Samstag, 31. Dezember 2016

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen

Und die hatten wir, die guten Tage. Weihnachten mit Regine und Wolfgang in Veliko Tarnovo. Eine der ältesten Städte Bulgariens, sie war von 1187 bis 1393 Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches.
 Der Zarewetz war die bedeutende mittelalterliche Festung, gelegen auf einem Hügel.
 Hier befand sich zwei Jahrhunderte lang das Schloss der bulgarischen Zaren und bedeutende Kirchen und Klöster. In den ältesten Stadtgebieten sind zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster bzw. ihre Ueberreste zu sehen. Doch das eigentlich beeindruckende von Veliko Tarnovo ist Art der Besiedelung der Stadt. Wie in einem gewaltigen Amphitheater klettern die Wohngebäude an den steil aufragenden Felswänden und Berghängen empor.
Mal ist der Eingang in ein Gebäude oben, auf der gegenüberliegenden Strassenseite allerdings unten. So auch unser Hotel. An einer Hauptstrasse gelegen zeigt die Fassade nicht eben viele Stockwerke. Doch das täuscht. Die Rezeption hatte das Level 0, unsere Zimmer lagen in der Etage minus 3. Der Spa-Bereich mit Pool und Sauna war in der Etage minus 5 angesiedelt. Gewöhnungsbedürftig. Der Ausblick vom Balkon war allerdings fantastisch und machte dem Hotelnamen alle Ehre: links und rechts konnten wir Wohngebäude und Hotels sehen, unter uns zogen sich alte enge Strassen mit ihren alten Häusern entlang.
Und im Zentrum, geradeaus sozusagen, blickten wir auf einen kleinen Hügel, der umflossen wird vom Fluss Jantra und auf dem das Denkmal "Assenevzi" an die Zaren Assen I., Peter, Kalojan und Ivan Assen II. erinnert.
Der Zarevets-Hügel  wartete am Abend des 1. Weihnachtsfeiertages noch mit einer besonderen Ueberraschung auf: Einer beeindruckenden Licht- und Musikshow.
Weitere herausragende Eindrücke unseres Weihnachtsausfluges: Eine ganze Reihe von Restaurants, in denen man wirklich sehr gut essen (und auch trinken) kann.Und vor und nach dem Essen wanderten wir durch die alten Gassen mit zahlreichen schön sanierten alten Gebäuden und Souvenir- und Kunsthandwerksläden. Also eine rundum gelungen Reise.
Dafür wurde es nach der Rückkehr heftig. Ein wenig Schnee lag ja schon in Veliko Tarnovo. Und für unsere Region war auch ein wenig Schnee für das Jahresende angekündigt. Aber dann hat es 30 Stunden durchgeschneit und bis heute abend hatten wir fast einen halben Meter Schnee. Und unsere arme Denka beendete ihren nachweihnachtlichen Ausflug zum Enkel nach Sofia mit einer 20stündigen Verspätung auf der Rückreise. Vom Nachmittag des 30. Dezember bis zum Mittag des 31. war sie in einem Bus gefangen, der kurz vor Burgas auf Grund mehrerer Unfälle nicht weiterfahren konnte. Davon betroffen waren zahlreiche Fahrzeuge und mehrere hundert Leute. Aber jetzt ist sie da und kann ordentlich Silvester feiern. Wie wir auch. Aber wir nur ganz ruhig zu Hause: Infolge eines heftig angestossenen kleinen Zehs passe ich erst mal in keinen richtigen Schuh. Und in Sandalen durch den Schneewehen - das muss ja auch nicht sein.
Wir wünschen allen unseren Freunden und Lesern ein erfreuliches und gesundes Jahr 2017.

Montag, 12. Dezember 2016

Adventsparty im Garten in Varvara

Nachdem wir den 1. und 2. Advent im stillen Kämmerlein zelebriert haben wollten wir zum 3. Advent die Lichter in die Welt hinaustragen. Oder sagen wir besser - in unseren Garten. Und zugleich die Atmosphäre eines deutschen Weihnachtsmarktes in unseren Garten holen und dazu Freunde und Bekannte aus Varvara einladen. Also erst mal eingekauft: Rostbratwürste natürlich (deutsche dank Lidl), Fleisch und Wurst für eine zünftige Soljanka und bulgarischen Rotwein für einen wärmenden Glühwein. Neben dem Kochen wurde der Garten geschmückt - Lichterketten aufgehängt und der abgestorbene Granatapfelbaum mit bunten Weihnachtskugeln geschmückt. Dann wurde ein Feuerchen angezündet für den grossen Topf mit der Soljanka, der Grill wurde in Betrieb genommen für die Roster und ein kleines Feuerchen entzündet für den Kupferkessel mit dem Glühwein. Und das alles bei 18 Grad. Aber gegen Abend würde es schon kühler werden.
Da wir aber ein Fest in Bulgarien mit bulgarischen Gästen feiern wollten, mussten wir natürlich den hiesigen Traditionen Tribut zollen. Also ging es erst mal mit einigen Vorspeisen los - aufgeschnittene Wurst und als deutsche Besonderheit Fettbemmchen mit saurer Gurke. Und da unsere Adventsfeier zufällig mit dem Geburtstag unseres Freundes Ilija zusammenfiel, steuerte Denka Pita-Brot und Sarmi bei (kleine Krautwickel mit Hackfleisch-Reis-Füllung). Und dazu gab es, ganz bulgarische Tradition, erst mal die harten Sachen zu trinken. Also den heimischen Obstbrand Rakia oder, wer wollte, auch Wodka oder Whisky. Dann ging es allmählich zu den Rostern über - auch den hiesigen Gepflogenheiten zuliebe gleich in mundgerechte Stücke geschnitten. Und dann ging es mit der Soljanka weiter und dem Glühwein.
Der war nicht eben euphorisch  begrüsst worden - wer trinkt schon süßen Wein und den dann auch noch warm. Aber da die Sonne schon eine Weile verschwunden war und auch der Wind etwas kühler wurde trank der Wein sich dann ziemlich schnell weg.
Seine wärmende Wirkung wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Lebkuchen, Stollen und Spekulatius passten übrigens auch gut dazu. Mittlerweile war es dunkel geworden, und so kamen unsere Lichterketten auch richtig zur Wirkung. Ach ja, als große Attraktion erwies sich eine Weihnachtspyramide, die hierzulande ziemlich unbekannt ist. Zugegeben, unsere Pyramide ist sehr klein - aber sie drehte sich unermüdlich und zeitweise sehr schnell im Wind.

