Sonntag, 7. April 2013

Osterspaziergang und Musik in Sliven

Ostern können wir in diesem Jahr zwei Mal feiern. Das erste Mal ist vorbei. Wir hatten einen sehr schönen Osterausflug nach Mladeshko,  ein schönes Schutzgebiet mit Quellen und einigen kleinen Höhlen im Karstgestein. Dort soll es heilkräftiges Quellwasser geben, das vor allem für Thrombosebehandlung gut sein soll. Zwei Betonbecken aus sozialistischen Zeiten, leider nicht mehr gepflegt, zeugen davon. Aber auch ohne kneippsche Wasserbecken kommen hier gern Leute her. Wunderschöne Natur, neu eingerichtete Picknickplätze, das Quellwasser, das sich zu einem Flüsschen vereint laden zu Wandertouren ein. Am Wegesrand blühen wilde Primeln, Roter Lerchensporn und auch die wilden Pfingstrosen haben schon Knospen angesetzt. Würstchen und Grillfleisch vom offenen Feuer haben uns gemeinsam mit Wolfgang und Regine prima geschmeckt. Das orthodoxe Osterfest wird dieses Jahr übrigens Anfang Mai gefeiert.
Am Ostermontag dann Ausflug nach Sliven. Georgi Kalaidjiev war da gemeinsam mit drei Studenten von der Münchner Filmakademie. Sie wollen einen Dokumentarfilm drehen über das Musikprojekt "Musik statt Straße" und über die Kinder, die hier eine Ausbildungsmöglichkeit finden. Auf die Idee kam Falk Müller aus Gera. Er hatte durch Presseveröffentlichungen und den Besuch der jungen Musiker im  vergangenen Jahr in Gera von diesem Projekt erfahren. Jetzt waren erst mal die organisatorischen Vorbereitungen dran, gedreht werden soll dann im Juni. Wir sind schon sehr gespannt.
Extra für uns und die Studenten gab es am Abend ein kleines Konzert, allerdings vom zweiten Musikprojekt für junge Leute in Sliven, von Karandila. Karandila jr. hatten wir im Vorjahr bereits kennengelernt, jetzt ist die dritte Band gegründet, sie nennt sich K 3. Die Mitglieder: junge Roma zwischen 5 bis 15, ausschließlich Jungs. Die Frage, ob auch Mädchen mitspielen dürften, hätte ich mir besser verkneifen sollen.
Die Musikrichtung ist mit dem großen Begriff Gipsy Brass wohl am besten beschrieben. Eine mitreißende Musik, mit großer Begeisterung gespielt und von uns begeistert aufgenommen.
Die Jungs machen jetzt schon eine tolle Musik obwohl sie erst seit einem Monat gemeinsam musizieren. Aber Musik liegt ihnen förmlich im Blut und ihr Chef Angel Ticherliev, der die international bekannte Band Karandila leitet, weiß sie in die richtigen Bahnen zu lenken und dabei die Begeisterung zu bewahren. Musikalische Talente sie alle, denen er kostenlos Unterricht gibt und Instrumente zur Verfügung stellt. Die Familien könnten sich das alles nicht leisten. Deshalb sind Projekte wie dieses und wie auf Georgis Projekt "Musik statt Straße" so ungemein wichtig: Zwei kleine Lichtblicke inmitten des Zigeunerghettos von Sliven.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen