Samstag, 31. Dezember 2016

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen

Und die hatten wir, die guten Tage. Weihnachten mit Regine und Wolfgang in Veliko Tarnovo. Eine der ältesten Städte Bulgariens, sie war von 1187 bis 1393 Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches.
 Der Zarewetz war die bedeutende mittelalterliche Festung, gelegen auf einem Hügel.
 Hier befand sich zwei Jahrhunderte lang das Schloss der bulgarischen Zaren und bedeutende Kirchen und Klöster. In den ältesten Stadtgebieten sind zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster bzw. ihre Ueberreste zu sehen. Doch das eigentlich beeindruckende von Veliko Tarnovo ist Art der Besiedelung der Stadt. Wie in einem gewaltigen Amphitheater klettern die Wohngebäude an den steil aufragenden Felswänden und Berghängen empor.
Mal ist der Eingang in ein Gebäude oben, auf der gegenüberliegenden Strassenseite allerdings unten. So auch unser Hotel. An einer Hauptstrasse gelegen zeigt die Fassade nicht eben viele Stockwerke. Doch das täuscht. Die Rezeption hatte das Level 0, unsere Zimmer lagen in der Etage minus 3. Der Spa-Bereich mit Pool und Sauna war in der Etage minus 5 angesiedelt. Gewöhnungsbedürftig. Der Ausblick vom Balkon war allerdings fantastisch und machte dem Hotelnamen alle Ehre: links und rechts konnten wir Wohngebäude und Hotels sehen, unter uns zogen sich alte enge Strassen mit ihren alten Häusern entlang.
Und im Zentrum, geradeaus sozusagen, blickten wir auf einen kleinen Hügel, der umflossen wird vom Fluss Jantra und auf dem das Denkmal "Assenevzi" an die Zaren Assen I., Peter, Kalojan und Ivan Assen II. erinnert.
Der Zarevets-Hügel  wartete am Abend des 1. Weihnachtsfeiertages noch mit einer besonderen Ueberraschung auf: Einer beeindruckenden Licht- und Musikshow.
Weitere herausragende Eindrücke unseres Weihnachtsausfluges: Eine ganze Reihe von Restaurants, in denen man wirklich sehr gut essen (und auch trinken) kann.Und vor und nach dem Essen wanderten wir durch die alten Gassen mit zahlreichen schön sanierten alten Gebäuden und Souvenir- und Kunsthandwerksläden. Also eine rundum gelungen Reise.
Dafür wurde es nach der Rückkehr heftig. Ein wenig Schnee lag ja schon in Veliko Tarnovo. Und für unsere Region war auch ein wenig Schnee für das Jahresende angekündigt. Aber dann hat es 30 Stunden durchgeschneit und bis heute abend hatten wir fast einen halben Meter Schnee. Und unsere arme Denka beendete ihren nachweihnachtlichen Ausflug zum Enkel nach Sofia mit einer 20stündigen Verspätung auf der Rückreise. Vom Nachmittag des 30. Dezember bis zum Mittag des 31. war sie in einem Bus gefangen, der kurz vor Burgas auf Grund mehrerer Unfälle nicht weiterfahren konnte. Davon betroffen waren zahlreiche Fahrzeuge und mehrere hundert Leute. Aber jetzt ist sie da und kann ordentlich Silvester feiern. Wie wir auch. Aber wir nur ganz ruhig zu Hause: Infolge eines heftig angestossenen kleinen Zehs passe ich erst mal in keinen richtigen Schuh. Und in Sandalen durch den Schneewehen - das muss ja auch nicht sein.
Wir wünschen allen unseren Freunden und Lesern ein erfreuliches und gesundes Jahr 2017.

Montag, 12. Dezember 2016

Adventsparty im Garten in Varvara

Nachdem wir den 1. und 2. Advent im stillen Kämmerlein zelebriert haben wollten wir zum 3. Advent die Lichter in die Welt hinaustragen. Oder sagen wir besser - in unseren Garten. Und zugleich die Atmosphäre eines deutschen Weihnachtsmarktes in unseren Garten holen und dazu Freunde und Bekannte aus Varvara einladen. Also erst mal eingekauft: Rostbratwürste natürlich (deutsche dank Lidl), Fleisch und Wurst für eine zünftige Soljanka und bulgarischen Rotwein für einen wärmenden Glühwein. Neben dem Kochen wurde der Garten geschmückt - Lichterketten aufgehängt und der abgestorbene Granatapfelbaum mit bunten Weihnachtskugeln geschmückt. Dann wurde ein Feuerchen angezündet für den grossen Topf mit der Soljanka, der Grill wurde in Betrieb genommen für die Roster und ein kleines Feuerchen entzündet für den Kupferkessel mit dem Glühwein. Und das alles bei 18 Grad. Aber gegen Abend würde es schon kühler werden.
Da wir aber ein Fest in Bulgarien mit bulgarischen Gästen feiern wollten, mussten wir natürlich den hiesigen Traditionen Tribut zollen. Also ging es erst mal mit einigen Vorspeisen los - aufgeschnittene Wurst und als deutsche Besonderheit Fettbemmchen mit saurer Gurke. Und da unsere Adventsfeier zufällig mit dem Geburtstag unseres Freundes Ilija zusammenfiel, steuerte Denka Pita-Brot und Sarmi bei (kleine Krautwickel mit Hackfleisch-Reis-Füllung). Und dazu gab es, ganz bulgarische Tradition, erst mal die harten Sachen zu trinken. Also den heimischen Obstbrand Rakia oder, wer wollte, auch Wodka oder Whisky. Dann ging es allmählich zu den Rostern über - auch den hiesigen Gepflogenheiten zuliebe gleich in mundgerechte Stücke geschnitten. Und dann ging es mit der Soljanka weiter und dem Glühwein.
Der war nicht eben euphorisch  begrüsst worden - wer trinkt schon süßen Wein und den dann auch noch warm. Aber da die Sonne schon eine Weile verschwunden war und auch der Wind etwas kühler wurde trank der Wein sich dann ziemlich schnell weg.
Seine wärmende Wirkung wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Lebkuchen, Stollen und Spekulatius passten übrigens auch gut dazu. Mittlerweile war es dunkel geworden, und so kamen unsere Lichterketten auch richtig zur Wirkung. Ach ja, als große Attraktion erwies sich eine Weihnachtspyramide, die hierzulande ziemlich unbekannt ist. Zugegeben, unsere Pyramide ist sehr klein - aber sie drehte sich unermüdlich und zeitweise sehr schnell im Wind.