbenutzung dank halbvollem Pool  möglich, Spülung allerdings per Eimer. Trinkwasser in 10-Liter-Flaschen im Dorfladen gekauft. Also wieder per Hand abwaschen (macht selbst nach Gartenarbeit saubere Fingernägel), Wäsche kann warten bis Wasser wieder läuft. Nach zwei Tagen Reparaturarbeiten (an gleich drei Wasserbaustellen im Dorf, die Leitungen sind hier alle sehr alt) gluckerte es am Montag Vormittag zum Glück wieder in der Leitung und seither läuft es wieder - auch mit dem Geschirrspüler und der Waschmaschine und der Dusche.
Wer keinen eigenen Pool oder Teich oder sonstiges Wasserreservoir und auch nicht genug Geld hat, das Wasser längere Zeit zu kaufen, für die gibt es im Dorf gleich hinter der Kirche noch eine Wasserstelle. Das ist eine gefasste Quelle, die schon seit ewigen Zeiten das Dorf mit Trinkwasser versorgt - bis heute auch all jene, die sich Wasser aus der Leitung nicht leisten können.
Ach ja, am Samstag Abend hatte irgendwer dann auch noch die Leitung gekappt, die uns mit Fernsehen und Internet versorgt. Wir kamen uns zeitweise vor wie in einem TV-Experiment: Leben auf dem Bauernhof vor 150 Jahren. Dafür erfreuen uns die ersten Frühlingsblüher: Schneeglöckchen und Winterjasmin und der Heilige Bambus lässt seine roten Früchte leuchten. Und Denkas Hündin Gominin "erfreute" ihre Besitzer mit den ersten drei Welpen in diesem Jahr.

Montag, 16. Januar 2012

Kommt der Winter etwa doch?

Nach Sonnenbaden zum Jahresanfang auf der Terrasse, darauf folgenden dicken Nebelschwaden, heftigem Wind, Regen und zuletzt wieder Sonne hat es heute geschneit.
Ein Schneeschauer am Nachmittag färbte die Umwelt für kurze Zeit weiß. Auch die noch immer blühenden Rosen trugen eine Schneehaube. An den nächsten drei Tagen soll es auch etwas kälter werden, doch ab Wochenmitte wird es wohl wieder etwas frühlingshaft. Hoffentlich, Winter ist nicht so unser Ding.
Der Nebel hat das Dorf verschluckt

Die Rosen blühen mangels Frost immer noch.
Anfang Januar haben wir übrigens, als wir wieder auf dem Weg nach Varvara waren, unseren Bussard noch mal besucht. Wir hatten ihn auf der Fahrt nach Hissar in der Tierrettungsstation in Stara Zagora abgegeben, der einzigen derartigen Einrichtung in Bulgarien. Sie nehmen dort alle erkrankten, verletzten, zu  jung verlassenen  oder aus dem Nest gefallen Wildtiere auf. Spezialisiert ist die Einrichtung jedoch ein wenig auf Vögel und vor allem Raubvögel (siehe auch den Link rechts, die Seite ist leider nur bulgarisch oder englisch). Sehen konnten wir unseren Bussard nicht, weil im Flugkäfig gerade keiner da war. Was wir von ferne sehen konnten waren allerdings einige Störche und Reiher, auch ein kleiner Kauz wurde gerade in sein Häuschen im Büro gesetzt. Eine Mitarbeiterin der Tierrettungsstation hat uns ausführlich Auskunft gegeben. Unserem Bussard geht es gut und er ist nach wie vor verfressen. Der Flügel wurde noch mal gerichtet und fixiert. Jetzt sollen unter fachkundiger Betreuung bald Flugübungen beginnen. Bei uns ist er bei seinem einzigen Flugversuch ja gleich mal im Pool gelandet. Dort paddelte er dann ein wenig herum wie eine Ente und wir mussten ihn mit einem Netz aus dem Wasser fischen. Derartiges ist in Stara Zagora nicht zu befürchten. In der Tierrettungsstation arbeiten  Tierärzte, Tierpfleger, Tierfreunde sehr engagiert gemeinsam mit Behörden und Veterinärfakultät der Universität unter wenig luxuriösen Zuständen. Woran es vor allem mangelt ist Geld. Bulgarien ist ein armes Land, da bleibt für Tierschutz wenig übrig. Sponsoren sind rar.
Wir hätten ja einen Vorschlag: Die "Jäger", die hier wild in der Gegend rumballern und auf alles schießen was wackelt müssten zusätzlich zur Jagdgenehmigung, ähnlich wie Kurtaxe, einen Tierschutzbonus zahlen, der solchen Einrichtungen zugute kommt. Da könnte so manches von ihnen angeschossene Tier künftig besser fachkundig versorgt werden. Wir haben jedenfalls bei jedem unserer beiden Besuche eine Spende hinterlassen. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit der Adoption: Wir dürfen den Bussard zwar nicht bei uns aufnehmen (verboten für Privatleute), aber wir können ihn für einen monatlichen Betrag "adoptieren". Also wenn er nicht wieder fliegen kann...

Bulgariens Fußballer des Jahres gewählt

Hatte ich total vergessen zu veröffentlichen, deshalb jetzt - besser spät als nie: Auch wer sich für Fußball nicht interessiert, das sollte man wissen: In Bulgarien wurde kürzlich per Internet der Fußballer des Jahres gewählt. Gewonnen hat - Hatte ich total vergessen zu veröffentlichen: Ministerpräsident Bojko Borissow. Er bekam 44 Prozent der abgegebenen Stimmen. Borissow spielt wirklich gelegentlich Fußball in einer Mannschaft irgendeiner dritten Liga. Und als solcher Gelegenheitsfußballer ist er der Fußballer des Jahres 2011. Das heißt nicht ganz, denn er nahm die Wahl nicht an. Bulgarische Fußballfans wollten mit dieser Wahl wohl ihrer Unzufriedenheit über die Leistungen bulgarischer Profimannschaften und -fußballer Ausdruck verleihen. So sieht es auch der Gekürte selbst. "Diese Abstimmung zeigt nicht, dass Borissow der beste Spieler ist, sondern dass der bulgarische Fußball Reformen und neue Methoden benötigt", hat Borissow laut Medienberichten dazu geäußert.

Montag, 9. Januar 2012

Jordanstag ist für uns ins Wasser gefallen

Kein Feiern mit den anderen, kein Zuschauen bei der symbolischen Taufe zum Jordanstag, an dem auch hier in Bulgarien ein paar Wagemutige ins kalte Wasser springen, um das vom Popen hineingeschleuderte Holzkreuz herauszufischen. Wer das Kreuz als erster erwischt, de soll das ganze Jahr über glücklich und gesund bleiben. Wir wollten das Spektakel wie auch in den vergangenen Jahren in Zarevo miterleben, als Zuschauer natürlich. Doch Ilija kam am Morgen mit einer Hiobsbotschaft: eines unserer Pferde hatte sich mal wieder von der Kette losgerissen und lief nun frei herum. Ausgerechnet Artus, der scheueste von allen. Also hieß es Samurai einfangen, den von allen unseren Pferden geliebten und als Leittier akzeptierten Großvater der kleinen Herde. Von Ilija und seinen Söhnen lässt er sich aber nicht einfangen. Die Erfahrung hat ihn gelehrt: wenn einer aus der Truppe kommt, dann bedeutet das arbeiten. Und dazu hat er als Großvater eigentlich gar keine Lust mehr. Also nichts wie weg wenn er Ilija sieht. So sind wir losgezogen mit einem Futtereimer. Der Trick hat auch funktioniert, verfressen sind sie ja alle. Aber eben auch misstrauisch. Als er das Halfter sah war er weg. Also Alaska an die Leine genommen und vorneweg geführt. Sein Bruder Artus ist ihm dann auch gefolgt. Allerdings nur bis der fremde Mann mit dem weiten wehenden Mantel auftauchte - da hat Artus dann doch lieber panisch das Weite gesucht. Am Nachmittag dann das gleich Spiel: Pferd mt Futtereimer locken, diesmal rechtzeitig das Halfter angelegt und schließlich im Garten die Familie vereint. Mit List und Tücke Artus eingefangen, damit er wieder an die Fusskette gelegt werden konnte. In den vergangenen zwei Tagen habe ich nun versucht, ihn etwas vertrauter mit Menschen zu machen. Zumindest am Kopf lässt er sich  schon mal kurz anfassen. Allerdings sind sie heute wieder auf die Weide gekommen, die Rasenfläche im Garten ist nach starkem Regen dank der Pferdehufe eine einzige Schlammwüste. Ja, auf diese Weise also ist in diesem Jahr der Jordanstag ins Wasser gefallen.
Und jetzt kann ich nicht mal ein Foto von unseren Pferden einfügen, weil die Festplatte, auf der sich alle unsere Fotos befinden, den Dienst verweigert - kein Zugriff mehr, sie will nur immer neu formatiert werden. Also alles neu fotografieren und das mit einem Fotoapparat, der nach einem Sturz der Fotografin ein defektes Objektiv hat.