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Sonntag, 14. September 2014

Wieder mal Land unter - aber Dorffest gelungen

In diesem Jahr scheint sich alles in regelmässigen Abständen zu wiederholen: Das Dorffest am vergangenen Wochenende wäre beinahe buchstäblich ins Wasser gefallen. Vom Freitag zum Samstag, 5./6. September, gewitterte und regnete es ohne Unterlass. Besonders betroffen waren Burgas und die Regionen südlich davon. Gebietsweise 170 Liter auf den Quadratmeter in 24 Stunden. Da war natürlich, wie schon im Blog vom Juli zu lesen, wieder einmal die einzige Verbindungsstrasse zu uns in den Süden überschwemmt und dicht gemacht. Wir hatten Glück, wir waren nicht unterwegs. Aber die Musiker fürs Dorffest hatten Sorge, Varvara pünktlich zu erreichen.
Denka und Sohn Dantscho sorgen für Verpflegung


Am Ende hat es aber doch geklappt, am Nachmittag hatten sich die Fluten der Flüsse ins Meer verteilt. Noch einen Tag später war vor der Küste das Wasser in einem breiten Streifen braun gefärbt. Und wer weiss, dass in den meisten Dörfern die Abwässer nahezu ungeklärt in die Flüsse geleitet werden, der kann sich vorstellen, dass das Baden im Meer in den nächsten Tagen sicher nicht sehr gesund sein konnte.
Doch in den letzten Tagen war es wieder sommerlich warm, sehr zur Freude der noch verbliebenen Urlauber. Denn am 15. September ist in ganz Bulgarien Schulanfang, Zeit also für die meisten Einheimischen für die Heimreise. Für uns  Gelegenheit für die letzten Mekizi aus Ahtopol und für frischen Traubensaft.


Und Ilija und sein Freund Gero sorgen für Unnterhaltung
Für die kommenden Tage sind zwar noch sommerliche Temperaturen, aber auch immer mal wieder Regenschauer angesagt. Es ist Herbst. Die Störche sind bereits Ende August in grossen Schwärmen davongeflogen. In den letzten Tagen überquerten die Bienenfresser und auch etliche Raubvögel das Dorf in kleinen Schwärmen in Richtung Süden. Die meisten Schwalben sind auch schon weg, nur die spätbrütenden sind noch da und trainieren mit ihrem Nachwuchs den Gruppenflug.
Und auch wir bereiten uns auf Herbst und Winter vor. Das halbe Haus ist ausgeräumt, eine Fussbodenheizung soll verlegt werden. Und in einer Woche steht auch uns der Abflug bevor - nicht in den Süden sondern in das dann hoffentlich auch sonnige Deutschland.
Ach ja, wer etwas mehr über die gegenwärtige Situation in Bulgarien vor den bevorstehenden Wahlen lesen will, hier ein Lesetipp:  http://www.heise.de/tp/artikel/42/42756/1.html

Montag, 21. September 2009

Der Herbst steht auf der Leiter


Und die Schwalben sitzen auf allen verfügbaren Leitungen. Worauf haben sie eigentlich gesessen, als Strom- und Telefonkabel noch nicht erfunden waren?

Schwalben über dem alten Glockenturm
Wie dem auch sei, bis gestern jedenfalls saßen Dutzende von Schwalben auf allen Leitungsdrähten rund um unser Haus. Wenn sie sich in der aufgehenden Sonne ausreichend erwärmt hatten flogen sie in großen Schwärmen mit aufgeregtem Gezwitzscher über uns hinweg - Flugübungen waren angesagt. Anschließend wurden den ganzen Tag über Insekten gejagt. Doch heute morgen war es verdächtig still. Alle Leitungsdrähte und auch der Himmel über uns blieben auffällig leer. Die große Reise hat also begonnen. Die beiden Störche, die im Dorf gebrütet haben, sind mit ihren beiden Jungen schon seit etwa zwei Wochen davongezogen. In Burgas haben wir zu der Zeit einige große Storchenschwärme aufsteigen sehen.


