Dienstag, 29. September 2015

Ein rundes Jubiläum - fast vergessen

Da haben wir ständig darüber geredet - und es dann doch fast vergessen, unser rundes Jubiläum. Nein, nicht 25 Jahre deutsche Einheit. Wir feiern nur 20 Jahre, denn so lange ist es her, dass wir uns das mit dem kleinen Häuschen am Schwarzen Meer überlegt haben. Unsere Freunde Rosi und  Boby brachte uns drauf, dass es in diesen Tagen genau vor 20 Jahren war, dass wir uns auf die Suche machten.
Unser Häuschen vor 20 Jahren
Der Anbau diente mal als Stall, heute ist hier das Bad.
Das sollte mal wieder ein Haus werden
Gemeinsam mit Rosis Vater Wasil nahmen wir das Vorhaben in Angriff. Die Suche begann in seiner Geburtsstadt Achtopol. Aber da  fanden wir nichts geeignetes mehr. Obwohl Wasil dort fast jeden Stein und so ziemlich jeden Einwohner kannte. Also machte er den Vorschlag im Nachbarort Varvara zu suchen. Mit der ihm eigenen Ruhe und Freundlichkeit fragt er die Dorfbewohner, ob denn Grundstücke zu Verkauf stünden. Und es gab welche. Die 90er Jahre, das waren auch in Bulgarien Zeiten des Umbruchs. Und Mitte der 90er ging es den Bulgaren ziemlich schlecht - die Wirtschaft und Landwirtschaft zusammengebrochen, keine Arbeit, Inflation, es gab kaum noch Lebensmittel. Da versuchte jeder, der ein Stück Land oder ein Häuschen von den Grosseltern geerbt hatte und nicht selbst drin wohnte zu verkaufen. Für uns ein Glück, denn wir wurden schnell fündig. Kaufen konnten wir selbst nicht, das war Ausländern nicht erlaubt. Also war der offizielle Käufer unser Freund, und wir hatten unser eigenes Häuschen mit Garten. Der Garten seit vielen Jahren Wildnis und Müllhalde, das Häuschen kurz vor dem Zusammenbruch. Aber nun eben unser. Und fortan dienten unsere Urlaube dazu, Häuschen (fast) abzureissen und dann wieder in der alten Kubatur aufzubauen. Mit Hilfe einiger junger und ganz junger Zigeuner und Bulgaren aus dem Dorf wurden die Arbeit in Angriff genommen. Dach abtragen - vorsichtig, brachte Jo den Bauleuten bei, denn die meisten Dachziegel waren noch brauchbar. Teile des Mauerwerks ebenso, denn Baumaterial war zu der Zeit auch mehr als rar. Da unser Urlaub zu kurz war um wirklich etwas zu schaffen sprang unser Freund Boby ein. Nach Jos Plänen und seiner statischen Feinplanung überwachte er die Bauarbeiten in den Sommermonaten, die er am Meer verbrachte.
Das wichtigste - ein Dach überm Kopf
Und so ganz allmählich, Stein für Stein, Holzbalken für Holzbalken und Stück für Stück wuchs das Haus. In diesen ersten Jahren lernten wir auch Denka und Ilija kennen. Sie waren uns empfohlen worden für Hilfe beim Bau, bei Transportarbeiten mit Pferd und Karuza und bei regelmässigen Kontrollen im Winterhalbjahr. Später dann war und ist bis heute Denka eine grosse Hilfe bei der Gartenarbeit und Ilija bei den Pferden. Aufs Pferd sind wir ja auch erst durch ihn gekommen, weil er für seinen Hengst eine Stute wollte und Jo überzeugen konnte eine zu kaufen.
Heute, nach 20 Jahren können wir sagen: Alles richtig gemacht. Es ist ein schönes Haus mit einem schönen Garten geworden. Und rundherum alles was zu einem bulgarischen Haus gehört: eine Weinlaube, ein Feigenbaum, ein Granatapfelbäumchen, ein Tomatengärtchen, Hund und Katzen. Und viele schöne Freundschaften zu den Dorfbewohnern, die uns oft mit Rat und Tat und vor allem mit ihrer Freundschaft zu Seite gestanden haben und das bis heute tun - auch wenn wir immer noch nicht richtig bulgarisch können. Und mit unseren Freunden Boby und Rosi und Baba Maria
Und  so sah es 2008 aus, als wir umgezogen sind
haben wir selbstverständlich auf 20 erfolgreiche Jahre mit Sekt und Rakia angestossen.

Sonntag, 27. September 2015

Wein Lese Zeit

Überall im Land ist Weinlesezeit. Auch bei uns im Garten. Wir haben nur vier Rebstöcke,eigentlich als Schattenspender angepflanzt. Die Trauben nehmen wir aber sehr gern in Kauf - zum Essen, zum Saft machen oder um schönes, dunkelrotes Gelee daraus zu kochen.
Dieses Jahr trugen unsere Reben sehr, sehr viele und vor allem auch sehr süße Trauben. Genug zum Wein ansetzen. Na gut, ein ganzes Faß (schreibt man das eigentlich noch mit ß?) ist noch nicht voll geworden, aber immerhin ein halbes. Den Rest haben wir dazugekauft. Jede Menge Arbeit, die Beeren sollen schließlich ohne Stiele zu Wein werden. Jetzt steht das Faß im Schatten vor dem Haus und gärt vor sich hin. Im vergangenen Jahr ist der Rotwein richtig gut gelungen. Vor drei  Jahren hatten wir ebenfalls Erfolg - ein ganz vorzüglicher Rotweinessig hatte sich im Faß entwickelt. Der war wirklich gut,nur eben kein Wein. Aber für dieses Jahr haben wir wieder ein gutes Gefühl. Im Winter werden wir es wissen wozu der Wein taugt. Bis dahin muß er zu Ende gären und dann noch ins Holzfaß zum Reifen. Ach ja, drei weitere Fässer stehen auch schon im Schatten und warten auf weitere Verarbeitung: zwei enthalten vergorene Birnenmeische, ein weiteres Feigen. Demnächst werden sie zum Brennen gebracht. Birnenschnaps und Feigenschnaps soll draus werden. Nicht daß jemand denkt wir würden so viel trinken. Aber der viele Besuch, den wir im Laufe des Sommers bekommen freut sich über einen gelungenen Tropfen. Und dann ist so selbstgemachtes - Wein, Rakia (wie hierzulande der Obstbrand heißt) oder auch ein leckeres Gelee - immer auch ein schönes Geschenk für die Familie und die Freunde.

Mittwoch, 9. September 2015

Es herbstelt - die Schwalben sind davongeflogen

Nach den 36 Grad am Wochenende hat es sich in dieser Woche abgekühlt. Nur noch 25 Grad, aber heute immerhin Sonnenschein. Das kann man doch aushalten und auch wieder im Garten arbeiten. Und zum Beispiel die ersten reifen Feigen ernten und verarbeiten. Zu Feigen-Rakia oder die schönsten zu Feigen im Schinkenmantel.
Die Schwalben haben wohl geahnt dass der Herbst naht und haben sich davongemacht. Statt der grossen Wolke aus mehreren hundert Schwalben fliegen jetzt am Morgen nun noch ein paar Dutzend über unser Haus. Aber auch die werden wohl bald das Weite suchen. Wie auch die Urlauber.
Nach dem Dorffest am vergangenen Wochenende mit Musik, Tanz, Essen und natürlich Trinken und den traditionellen Rinderturnier ist es im Dorf jetzt sehr ruhig geworden.
Jetzt sind noch all  jene da, die Ruhe und Erholung suchen und dazu keine Stranddisko brauchen.