Sonntag, 27. November 2016

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Bei uns brennen gleich ein paar mehr, sonst dreht sich die Pyramide nicht richtig. Und ja, es ist schon wieder ein Jahr vorbei - zumindest beinahe. Vorweihnachtlich sieht es allerdings nur im Haus aus - im Garten blühen die Rosen noch einmal ziemlich üppig. Aber nicht mehr lange - für die Wochenmitte ist leichter Schneefall angesagt, aber nur für einen Tag, dann sollen die Temperaturen wieder steigen. Hoffentlich tun sie es auch, hier ist schließlich kein Wintersportgebiet. Wer braucht da schon Eis und Schnee. Dass wir in der kalten Jahreszeit leben können wir derzeit an den Wochenenden auch ziemlich gut hören. In den Wäldern rundum herrscht die wilde Jagd. Lautes Geballer schreckt die Tiere auf, es ist Jagdzeit. Wir hoffen sehr, dass das kleine Reh, das wir neulich auf einer Wiese gleich neben der Pferdekoppel gesehen haben, sich gut verstecken kann. Und dass auch der Hase, den ich vor wenigen Tagen beim Weg zur Koppel aufschreckte, schneller ist als die Schützen. Wenn schon Weihnachtszeit, dann bitte friedlich

Mittwoch, 9. November 2016

Zu Gast bei Heinrich Schliemann - Griechenland zum 2.

Am Ende des 1. Teils des Griechenlandberichts war der Camper repariert, die Reise konnte weitergehen. Bis hin an das eigentliche Ziel, in das sagenumwobene Mykene. Traumreiseziel von Jo, hier hat schliesslich Heinrich Schliemann gegraben und die erste große Grabanlage mit zahlreichen gut ausgestatteten Gräbern freigelegt. Neben vielen anderen wertvollen Grabbeigaben fand Schliemann hier die die größte goldene Maske - die Maske des Agamemnon.
Schatzhaus des Atreus
Unsere Reise führte uns jedoch erst mal in den Ort Mykines. Gleich am Ortseingang fanden wir einen Campingplatz. Ein junges Pärchen, Rucksacktouristen, reiste gerade ab. Wir waren jetzt die einzigen Gäste. Es war Mittagszeit und wir wollten die Ausgrabungen von Mykene sehen. Die sollten sich unweit vom Ort befinden. Wir durchquerten erst mal den langgestreckten Ort, der vor allem aus Gaststätten, kleinen Hotels und Souvenirläden besteht. Dann kam eine Landstraße, kurvenreich und bergauf führend. Und Mittags so gegen ein Uhr bei strahlendem Sonnenschein  erschienen uns die 2 km, die es bis zum Burgberg sein sollten, auf die doppelte Länge ausgedehnt. In der Wärme dehnt sich halt alles ein wenig aus. Doch endlich erreichten wir ein erstes Ziel: Das Schatzhaus des Atreus. Auch eine Grabkammer mit einer beeindruckenden 13 Meter hohen Kuppel. Mit dem sagenhaften König Atreus freilich hat das Grab nicht zu tun. Es wurde lediglich nach ihm benannt. Schatzhaus übrigens wurde das Grab genannt, weil in ihm sehr reiche Schätze gefunden wurden.
Etwas erholt vom Aufenthalt im Schatzhaus setzen wir den Weg zum Burgberg von Mykene fort. Und nun ist es wirklich nicht mehr weit. Aber erst mal gibt es auf dem Parkplatz vor dem Eingang eine kleine Erfrischung. Und dann geht es endlich hinein ins große Grabungsgelände von Mykene.
Erst mal ins Museum des besseren Überblicks wegen. Und dann hinauf auf den Berg, durch das Haupttor, das berühmte Löwentor. Von hier führt der Weg in den befestigten Burgberg zur Oberstadt von Mykene, bis hinauf zum mykenischen Palast. Der Weg führt zunächst zum so genannten Grabzirkel A, den einst Heinrich Schliemann entdeckte und ausgrub. Oder besser ausgraben ließ. Zahlreiche Gräber lagen in diesem runden Areal, die zahlreiche Grabbeigaben enthielten: neben Terrakotten, Tongefässe, wertvolle Waffen, Schmuck und nicht zuletzt die berühmte goldene Maske des Agamemnon. Zumindest schrieb Schliemann  die Maske und weitere Funde dem sagenhaften König Agamemnon zu.
Löwentor
Der Burgberg von Mykene und die tiefer gelegenen Grabungsflächen zeigen eine Vielzahl von Überresten der einstigen Bebauung. Funde belegen, dass der Berg schon in Frühsteinzeit bewohnt war. Die  Blütezeit von Mykene lag allerdings im 14. und 13. Jahrhundert vor Christus. Ab dem 12. Jh. v. Chr. begann der Niedergang von Mykene, das jedoch noch bis ins 5. Jh. v. Chr. bewohnt blieb.
Aber dank Heinrich Schliemann und seinen spektakulären Funden wurde das mythische Mykene wieder interessant. Die Ausgrabungen halten bis heute an, immer wieder gibt es neue und interessante Funde. Und heute gehört Mykene gemeinsam mit dem nahegelenen Tyrins zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Gräberrund A: Hier legte Schliemann 20 Gräber frei

