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Montag, 5. September 2011

Jetzt ist mal wieder Arbeiten angesagt - bei jedem Wetter

Alle Freunde abgereist und zu Hause, wie Mails und manchmal sogar Zeitungausschnitte bezeugten, längst wieder an der Arbeit. Bei wechselnden Temperaturen, wie wir dem Wetterbericht entnehmen. Der hiesige Wetterbericht sagt immer das gleiche: Anhaltend hohe Temperaturen bis 28/29 Grad, manchmal einige Wolken und etwas Wind, kein Regen. Trotzdem ist auch bei uns Arbeiten angesagt - den Temperaturen entsprechend in gemäßigtem Tempo.
Gartenarbeit mit Denka und Ilija


Das Grundstück wird betoniert, zumindest teilweise: Stellplätze für Autos und Wohnmobil müssen endlich mal her, damit der Fuhrpark auf der Straße ein Ende hat. Avtokeshta Joachim heißt es hier. Zu deutsch: Autohaus Joachim. Jetzt wird es ein Autogarten. Außerdem entsteht ein kleiner überdachter Stellplatz für die Pferde, falls es irgendwann man wieder Winter wird und die Tiere in gelegentlichem Schnee und Schneematsch da draußen auf den Wiesen nichts zu fressen finden. Da kommen sie dann halt ein paar Tage "auf den Hof", wie man in deutschen Dörfern sagen würde.  Und dann pflastern wir auch noch unseren Garten.
Evlin beim Plattenlegen
Das hatten wir so nicht gedacht, eigentlich sollte hier alles grün bleiben. Aber wie schon im letzten Blog: grün ist nur mit großen Wassereinsatz zu gewährleisten. Aber es gibt auch bulgarisch grünen Rasen, widersprachen energisch Maria und Hans nach den vorangegangenen Aussagen. Da haben sie Recht, wie ihr Garten beweist. Dank raffinierter Bewässerungstechnik wächst und blüht dort alles in beneidenswerter Schönheit. Alles außer Unkraut. Dagegen kämpft Maria energisch an.
Aber bei uns wird jetzt gepflastert. Nicht wegen des trockenen Rasens, sondern wegen der Sumpffläche, in die sich Teile des Gartens nach starken Regenfällen (falls es die jemals wieder gibt) oder bei Tauwetter verwandeln. Eine davon ist direkt vor dem Hauseingang und der Weg zum Komposthaufen artet in Herbst, Winter, Frühling gelegentlich zur Schlammschlacht aus. Also doch lieber pflastern.
Die Kinder sind bei jedem Fest dabei
Ich habe da übrigens mal ein paar wahrlich beeindruckende Beiträge in einem Gartenforum gelesen (kein Witz, ernsthafte Anfrage): Eine Gartenbesitzerin fragt an, was sie gegen die Grillen in ihrem Garten tun könne. Die ganze Nacht zirpen sie und zirpen, und sie könne nicht schlafen. Antwort eines Gartenfreundes: Alles betonieren, grün anstreichen und gut ist.
Aber so weit lassen wir es nicht kommen, wir genießen das Zirpen der Grillen, das uns die ganze Nacht begleitet.
Wenn wir nicht gerade feiern wie an den vergangenen Wochenende. Einmal waren wir zu einem Kurban eingeladen bei Roma-Familien, alles Verwandte von Denka. Es hatte in ihrer Familie mehrere schwere Erkrankungen und Operationen gegeben. Und hierzulande ist es Brauch, dass nach solch einschneidenden Erlebnissen ein Kurban gefeiert wird: Ein Schaf wird geschlachtet, in einem großen Kessel gekocht und gemeinsam mit Verwandten und Freunden gegessen - damit die Gesundheit erhalten bleibe.
Ein Fest gab es auch bei Denka und Ilija: Sie haben mit einem Schaf-Essen die Einweihung ihres neuen Hausanbaus gefeiert. Im alten Hausteil haben sich ihre Kinder etabliert. Das halbe Dorf hat sich an einer langen Tafel auf der Straße vor dem Haus versammelt, es gab ausreichend zu essen und zu trinken für alle, und natürlich Musik in voller Lautstärke. Und dazu wurde getanzt, gleich auf der Straße. Und das alles ohne Antrag und ohne Genehmigung für ein  Straßenfest. Dafür aber mit viel guter Laune. Leider keinen Fotoapparat mitgehabt, deshalb ohne Bild.

Mittwoch, 24. August 2011

Wenn einer eine Reise tut....

Ausflug in den Blauen Bergen
Ja wir haben viel erlebt. Denn für uns war diesen Sommer  dank Gästen aus Deutschland eben auch Reisezeit. Mit Bernd und Anni hatten wir eine Viertagestour durch die Rhodopen geplant und auch verwirklicht.

