Glückwünsche zum Frauentag gibt es in Bulgarien überall. Und natürlich Blumen - Töpfchen mit blühenden Pflanzen, Blumensträuße, vor allem aber schön gebundene einzelne Blüten. In Zarewo gab es sie heute nicht nur in den Blumengeschäften, auch an vielen zusätzlichen kleinen Verkaufsständen wurden Blumen angeboten. Und nicht nur Männer kaufen an diesem Tag Blumen, nein, auch die Frauen selbst. Sie schenken sie sich gegenseitig. Der Frauentag ist hier weniger ein politisches Ereignis als vielmehr ein Grund zum Feiern - miteinander essen, trinken, tanzen. Auch in unserem kleinen Dorf trafen sich die Frauen heute wieder. Eine große Gruppe in Dimos Hotel, eine kleinere Gruppe Frauen ein paar Meter weiter in einem kleinen Laden mit Getränkeausschank. Dort können sie die meisten Speisen und Getränke selbst mitbringen. Viele sind gar nicht gekommen. Auch daran zeigt sich die verschlechterte Wirtschaftslage in diesem Winter: Im vorigen Jahr hatten sich fast alle Frauen des Dorfes zum Feiern in Dimos Hotel getroffen, da hatten auch fast alle Männer Arbeit auf den vielen Baustellen entlang der Küste.
Ach ja, meine Blumen habe ich aus dem Garten geholt. Gestern habe ich alle aufgeblühten Narzissen vor den für heute angedrohten ergiebigen Schneefällen in Sicherheit gebracht, die aus dem Norden über uns kommen sollten. Schnee gab es heute nicht, dafür jede Menge Regen.
Ausgewandert nach Bulgarien - in ein Land mit wunderbarer Natur, tollen Menschen, faszinierender Geschichte, beeindruckenden Geschichtszeugnissen, alten Traditionen. Wir wollen ein wenig davon und unseren Erlebnissen hier zeigen. Und Lust machen auf das Land.
Montag, 8. März 2010
Sonntag, 28. Februar 2010
Marteniza und Frühlingsgefühle
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| Gominin - nicht Schuld am Chaos |
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| Marteniza-Gruss |
Man wünscht zu Marteniza (abgeleitet von Monat März, Mart) übrigens auch Tschestita Baba Marta - Glückliche Oma Marta. Damit und mit den rot-weißen Bändchen will man Großmütterchen März (ähnlich wie Frau Holle) milde und freundlich stimmen. Denn auch hierzulande ist der März nicht nur frühlingshaft schön, er kann auch Stürme, Kälte und Schnee bringen. Und wer will das schon.
Also für alle Freunde und Leser auf diesem Wege unser Marteniza-Gruß.
Donnerstag, 25. Februar 2010
Die Griechische Schule in Achtopol
| Griechische Schule in Ahtopol |
Manchmal hat man hier ja auch angenehme Erlebnisse. Eigentlich sind wir ja mittlerweile immer auf das Schlimmste gefasst, was die plan- und oft auch sinnlose Bauwut in Bulgarien angeht. Riesige Hotels, riesige Appartmentanlagen, eins hässlicher als das andere, aber natürlich an den schönsten Plätzen der Schwarzmeerküste. Da sticht die Immobilienhaie ein solch schönes Plätzchen wie das an der Griechischen Schule an der Spitze einer ins Meer hineinragenden Landzunge in Achtopol besonders ins Auge. Ja, es stimmt, das Gebäude, das vermutlich um 1900 gebaut wurde, ist eine Griechische Schule. Das ist begründet in der Geschichte der Stadt Achtopol. Sie war eine von vielen alten griechischen Ansiedlungen rund ums Schwarze Meer. Es wird vermutet, dass die Siedlung mit Namen Agathopolis etwa 600 vor Christi entstanden ist. Die Lage war ideal - mit einem wunderbaren natürlichen Hafenbecken, ideal zum Anlanden von Handelsschiffen. Seit dieser Zeit gab es hier griechische Bewohner. Von dieser alten Ansiedlung freilich ist heute nichts mehr zu finden - außer den Resten der alten Stadtmauer, die vermutlich bei einem Erdbeben eingestürzt ist. Teile davon finden sich in einigen Straßenzügen in der Nähe des Hafens, und sogar in manchen Gärten kann man ein Stück Stadtmauer finden. Erst vor wenigen Jahren stieß ein Bauherr beim Ausheben der Baugrube auf ein weiteres Stück Mauer. Er bekam ein anderes Stück Bauland, die Mauer wurde notdürftig gesichert. Für die weitere Freilegung fehlt das Geld.
