Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Griechische Schule in Achtopol


Manchmal hat man hier ja auch angenehme Erlebnisse. Eigentlich sind wir ja mittlerweile immer auf das Schlimmste gefasst, was die plan- und oft auch sinnlose Bauwut in Bulgarien angeht. Riesige Hotels, riesige Appartmentanlagen, eins hässlicher als das andere, aber natürlich an den schönsten Plätzen der Schwarzmeerküste. Da sticht die Immobilienhaie ein solch schönes Plätzchen wie das an der Griechischen Schule an der Spitze einer ins Meer hineinragenden Landzunge in Achtopol besonders ins Auge. Ja, es stimmt, das Gebäude, das vermutlich um 1900 gebaut wurde, ist eine Griechische Schule. Das ist begründet in der Geschichte der Stadt Achtopol. Sie war eine von vielen alten griechischen Ansiedlungen rund ums Schwarze Meer. Es wird vermutet, dass die Siedlung mit Namen Agathopolis etwa 600 vor Christi entstanden ist. Die Lage war ideal - mit einem wunderbaren natürlichen Hafenbecken, ideal zum Anlanden von Handelsschiffen. Seit dieser Zeit gab es hier griechische Bewohner. Von dieser alten Ansiedlung freilich ist heute nichts mehr zu finden - außer den Resten der alten Stadtmauer, die vermutlich bei einem Erdbeben eingestürzt ist. Teile davon finden sich in einigen Straßenzügen in der Nähe des Hafens, und sogar in manchen Gärten kann man ein Stück Stadtmauer finden. Erst vor wenigen Jahren stieß ein Bauherr beim Ausheben der Baugrube auf ein weiteres Stück Mauer. Er bekam ein anderes Stück Bauland, die Mauer wurde notdürftig gesichert. Für die weitere Freilegung fehlt das Geld.
Doch zurück zu den Griechen. Die Stadt wurde später von den Römern erobert, und dann war sie wie ganz Bulgarien 500 Jahre von den Türken beherrscht. Eine griechische Bevölkerung lebte in der Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Vor allem griechische Schiffsbauer sollen von den Türken hier angesiedelt worden sein. Um 1900 war in Achtopol ein Völkergemisch heimisch: Griechen, Bulgaren, Türken, Roma lebten in der Region. Ein Haupterwerbszweig der Griechen zu dieser Zeit war unter anderem der Export von Holzkohle nach Istanbul, die im benachbarten Strandsha-Gebirge mit seinen dichten Eichen- und Buchenwäldern hergestellt wurde. Die Stadt muss immer wieder ziemlich vermögend gewesen sein, der natürliche Hafen bot gute Bedingungen für Händler.
Mit dem Niedergang des Türkischen Reiches gibt es immer wieder Veränderungen in der gesamten Region - hier stoßen heute Bulgarien, die Türkei und nur wenig entfernt auch Griechenland aneinander. Es gab um 1912 mehrere Kriege auf dem Balkan gegen das Osmanische Reich. Im Ergebnis der Kriege kam es zur Neuaufteilung der Territorien und zu massiven "Gebietsbereinigungen". So musste die bulgarische Bevölkerung die zur Türkei gehörenden Gebiete räumen, dafür verließen viele Türken bulgarisches Territorium. Und auch die Griechen, die noch in Achtopol lebten, mussten die Stadt verlassen. Von ihnen ist im Stadtbild kaum etwas geblieben, ein Großbrand im Jahre 1918 hat nahezu alle der überwiegend aus Holz gebauten Häuser der Stadt vernichtet. Nur eines der alten Holzhäuser direkt an der Steilküste ist aus jener Zeit erhalten geblieben, aber jetzt verfällt es allmählich, da seine Besitzer das Geld nicht haben es zu erhalten.
Und dann ist da natürlich die aus Stein gebaute griechische Schule, die den Brand ebenfalls überstanden hat. Kurz nach ihrer Fertigstellung mussten die Griechen die Stadt verlassen. Das Gebäude blieb Schule, wurde mehrfach restauriert und teilweise umgebaut. Bis vor einigen Jahren diente die einstige Schule als Freizeiteinrichtung für Kinder, in den Ferien gab es hier viele Angebote. Doch dann stand das Haus leer, zog viele begehrliche Blicke auf sich. Bis wir dann vor zwei Jahren hörten, das Gebäude ist in Besitz der Kunstakademie Sofia übergegangen. Einem alten Lehrer aus Achtopol, der sich sehr intensiv um die Erforschung der Geschichte der Stadt bemüht ist es zu danken, dass jetzt auch das kleine Museum der Stadt hier mit einer kleinen, aber feinen und vor allem gut gestalteten Ausstellung hier untergekommen ist. Teile des Gebäudes sind saniert, das Freigelände ist mit zahlreichen Holzplastiken der Kunststudenten geschmückt, die hier ihre Ferien verbrachten. Damit dürfte die Gefahr, dass auch auf dieser Landzunge ein großkotziger Hotelkomplex entsteht, gebannt sein.

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