Wir machten uns jedoch am späten Nachmittag auf den Rückweg ins heutige Dorf Mykines. Der Weg erschien uns, bei weniger Hitze und auch noch bergab, nun deutlich kürzer. Hunger und Durst plagten uns. Aber an Restaurants ist im Ort kein Mangel. Die ersten gefielen uns nicht: Groß und ziemlich gesichtslos, auf viele Touristen eingestellt, die in ganzen Busladungen in den Ort einfallen. Doch dann fiel uns ein Schild ins Auge: La Belle Helene de Menelas Hotel, Haus von Heinrich Schliemanns war zu lesen. Na, das sehen wir uns doch mal an. Und tatsächlich, Terrasse und großer Gaststättenanbau liessen es zuerst nicht vermuten. Aber gleich hinter dem Gastraum findet sich eine alte Tür, eingelassen in dicke Mauern, die zum Hotel führt. Und dieses Hotel ist das alte, 1862 gebaute Wohnhaus, in dem Schliemann während seines Grabungsaufenthaltes wohnte. Die schöne Helena, das war die Ehefrau des Hauseigentümers, die Schliemann damals versorgten und ihm viele Wege geebnet haben sollen.
Blick vom Burgberg
Die heutigen Eigentümer: ein junges Ehepaar, Nachfahren der einstigen Eigentümer, die das Haus vor einigen Jahren übernahmen. Wir waren die einzigen Gäste, also ausreichend Zeit für den sehr gut englisch sprechenden Wirt, uns das Haus zu zeigen. Natürlich das Schlafzimmer, das einst Schliemann bewohnte. Genauso eingerichtet wie zu dessen Zeit. Auch die anderen Hotelzimmer tragen keine Nummern, sondern Namen. Den von Wilhelm Dörpfeld, der gemeinsam mit Schliemann hier und an anderen Orten grub. Oder von Alan Wace, einem britischen Archäologen, der nach Schliemann in Mykene arbeitete. Auch spätere Ausgräber sind genannt, die hier gewohnt haben sollen. Sogar Agatha Christie ist ein Zimmer gewidmet und dem Literaten Jean-Paul Sarte, die beide hier waren. Und im Erdgeschoss sind mehrere Räume ausgestattet mit Fotos, Zeichnungen, kleinen Gemälden, Briefen und sonstigen Schriftstücken von Wissenschaftlern, Archäologen, Künstlern, Schauspielern, Politikern, die im Laufe der Jahrzehnte die archäologischen Stätten von Mykene besuchten und natürlich auch dem Haus Heinrich Schliemanns einen Besuch abgestattet haben. Schön zu sehen und zu erleben, dass diese zahlreichen Dokumente bis heute bewahrt werden und das die Eigentümer mit dieser Geschichte leben. Mit der Gegenwart freilich leben sie weniger gut. Grundsteuer sowie Gewerbe- und Umsatzsteuer sind kaum zu erwirtschaften. Vor allem wenn man bedenkt, dass im Winterhalbjahr kaum Gäste kommen. Schade eigentlich, das Haus hat viel zu erzählen. Allein die vielen Briefe, Grüsse, Fotos der vielen sehr prominenten Besucher lohnen einen erneuten Besuch. Und geschmeckt hat es auch vorzüglich.
Wer mehr über Mykene und seine Geschichte wissen will, ich habe hier einen sehr ausführlichen und lesenswerten Bericht gefunden:
http://reise-zikaden.de/peloponnes-mykene-burg-agamemnon/

Montag, 17. Oktober 2016

Auch hier ist der Herbst angekommen

Der erste Herbststurm pfeift ums Haus, Zeit um Fotos zu sortieren. Und mit einem Foto ein kleines Wortspiel gefunden:
Die Herbstzeit geht los, e