Doch zurück zu den Griechen. Die Stadt wurde später von den Römern erobert, und dann war sie wie ganz Bulgarien 500 Jahre von den Türken beherrscht. Eine griechische Bevölkerung lebte in der Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Vor allem griechische Schiffsbauer sollen von den Türken hier angesiedelt worden sein. Um 1900 war in Achtopol ein Völkergemisch heimisch: Griechen, Bulgaren, Türken, Roma lebten in der Region. Ein Haupterwerbszweig der Griechen zu dieser Zeit war unter anderem der Export von Holzkohle nach Istanbul, die im benachbarten Strandsha-Gebirge mit seinen dichten Eichen- und Buchenwäldern hergestellt wurde. Die Stadt muss immer wieder ziemlich vermögend gewesen sein, der natürliche Hafen bot gute Bedingungen für Händler.
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| Die Griechische Schule heute - Museum und Künstlertreff |
Und dann ist da natürlich die aus Stein gebaute griechische Schule, die den Brand ebenfalls überstanden hat. Kurz nach ihrer Fertigstellung mussten die Griechen die Stadt verlassen. Das Gebäude blieb Schule, wurde mehrfach restauriert und teilweise umgebaut. Bis vor einigen Jahren diente die einstige Schule als Freizeiteinrichtung für Kinder, in den Ferien gab es hier viele Angebote. Doch dann stand das Haus leer, zog viele begehrliche Blicke auf sich. Bis wir dann vor zwei Jahren hörten, das Gebäude ist in Besitz der Kunstakademie Sofia übergegangen. Einem alten Lehrer aus Achtopol, der sich sehr intensiv um die Erforschung der Geschichte der Stadt bemüht ist es zu danken, dass jetzt auch das kleine Museum der Stadt hier mit einer kleinen, aber feinen und vor allem gut gestalteten Ausstellung hier untergekommen ist. Teile des Gebäudes sind saniert, das Freigelände ist mit zahlreichen Holzplastiken der Kunststudenten geschmückt, die hier ihre Ferien verbrachten. Damit dürfte die Gefahr, dass auch auf dieser Landzunge ein großkotziger Hotelkomplex entsteht, gebannt sein.
Freitag, 19. Februar 2010
Der Frühling ist da
Die Schneemassen sind weggeschmolzen. Und anschließend hat es geregnet - gar nicht so knapp. Mit dem Erfolg, dass Teile unseres Gartens rund zwei Wochen lang eine Art Sumpflandschaft waren. Durch unser Grundstück fließen ziemlich große Wassermengen von der höher liegenden Straße. Und unter der wiederum fließt das Wasser aus dem noch ein wenig höher gelegenen Ortsteil hindurch direkt in unseren Garten.
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| Der Frühling ist da |
Aber unsere Wassermassen waren nichts gegen das was wir vor zwei Tagen in Burgas erlebten. Die von Süden kommende Straße trennt mehrere Binnenseen von der Stadt. Am Anfang fand ich das ja noch lustig dass die Wasserfläche des größeren Sees fast das Niveau der Straße erreichte. Aber dann führte die Straße durch eine Senke - und der See war plötzlich auf der Straße. Und wir haben eigentlich kein schwimmfähiges Auto. Aber es ging alles gut. Am Abend wurde im Fernsehen ein Bericht über die Überschwemmungen in einigen Stadtteilen gezeigt. Wahrscheinlich war das Wasser im Laufe des Tages noch angestiegen. Mit einigen Tausend Säcken Sand, so wurde gemeldet, konnte das Wasser ein wenig aufgehalten werden.