Und auch eine andere Vogelart hat die Reise nach Afrika angetreten. Sie waren uns bereits im Frühjahr aufgefallen. Ende April überflogen immer wieder kleine Vogelgruppen das Dorf. Sie fielen eigentlich nur auf durch ihre unaufhörlichen aufgeregten Rufe während des Fluges. Als dann mal zwei auf der benachbarten Zypresse eine kurze Rast einlegten konnten wir sie endlich auch bestimmen: Gelbe Halsflecken, türkisblauer Bauch, rötlicher Rücken - das konnten nur Bienenfresser sein. Vor einer Woche nun sahen und vor allem hörten wir immer neue Gruppen von ihnen über dem Dorf und den angrenzenden Wiesen. Die Gruppen sind ziemlich klein, zwischen zehn und 20 Vögel konnten wir jeweils beobachten. Sie ließen sich Zeit bei ihrem Zug, über den großen freien Flächen rund ums Dorf fanden sie jede Menge Insekten - noch mal richtig sattfressen vor dem Flug in arabische und afrikanische Länder.
Gestört wurde diese fröhlich zwitschernde Gesellschaft eigentlich nur den gelegentlichen Schüssen in den angrenzenden Wäldchen. Die Jagdsaison hat begonnen. Bereits am 8. August, wie die Medien vermeldeten. Die Jagd, so war zu lesen, ist außerordentlich wichtig für Bulgarien. Können sich die Wildtiere doch ungehemmt vermehren und große Schäden in den Wäldern anrichten. Und um diesen Schäden vorzubeugen beginnt die Jagdsaison, so war zu lesen, traditionell mit der Vogeljagd. Weil die Vögel wahrscheinlich unaufhörlich ganze Wälder kahlschlagen.
Die Jäger, die scharenweise jedes kleine Wäldchen heimsuchen, jedenfalls waren ein Grund, warum wir bei unserer jüngsten Pilzsuche nicht so weit in den Wald gingen. Weiß man, wie gut so ein Schießwütiger sieht und worauf er am Ende alles schießt? Wir haben die Beobachtung gemacht, dass in Bulgarien wahrscheinlich jeder zweite Mann bewaffnet ist. Kontrollen scheint es wenig zu geben. Der zweite Grund für die abgebrochene Pilzsuche waren aber auch die noch fehlenden Pilze.


Und noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Jagd: Auf einer Internetseite eines Naturschutzvereines fand  ich die Mitteilung, dass die ungehemmte Jagd auf Vögel in Italien in den letzten Jahren erfreulicherweise zurückgegangen sei. Ich kann mir vorstellen warum: zahlreiche Italiener jagen jetzt in den bulgarischen Gebieten.

Mittwoch, 25. März 2009

Die Störche sind da


Heute vormittag kreisten sie plötzlich über unserem Dorf - hunderte Störche in mehreren Schwärmen. Als ich die ersten sah hielt ich erst noch für Möwen - bis es immer mehr wurden. Warwara - das Dor
Auf Rastplatzsuche
f liegt ziemlich weit im Süden der bulgarischen Schwarzmeerküste. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur türkischen Grenze. Und aus Süden, also aus der Türkei, kamen die Störche geflogen auf ihrem Zug in die sommerlichen Brutgebiete im Norden. Im Herbst hatten wir in vergangenen Jahren, wenn wir Ende September im Urlaub hier waren, schon solch großen Storchschwärme gesehen, die auf ihrem Zug zum Überwintern nach Süden waren. Nun also erstmals die andere Richtung.

Dieser Teil der Schwarzmeerküste liegt an einer der großen Vogelzugrouten, der osteuropäischen Route "via ponticum". In der Nähe von Burgas gibt es zahlreiche Seen und ausgedehnte sumpfige Gebiete, ideale Rastplätze für Zugvögel. Störche sind nicht die einzigen, die hier in der Gegend Rast machen auf ihrem Weg ins Brutgebiet. Krauskopfpelikane haben wir dort auch schon gesehen, bevor sie im Herbst weiterzogen in südlichere Gefilde. Hier leben aber auch mehrere Reiherarten, zahlreiche Entenvögel, aber auch viele Raubvögel.

Dass die Störche ausgerechnet heute erschienen sind hat noch eine ganz besondere, etwas mystische Bedeutung. Heute feiert die bulgarische orthodoxe Kirche Mariä Verkündigung. Dieser Tag ist außer in seiner christlichen Bedeutung noch mit zahlreichen heidnischen Bäuchen verbunden. So sagt der Volksmund, dass heute auch der Tag ist, an dem die ersten Zugvögel zurückkehren und der Kuckuck ruft. Den haben wir nicht gehört, aber dafür jede Menge Zugvögel gesehen. Vielleicht sind ja auch die darunter, die wir Jahr für Jahr an ihren Brutplätzen in Deutschland gesehen haben. Die ersten Störchen sind es freilich nicht, die in diesem Jahre zurückkehren. Bereits Anfang März sind die ersten Schwärme über Burgas gesichtet und von Mitarbeitern der Vogel-Beobachtungsstation Poda am Stadtrand von Burgas auch fotografiert worden. Das Naturschutzzentrum Poda wurde 1997 mit finanzieller Unterstützung eines bulgarisch-schweizerischen Programmes zur Erhaltung der Artenvielfalt errichtet. Naturfreunden bietet es hervorrangede Beobachtungsbedingungen von seinen Dachterrassen, von denen aus man einen guten Blick in die Sumpf- und Seenlandschaft am Stadtrand von Burgas hat. Dabei kann Poda noch mit einer Besonderheit aufwarten: Von hier aus lassen sich ganz prima auch die großen Kormorankolonien beim Brüten beobachten, die ihre Nester auf großen stillgelegten Strommasten bauen - das ist weltweit einmalig. Wer mehr über das Naturschutzzentrum wissen will, es hat auch eine deutschsprachige Internetseite:. http://www.bspb-poda.de/