Samstag, 8. Oktober 2016

Griechenlandreise mit Hindernissen

Unser Ausflug nach Griechenland war kurz, aber ereignisreich. Und ausgesprochen spannend. Spannend deshalb, weil wir nie wussten, ob wir unser abgestelltes Auto wieder würden starten können. Dabei hatten wir es ja frisch repariert gerade erst aus der Werkstatt geholt. Mit der Versicherung, dass der Fehler behoben sei. Behoben war er ja wohl auch, aber eben nicht beseitigt. Und da das mit dem Starten des Wohnmobils also ein Problem war, haben wir es nur selten gewagt das Fahrzeug abzustellen. Also weniger Stopps und weniger Besichtigungen als geplant. Aber was wir unbedingt sehen wollten haben wir geschafft.
Der erste Aufenthalt war Alexandroupolis.
An der Uferpromenade von Alexandroupolis
Da hatten wir schon gemerkt dass wir ein Problem hatten. Also grossen Parkplatz in der Stadt gesucht und gefunden. Gleich gegenüber ein hübscher kleiner Park mit schönem Café inmitten kleiner Teiche mit Wasserspielen. 100 Meter in die andere Richtung das Meer mit schöner Promenade und jeder Menge Tavernen. Also war Fischessen angesagt. Für Jo das erste Mal Oktopus - frisch gegrillt. Und siehe, es schmeckte wirklich. Zartes Fleisch und gar nicht gummiartig.
Am nächsten Morgen dann die Überraschung - das Auto ließ sich problemlos starten. Also auf zum Peloponnes. Die Euphorie hielt nicht lange vor. Die vielen Mautstellen verblüfften uns so ziemlich. Aller paar Kilometer anhalten und zahlen. Für rund 800 km haben wir an die 100 Euro bezahlt - Unser Wohnmobil zählt zu den zweitteuersten Fahrzeugen, nur die grossen LKW sind teurer.
Am Nachmittag erreichten wir die Thermopylen. Dort waren wir schon bei einer vorigen Griechenlandreise. Hier wollten wir einfach einen Tag bleiben und es uns im sehr warmen und sehr schwefelhaltigen Quellwasser gut gehen lassen. Mit einiger Überraschung stellten wir fest, dass die vor Jahren sehr vernachlässigten Gebäude des Thermalbades renoviert waren. Allerdings nicht für Kurgäste, hier ist eine Unterkunft für Flüchtlinge entstanden - Kinder und Jugendliche werden hier betreut, auch eine kleine Schule ist eingerichtet.
Im Amphitheater von Epidaurus
Am nächsten Morgen dann, nach einem wohltuenden Bad im anrüchigen, aber wohltuenden Wasser und einem ausgiebigen Frühstück die freudige Überraschung - das Auto ließ sich starten. Die schlechte Nachricht - der Akku des Fotoapparates hatte seinen Geist aufgegeben und das Handy ließ sich im Auto nicht laden. Also keine Fotos. Aber wer braucht die auch, noch funktioniert die Erinnerung. Der Weg führte uns weiter in Richtung Athen, dann nach Korinth, dort über die Brücke über den Isthmus, diese wirklich beeindruckend tiefe Schlucht. Dann fanden wir die richtige Strasse nach Epidaurus, dort wollten wir das beeindruckende Amphitheater besuchen. Da es erst früher Nachmittag war also doch gleich auf den Parkplatz am Amphitheater. Vielle Besucher, auch mehrere Reisegruppen. Vor allem französisch war zu hören, aber auch eine deutsche Gruppe dabei. Beeindruckend vor allem das riesige Theater, gebaut vor mehr als 2300 Jahren. Die steil aufragenden steinernen Sitzbänke bieten 14000 Zuschauern Platz. Eine Aufführung im Theater konnten wir nicht miterleben, aber die Reiseleiterinnen demonstrieren ihren Zuhörern, welch wunderbare Akustik hier herrscht: Auch in den obersten Reihen ist zu veerstehen, was ganz unten auf der Spielfläche gesprochen wird. Die benachbarte Ausgrabbungsfläche mit den Ueberresten von Tempeln, Wohnhäusern, Badeeinrichtungen, Stadion und Gymnasion zeigte an vielen Stellen, dass hier immer noch gegraben, ausgebessert, erneuert wird.
Schon wieder eine Mautstelle
Zurück am Auto wollten wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz begeben. Wollten - denn jetzt streikte das Wohnmobil tatsächlich. Hilfe nahte von einem benachbarten Imbissstand. Ein Verkäufer fragte auf englisch, ob er helfen könne. Wie sich zu unserem Erstaunen herausstellte war er kein Grieche, sondern Bulgare. Er lebt seit vielen Jahren mit seinen Eltern in Griechenland. Und natürlich half er Deutschen die aus Bulgarien kamen. Gemeinsam mit einem Kollegen telefonierte er eine Weile herum und sagte uns dann dass am nächsten Morgen ein Monteur kommt. Der kam tatsächlich zur angegebenen Zeit, setzte ein neues Relais ein - und die Fahrt konnte weitergehen. Nicht ohne ein grosses Dankeschön an Radoslav.
Doch jetzt geht die (schriftliche) Reise erst mal nicht weiter, aber versprochen: Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 21. September 2016

Na bitte, geht doch...

...das mit dem Regen. Nachdem wir nahezu drei Monate lang vergeblich auf Regen gewartet haben (die fünf Tropfen auf den Quadratmeter, die es zwischendurch mal gab, können wir unterschlagen), ist er nun doch gekommen.

Endlich Regen
Ende vergangener Woche ein kurzer Gewitterguss, und gestern ein etwas längerer. Leider kaum mehr als fünf Liter auf den Quadratmeter, aber besser als nichts. Zumindest hat es schon mal den Staub von den Pflanzen gewaschen. Ob der Regen auch dafür ausreichend war, die braune Landschaft wieder mit zartem Grün zu bedecken - wir werden es sehen. Bis es so weit ist müssen sich die Pferde weiter mit Heu begnügen. Ganz besonderes Heu allerdings - Elena und Beni haben es bei ihrem letzten Besuch von ihrem Berg am Iskar-Fluss mitgebracht. Den Pferden schmeckts jedenfalls.
Freude über das Bergheu
Aber nicht nur den langersehnten Regen hat das Gewitter mitgebracht, auch eine kleine Abkühlung. Statt wochenlanger 28 bis 30 Grad jetzt nur noch 20. Da arbeitet es sich doch gleich viel leichter. Beim Apfelmus kochen beispielsweise. Einen grossen Beutel voll sehr schöner Äpfel von einer Dorfbewohnerin geschenkt bekommen. Sie weiss nicht was sie damit machen soll. Also wirft sie sie für allerhand die Strasse bevölkernden Tiere über den Gartenzaun. Ich habe Apfelmus daraus gekocht. Völliges Unverständnis bei den Dorfbewohnern. Was soll das sein - ein Püree aus Äpfeln? Hierzulande absolut unbekannt. Also gekocht und verschenkt - und begeistertes Verkosten. Und den Beweis erbracht, dass Obst nicht nur zum sofortigen Essen taugt oder um Schnaps daraus zu brennen. Vielleicht findet mein Apfelmus ja Nachahmer.
Eine Woche lang Pflaumenknödel
Die Pflaumenknödel haben wir ja bereits im Vorjahr bekanntgemacht.
Wir sind aber erst mal beim Packen. Eine Reise nach Griechenland ist geplant. Die sollte heute beginnen. Aber wir wurden vor der Abreise gewarnt. Morgen ist Feiertag in Bulgarien, Freitag ist frei, also ein langes Wochenende. Und Tausende Bulgaren wollen die vier freien Tag für eine Tour nach Griechenland nutzen - da sind Staus an den Grenzübergängen vorprogrammiert. Also warten wir noch ein paar Tage bis Grenzen und Campingplätze in Griechenland wieder frei sind.