Doch jetzt ist der Frühling da. Seit drei Tagen scheint die Sonne, die ersten Arbeiten im Garten können in Angriff genommen werden. Weinreben verschneiden zum Beispiel. Und heute war sogar das erste Mal Mittagessen auf der Terrasse angesagt. Das Thermometer war immerhin auf 23 Grad geklettert. Das kann gerne so weitergehen.
Das schöne Wetter sorgt auch dafür, dass auf den unzähligen Hotel- und Appartmentanlagen-Baustellen das Baugeschehen wieder beginnt. Zumindest auf denen, wo noch (oder wieder) Geld da ist. Die Krise hat auch hierzulande nicht zu knapp zugeschlagen. Aber für die Einheimischen bedeutet das, endlich wieder Arbeit zu haben. Auf den meisten Baustellen wird übrigens schwarz gearbeitet, nur die wenigsten sind bereit, für ihre Bauarbeiter Steuern und Krankenversicherung zu bezahlen. Aber das ist den meisten egal - sie sind froh über die Möglichkeit, überhaupt wieder Geld zu verdienen. Von 36 Lewa Sozialhilfe pro Monat kann man wahrlich nicht leben.
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Schneeschmelze,
Überschwemmung in Burgas
Sonntag, 14. Februar 2010
Trifonstag oder Trifon Zarezan
Ich hoffe doch sehr, dass ich nach diesem anstrengenden Feier-Tag die richtigen Tasten noch finde. In unserem ganzen bulgarischen Dorf - und nicht nur in unserem - wurde heute gefeiert. Ganz gleich wohin man kam, ein froher Feiertag wurde gewünscht - und dann eingeladen zum Wein verkosten. Der Trifonstag ist der Tag der bulgarischen Weinbauern. Und nahezu jeder der einen Garten oder einen Vorgarten hat nennt auch einige Weinreben sein eigen. Selbst an Balkonen haben wir sie schon ranken gesehen. Und natürlich werden die Weinreben im Herbst abgeerntet und dann wird jede Menge Wein gemacht. Und auch Rakia, Traubenschnaps. Eigentlich ist der Trifonstag nach dem neuen Kalender am 1. Februar. Aber traditionell wird der Tag von den Bulgaren nach wie vor nach dem alten Kalender, also am heutigen 14. Februar gefeiert.
Der Heilige Trifon ist der Schutzpatron der Weinbauern. Zarezan wird der Heilige Trifon auch genannt, weil die Gottesmutter ihm prophezeite, er werde sich beim Weinschneiden die Nase abschneiden, weil er sie verhöhnt hatte. So geschah es dann auch. Und das war offenbar eine schlimme Strafe, denn die Nase galt von jeher als Symbol der Männlichkeit. Trifon Zarezan, Trifon der Geschnittene ward er seither auch genannt.
Und nun ist dieser 14. Februar also der erste Feiertag im zeitigen Frühling. Ursprünglich war das auch der Tag, an dem die Weinstöcke verschnitten werden. Dieses Verschneiden war mit einem Ritual verbunden, bei dem der Weinstock mit Rotwein aus dem Vorjahr begossen und ein Segensspruch ausgebracht wurde, um auch in diesem eine reiche Ernte zu gewähren: "Es möge das Jahr ertragreich sein.Von jeder Rebe ein Fass voller Trauben und volle Fässer Wein."
So ein Ritual gibt es gelegentlich auch heute noch, aber im Vordergrund, so zumindest in unserem Dorf, steht das Feiern. Die Männer trafen sich vor dem Haus, jeder hatte seinen Wein zum Verkosten dabei, die Frauen hatten es sich gemeinsam im Haus gemütlich gemacht - auch mit jeder Menge Wein, versteht sich. Und als die Feier auf dem Höhepunkt war, da wurde dann auf der Straße die Hora getanzt. Und das Verschneiden der Weinstöcke auf die nächsten Tage verschoben.
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