Donnerstag, 25. August 2016

Auch ohne Gerd haben wir es heiss

Luna wächst und gedeiht
Weide mit Meerblick
Sendungen im deutschen Fernsehen stellen in diesen Tagen immer wieder die Frage, wie man es am besten in dieser Hitze aushält. Drei Tage heiss - und schon das große Jammern. Bei manchen auch Freude, dass nun mal wieder der Sommer da ist. Wir stellen uns schon seit Anfang Juli die Frage, wie lange wir die Hitze noch aushalten sollen. Dann aber vor einigen Tagen die große Abkühlung - das Thermometer erreichte kaum noch die 25-Grad-Marke. Dazu Wind und dicke dunkle Wolken. Aber leider kein Regen, und das nun auch schon seit vielen Wochen. Die Pferdeweide durchweg braun, bei jedem Schritt wirbelt Staub auf, die Risse in der Erde werden länger und tiefer. Und dann nach drei Tagen Abkühlung schon wieder die 30 Grad und mehr. Die Urlauber freut es, am Meer weht immer ein erfrischender Wind, das Meerwasser schön warm. Doch wir gießen den Garten ohne Ende, damit nicht alles vertrocknet. Jo leidet still vor sich, die Klimaanlage hat ihren Geist aufgegeben. Hilft nur Durchzug und viele kühlende Getränke. Ich frage mich immer wieder, warum es noch keinem gelungen ist, die Wärme des Sommers zu konservieren um im Winter mit ihr die Häuser zu heizen.
Feigenmahlzeit
Die gute Nachricht - die Feigen sind reif. Die schönsten werden zu den leckeren Feigen im Schinkenmantel verarbeitet und gleich gegessen. Aus den zweitschönsten wird Feigenmarmelade, die meisten jedoch wandern ins Fass zum Vergären. Als Feigenschnaps sollen sie uns im Winter ein wenig von innen wärmen.
Am Ende noch eine schöne Geschichte vom Strand unter dem Motto: Auch so was gibt´s: Ich liege am Strand so für mich hin, lesend, den Kopf auf dem Kissen, die Knie leicht angewinkelt. Plötzlich berührt mich etwas weiches am Knie. Ich hebe den Kopf, sehe eine Maus, die mein Knie als Sprungschanze nutzt und eilig weiterhüpft. Wie ein winziges Känguru hüpft sie in benachbartes Gesträuch. In dem Moment spüre ich wieder etwas am Beim, diesmal in der Kniekehle. Aha, denke ich, ein Pärchen. Der Partner hat wohl den Anschluss verpasst. Da die Berührung anhält schaue ich nach, Aber kein Mäuschen liegt da unter meinem Bein, sondern eine Schlange. Die vordere Hälfte unter den Kniekehlen verborgen, die hintere Schlangenhälfte ragt in leichte Wellenlinie daraus hervor. Als ich den Kopf hebe um sie mir näher anzusehen schiesst sie davon. Der Maus hinterher, ihrer Beute. Aber die hatte sich bestimmt längst in Sicherheit gebracht. Rund um mich her bei den Badenachbarn Aufregung, ungläubiges Lachen, Erstaunen. Und die Frage, was für eine Schlange das wohl war. Das weiss ich allerdings nicht, sie ist verschwunden ohne sich mir vorzustellen.

Freitag, 5. August 2016

Was lange währt... Der Pferdenachwuchs ist da

Abschied von den Pferden
Nun ist er endlich da, der zweite Pferdenachwuchs. Eine kleine Stute, Luna ist ihr Name. Den hatten wir schon vor längerer Zeit ausgesucht in der Hoffnung, das Pferd kommt vielleicht beim Vollmond zur Welt. Aber nichts kam. Gemeinsam mit unserer Enkelin Nadja haben wir vermutet, dass die Stute Sunny vielleicht gar nicht schwanger ist sondern nur einen riesigen Fressbauch hat. An ihrem letzten Urlaubstag waren wir noch einmal zum Frühstück auf der Koppel.

Luna ist da
Und da kam uns die Idee, ob es vielleich Luft ist, die die Stute in ihrem Bauch hat, eine gewaltige Blähung sozusagen, die irgendwann mit einem gewaltigen Knall entweicht. Doch nun ist es da, das neue Fohlen. Und natürlich kam es zur Welt als wir gerade abgereist waren. Dass es ein Pferdemädchen geworden ist gefällt uns nicht so gut. Da muss man in einem Land, in dem die Pferde oft noch frei laufen, immer aufpassen, dass kein Hengst den Pferdedamen zu nahe kommt. Wer will schon jedes Jahr Nachwuchs. Auch nicht wenn er so schön ist wie dieses kleine Pferdemädchen.

Sonntag, 17. Juli 2016

Der Nachwuchs lässt auf sich warten

Jetzt ist er schon einen Monat alt, der kleine Hengst in unserer Herde. Getauft wurde er auf den Namen Spartak und sein bester Freund, Lehrer und Begleiter ist unser Wallach Alaska. Der hat viel zu tun um seine kleine Herde beisammen zu halten.
Spartak ist ganz schön gewachsen. Jetzt muss er zunehmen.
Und die zweite Stute Sunny auf Abstand. Irgendwie mag er die nicht. Aber zur Herde gehört sie eben doch, aber eben erst an letzter Stelle. Wir haben sie vor dem Schlachter gerettet. Sie wollte keiner mehr so richtig. Sie war spindeldürr und für die Arbeit im Wald offenbar nicht zu gebrauchen. Um ihr Hinterbein hatte sich ein Stacheldraht gewickelt, der für tiefe Schnitte gesorgt hat. Als wir uns entschlossen haben sie  unserer kleinen Herde hinzuzufügen wussten wir nicht, dass sie schwanger ist. Und jetzt warten wir täglich auf das zweite Fohlen, damit Spartak einen Spielgefährten bekommt. In den letzten Nächten haben wir im Wald neben der Pferdekoppel übernachtet.
Picknick am Weidenrand
Leider nicht im Caravan, der kommt da nicht mehr hin. Ein Landwirt hat den Zufahrtweg weggepflügt. Also haben wir ein Zelt aufgeschlagen. In dem entkommen wir dem Urlauberlärm im Dorf. Und wir können ganz früh das neue Fohlen begrüssen. Falls der dicke Bauch von Sunny nicht doch bloss ein Fressbauch ist. Jedenfalls ist die Ruhe dort oben herrlich und der Blick auf die Berge und das Meer am Abend ist herrlich
Herrliche Sonnenuntergänge- leider Wolken ohne Regen.

Und ein weiteres Mitglied der Herde kann hier vorgestellt werden: Forrest, ein nicht nur junger, sondern auch kleiner Hengst. Auch er für die Waldarbeit nicht zu gebrauchen und deshalb ein Anwärter auf den Schlachthof. Ilija will ihn, wenn er halbwegs erwachsen ist, vor die Karuza spannen. Aber da muss er erst noch ein bisschen wachsen. In die kleine Herde lässt er sich leider nicht integrieren. Junghengste werden weggejagt. Also steht er hinter dem Zaun.
Auf jeden Fall sind Sunny und auch Forrest ausgesprochen liebe, anhängliche und auch schmusebedürftige Pferde. Es läüsst sich gut mit ihnen arbeiten und wir hoffen, es bleibt auch so wenn 1. das Fohlen da ist und 2. der Junghengst ein richtiger Hengst wird.
Schmusestunde mit Forrest
Jetzt ist aber erst mal die Futterfrage ein Problem. Seit Wochen kein richtiger Regen mehr und Temperaturen um die 30 Grad sowie Wind. Da sind alle Weideflächen total verdorrt. Was noch auf dem Halm steht ist trockener als Heu - und sicher auch weniger nahrhaft. Für Alaska kein Problem, der ist sowieso zu fett. Aber die beiden Damen brauchen Kraft. Aber wozu gibt es Kraftfutter.

Sonntag, 19. Juni 2016

Zuwachs in der Pferdeherde

Erwartet wurde es erst in ein paar Tagen, aber dann die grosse Ueberraschung: Als wir heute morgen auf die Pferdekoppel kamen, wuselte ein kleines Pferdchen zwischen den anderen Pferdebeinen hindurch. Stute Swesda hatte in der Nacht ihr erstes Fohlen geboren.

Einen kleinen Hengst mit einem Halbmond auf der Stirn. Scheu ist der Kleine überhaupt nicht. Er kam neugierig die zweibeinigen Besucher begucken, und er steckte auch gleich mal den Kopf in den Eimer, aus dem gerade noch seine Mutter getrunken hatte. Er liess sich kraulen und geduldig von den Hunden beschnüffeln. Da sie alle so ziemlich die gleiche Grösse wie er selbst und auch vier Beine haben,  sah er sie wohl als potentielle Spielgefährten an.
Nicht so Wallach Alaska, der sich als Beschützer von der jungen Mama und ihrem Fohlen sieht: Er jagte die Hunde erst mal weg vom Fohlen, man kann ja nie wissen ob sich einer von ihnen nicht doch noch als Wolf entpuppt. Also Sorgen müssen wir uns keine machen: die Mama kümmert sich ums körperliche Wohlergehen ihres Nachwuchses, Alaska um die Sicherheit.
Jetzt heisst es warten auf das nächste Fohlen: Auch Stute Sunny ist schon dick und rund und wird uns nicht mehr lange auf ihren Nachwuchs warten lassen.

Montag, 16. Mai 2016

Frühstück mit Pferd

Die Pferdekoppel ist fertig, die Pferde haben sie bezogen und geniessen die neue Freiheit. Die neuste Stute, die wir haben, hat es freilich schwer. Sie sollte gemeinsam mit den beiden älteren gemeinsam weiden. Aber mit drei Pferden geht das wohl nicht.
Mal nachschauen was los ist
Und was gibt es heute?
Die Pferde haben bis jetzt immer nur in einiger Entfernung voneinander gestanden, mit einer langen Leine am Bein gefesselt. Also nur Sichtkontakt. Und jetzt endlich können sie (fast) so leben wie es sich für Pferde gehört - in einer Herde, mit direktem Kontakt. Aber unsere beiden - Stute und Wallach - haben sich sofort zusammengetan. Da hat die Dritte gestört und wurde gejagt und weggebissen. Dabei wollte sie doch so gern bei den anderen sein. Aber schliesslich blieb ihr nur die Flucht durch den Elektrozaun. Ilija hat sie wieder eingefangen und ausserhalb der Umzäunung angebunden. Jetzt also ein neuer Versuch - einen Teil der wirlich grossen Koppel abgetrennt und auf die zweite Hälfte das noch neue  Herdenmitglied Sunny und den Grossvater der Truppe Samurai gestellt. Das ging auch eine Weile gut - aber Sunny wollte doch so gern bei den anderen sein. Also ist sie kurzerhand unter dem Elektrozaun durchgekrochen. Heute morgen jedenfalls waren drei unserer Pferde auf der einen Seite. Sunny immer mal wieder ein bisschen weggejagt aber schliesslich doch geduldet. Um zu sehen wie es läuft sind wir zur Koppel gefahren (Teile davon sind von unserem Haus aus gut zu sehen), das Frühstück haben wir mitgenommen. Und es war ein wirklich schönes Erlebnis. Schönster morgendlicher Sonnenschein, in der Nähe waren Bienenfresser gerade erwacht und flogen los zur Futtersuche. Zwei Störche überqerten die Koppel und dann kreisten auch noch zwei Seeadler über dem Gelände. Also rundum heile Welt. Unser Hund Leo raste wie angestochen durch die Gegend, immer zwischen den Pferden durch - und die liessen sich davon gar nicht stören. Sie kamen im Gegenteil immer Stück für Stück weiter zu uns heran.
Wo will den Denka mit meinem Essen hin?
Und die Leitstute wollte schliesslich ganz genau wissen was es bei uns so zum Frühstück gab. Sie legte mal kurz das weiche Maul auf den Tisch, war aber für Gurkenschalen nicht wirklich zu begeistern. Für uns war es schön zu erleben, dass die Tiere sich nicht nur eingelebt haben, sondern darüber hinaus auch zu uns wieder Zutrauen haben. An den ersten Tagen auf der Koppel sind sie uns konsequent aus dem Weg gegangen - wahrscheinlich hatten sie immer die Befürchtung, dass wir sie wieder trennen und anbinden könnten. Und da es so friedlich läuft, können wir uns nun für ein paar Tage auf den Weg nach Deutschland machen.

Freitag, 13. Mai 2016

Von Pfingstrosen, ausbleibenden Geschenken und Pfingstochsen

Pfingsten sind die Geschenke am geringsten. Während Weihnachten, Geburtstag und Ostern etwas einbrachten. Das sagt Materialist Brecht. Und wir sagen: Die Geschenke sind nicht nur am geringsten, es gibt gar keine. Oder hat sich daran etwas geändert von dem wir nichts wissen und nur wir kriegen keine? Wie auch immer: Wir wünschen allen ein schönes Pfingstfest.

Selbst hier in Bulgarien hat sich aber herungesprochen dass Pfingsten ist, wie an unseren Pfingstrosen deutlich zu erkennen. Ganz pünktlich zum Fest sind die ersten erblüht. Das Fest selber spielt hierzulande aber keine besondere Rolle.
Auch Pfingstochsen wurden hierzulande noch nicht gesichtet: Weder die buntgeschmückten echten Ochsen beim ersten Weidetrieb  noch die Langschläfer-Pfingstochsen, die aber wohl nur in Bayern vorkommen.

Samstag, 7. Mai 2016

Eine Woche feiern

Kaum ist das orthodoxe Osterfest vorbei, da steht schon der 6. Mai, der Georgstag vor der Tür. St. Georg, in Bulgarien Schutzheiliger der Krieger, der Armee, der Verteidiger oder wie immer sie sich nennen wollen, und gleichzeitig auch Schutzheiliger der Roma.
Und deshalb einmal staatlicher Feiertag, und zugleich größter Feiertag für die Zigeuner (politisch korrekt in unserem Fall der bulgarischen Roma-Minderheit). DAS große Familienfest der Roma, das nicht jede (Groß)Familie für sich feiert, sondern das in der Dorfgemeinschaft gefeiert wird. In diesem Jahr waren für die Vorbereitung des Festes unsere Freunde Denka und Ilija, gemeinsam mit einer zweiten Familie, für die Organisation zuständig. Da hieß es früh Spenden sammeln, um eine Kapelle verpflichten zu können. Solche Bands, die die nötige lautstarke Technik meist auf einem LKW mit sich führen, gibt es im ganzen Land zu Hauf. Aber im ganzen Land, in jeder Stadt, in jedem Dorf finden an diesem 6. Mai Feiern statt. Und zu jeder Feier des Georgiev den gehört eine Liveband. Also rechtzeitig mit einer Vorauszahlung die Musikgruppe binden. Wir hatten die Idee, für Denkas Fest eine Tombola vorzubereiten. Begeisterte Zustimmung bei den Organisatoren. Und dank unserer deutschen Freunde in Sozopol und in Burgas kamen auch viele Tombolapreise zusammen.
Das Fest selbst war ein voller Erfolg. Jede Familie hat ein Schaf geschlachtet und gebacken, ausreichend Getränke bereit gestellt, Tische und Stühle am Festplatz aufgestellt. In diesem Jahr war die traditionelle Festwiese nicht begehbar - tagelang hatte es geregnet, kalt war es auch. Aber am Festtag selbst lachte uns die Sonne und alle Einheimischen und ihre Gäste konnten ihr Fest begeistert begehen. So viel Glück hatten allerdings die Roma-Familien in den umliegenden Dörfern nicht - sie wurden heimgesucht von Gewittern und Sturmböen.

Samstag, 30. April 2016

Ostern zum Zweiten

Soeben haben die Kirchenglocken geläutet, heute wird die Osternacht gefeiert. Das orthodoxe Osterfest ist an diesem Wochenende. Eigentlich beginnt der Gottesdienst in der Osternacht ja erst kurz vor Mitternacht, denn erst dann kann der Spruch erklingen: Christus ist auferstanden.

Aber in unserer Kirche wird die Messe etwas früher gefeiert, weil der Pope die Mitternachtsmesse in seiner eigentlichen Kirche in Ahtopol feiert. Also werden die Kirchenbesucher in Varvara schon etwas früher drei Mal die Kirche umrunden um sich danach gegenseitig bestätigen zu können, dass Christus wahrhaftig auferstanden ist. Auch wenn wir keine gläubigen Menschen sind, diese Zeremonie, an der viele Einwohner von Varvara und ihre extra zum Osterfest angereisten Familienangehörigen teilhaben, ist immer wieder anrührend. Natürlich umrunden wir die Kirche mit der brennenden Kerze in der Hand und natürlich bestätigen auch wir unseren Freunden, dass Christus auferstanden ist.
Wir haben heute schon mal für Denkas Enkeltöchter kleine Geschenke verteilt, die gleich ausprobiert wurden. Und wir haben auch das ziemlich grosse Lamm bewundert, das zum Osterfest geschlachtet und morgen vom frühen Morgen an im Lehmofen gebacken wird. Und wir essen dieses Lamm ganz ohne schlechtes Gewissen - denn ganz sicher hatte es ein kurzes, aber gutes Leben: jeden Tag Spaziergänge in der friedlichen Natur und ausreichend Grünfutter. Und wer noch glauben sollte, dass das Fleisch im Supermarkt in der Kühltheke wächst, der muss ja das letzte Foto nicht anschauen.
Jetzt jedenfalls noch schnell die Fotos eingefügt und dann ab in die Kirche. Auf dem Heimweg wird uns die Nachtigall im Nachbargarten mit ihrem schönen Gesang begleiten.

Samstag, 16. April 2016

Ostereier unter Rosen


Der Frühling hat vor noch nicht allzu langer Zeit begonnen, da ist er auch fast schon vorbei. Narzissen und Tulpen sind fast alle verblüht, jetzt öffnen sich die ersten Rosen- und Irisknospen. Auch der Blauregen steht in voller Blüte und gleich daneben leuchten ebenfalls blau die ersten Clematisblüten. Bis zum orthodoxen Osterfest in zwei Wochen werden wohl die Rosensträucher und sonstigen Sommerblumen in den schönsten Farben leuchten und die Ostereier darunter kaum noch zu finden sein.
Seit etwa drei Wochen hat auch ein Storchenpärchen sein Nest im Dorf bezogen und ist mit Nestbau, Paarung und Eierlegen gut beschäftigt.Wir haben seit einigen Tagen samt unseren Katzen die Terrasse wieder bezogen und das Mittagessen gibt es auch wieder draussen.

Die Pferdekoppel ist fertiggestellt, auch die freilaufenden Kühe haben sich offenbar an die Umzäunung gewöhnt und nur zwei mal Teile des Drahtzaunes umgeworfen. Jetzt hat das Gras, ungestört von Kühen, Schafen, Ziegen, einige Tage Zeit zum Wachsen. Und dann soll in den nächsten Tagen die Koppel bezogen werden.
Die Pferde wissen es hoffentlich zu schätzen, dass sie ab sofort (fast) frei laufen können. Wir aber machen uns morgen erst mal auf den Weg in das Strandja-Gebirge - der pontische Rhododendron soll in voller Blüte stehen, deutlich früher als in den vergangenen Jahren.

Sonntag, 10. April 2016

Eine Koppel für die Pferde

Das war schon lange geplant, aber schwer zu realisieren: eine Pferdekoppel. So etwas ist hier kaum üblich. In aller Regel werden die Pferde mit dem Bein an einem langen Strick angebunden und könne so grasen. Laufen allerdings nur im kleinen Kreis. Doch mittlerweile etablieren sich im Land immer mehr Reiterhöfe, und dort werden die Pferde in Koppeln gehalten.

Und auch für die Kühe setzen sich eingezäunte Areale mehr und mehr durch. Die meisten Rinder werden hier allerdings nach wie vor genau wie die Schaf- und Ziegenherden über Brachflächen getrieben. Aber wir wollten für unsere Pferde endlich eine Koppel. Also aufwändige Suche nach geeigneten Flächen. Noch vor zwei, drei Jahren nicht möglich: Wir wollen unsere Flächen als Bauland verkaufen, das nimmt keiner wenn da Pferde drauf weiden. Inzwischen hat sich allerdings gezeigt, dass so viel Bauland selbst hier an der Küste nicht gebraucht wird. Und nicht jede Fläche kann Bauland werden. Und dank Fördermitteln aus der EU haben nun einige Landwirte grosse Teile der Brachflächen gepachtet und beziehen dafür Landschaftspflegemittel. Ein gutes Geschäft, wie es scheint. Für die Eigentümer, weil sie so für ihre Flächen Geld und wenn gewünscht vom Pächter auch Naturalien (Tierfutter) bekommen. Und für den Pächter bleibt von den Fördergeldern nach Abzug der nötigen Arbeitsleistungen (die werden kontrolliert) auch noch genug übrig.
So viel der Vorrede. Wir konnten uns jedenfalls mit einem der Pächter einigen eine ausreichend grosse Fläche einzuzäunen und dort für die Pflegemassnahmen zu sorgen: Das Gras kurzhalten (das erledigen die Pferde) und Wildwuchs durch Bäumchen und vor allem Sträucher zu verhindern. Jetzt jedenfalls sind erstmal die Zaunpfähle gesetzt und die Fläche mit einem ersten Draht eingezäunt, um die bisher dort grasenden Kühe und Schafe fernzuhalten. Der Schafhirte leitet seine Tiere jetzt um den Zaun herum, die Besitzerin der stattlichen Kuhherde hingegen gewährt ihren Tieren freien Auslauf ohne Kontrolle. Und da rennen sie schon mal durch den Draht hindurch. Alte Gewohnheiten mit vermeintlichem Wegerecht sind nur schwer abzugewöhnen, und das betrifft Tiere genauso wie Tierhalter. Also in den nächsten Tagen den Elektrozaun installieren, das merken die Tiere dann vielleicht. Erfreulicherweise hat es heute nun auch noch geregnet, so dass das Gras  nachwachsen kann. Wir sind jedenfalls gespannt, wie unsere Pferde auf die angebotene Bewegungsfreiheit reagieren. Die Lage der Koppel ist jedenfalls schön - gleich neben einem Waldstück und mit freiem Blick zu Meer. Den Hunden jedenfalls gefällt es schon mal.