Los ging es in Sliven. Das gehört zwar nicht zu den Rhodopen, war aber wichtig. Die Geraer Anni und Bernd waren dort, um den Kontakt mit Geras Partnerstadt lebendig zu halten. Und um mit Georgi Kalaidshiev die Reise der kleinen Musiker vom Projekt "Musik statt Straße" nach Gießen und Gera abzustimmen. Und da haben wir gleich alle gemeinsam einen Ausflug in die Blauen Berge - Sinije Kamenij - unternommen. Der Bequemlichkeit halber ging es mit der Seilbahn noch oben auf die Gipfel, die gleich hinter der Stadt aufragen. Die Wanderung samt Picknick waren beeindruckend.
Rotes  Waldvöglein
Trotz der Nähe zur Stadt und etlicher Hinterlassenschaften von Picknickern und sonstigen in der Natur feiernden Menschen findet sich inmitten der Berge eine vielfältige Natur mit bemerkenswerten Pflanzen. Allein vier (oder nur drei? ich bestimme noch) Orchideenarten haben wir gesehen.Zurück in der Stadt war es weniger beeindruckend. Schmutz, Dauerstraßenbaustellen, eine gewaltige Anzahl großer Wohnblocks, die von Sanierung kaum etwas erfahren haben. Aber ebenfalls eine vielfältige Kulturlandschaft mit einem wunderbaren Schatz im historischen Museum und eine beeindruckende Ikonensammlung im Kunstmuseum der Stadt. Und eine große Markthalle mit einem umwerfenden Angebot an Obst und Gemüse samt vieler Wohlgerüche von Früchten und Kräutern.
Georgi hatte uns für die Übernachtung sein Gartenhaus überlassen, von dem aus wir am Abend beim Blick über die Stadt die Ruhe genießen konnten.
Kohlröschen?

Am nächsten Morgen dann ging es weiter Richtung Plovdiv. Gegen Mittag waren wir dort. Doch davon in den nächsten Tagen mehr.


Donnerstag, 28. Juli 2011

Der Berg in Wolken

Drei Tage lang hatte der Berg sein Haupt in Wolken gehüllt. Der Berg - das ist der Papia, mit reichlich 500 Metern höchster Gipfel des Strandsha-Gebirges in der bulgarischen Küstenregion.
Und wenn der sich in Wolken versteckt, so erzählten und Einheimische, dann regnet es bei uns. Also warteten wir nach vier Wochen Trockenheit und Temperaturen über 30 Grad auf Regen. Aber die Wolken ließen sich Zeit, umrundeten unsere Region regelrecht. Doch heute, endlich, nicht nur Wolken und Donner (vom Gewiter und nicht wie vergangene Woche von maritimen Übungsgefechten). Ein hübscher kleiner Regen erfrischte unser Dorf, tränkte zumindest ein wenig den ausgedörrten Boden und wird sicher für nachwachsendes Gras für unsere Pferde sorgen. Im übrigen war es an den letzten beiden Tagen sehr ruhig. Deshalb gleich was geschrieben und den vorherigen Beitrag endlich mit Fotos bestückt.
Dicke Wolken über dem nahen Gebirge
Anni und Bernd sind nach auch für uns sehr schönen und erlebnisreichen Urlaubstagen unter anderem in den Rhodopen (davon später mal mehr) wieder heimgereist. Heute mittag gab es eine spontane Grillparty mit bulgarisch-deutsch-schweizerischer Beteiligung. Sehr angenehme Runde. Morgen hoffen wir auf ein Wiedersehen mit Georgi und Maria, die aber für Varvara nur wenig Zeit haben. Sie müssen wieder nach Sliven, um dort eine Reise junger Musiker vom Projekt Musik statt Straße nach Gießen und Gera vorzubereiten. Wir drücken die Daumen, dass die bisherigen Spenden für Reise und Unterkunft in den Städten reichen. Für die jungen Roma-Musiker wird es mit Sicherheit ein großartiges Erlebnis. Nicht nur dass sie zeigen können was sie in einem Jahr Musikunterricht lernten, für sie wird es auch die ersten größere Reise ihres Lebens werden.

Sonntag, 19. September 2010

Gestern hatten wir eine Roma-Hochzeit im Dorf

Trauzeugen und Gäste bringen den Bräutigamzur Braut
Der Klang von Trommeln und einer Klarinette am gestrigen Vormittag ließ uns aufhorchen - aha, die Hochzeit beginnt. Zwei junge Roma (irgendwo habe ich gelesen "Lass den Quatsch, sie nennen sich selbst Zigeuner") aus unserem Dorf feiern ihre offizielle Hochzeit.
Die beginnt bei strahlendem Sonnenschein mit dem Gang des Bräutigams, den Brauteltern  und seinen Freunden zum Haus des Brautzeugen, der wohl auch als so eine Art Hochzeitsbitter fungiert. Hier wird musiziert und palavert, auch schon mal ein Schlückchen auf die bevorstehende Hochzeit getrunken. Brautkleid, Brautschuhe und Brautschmuck werden den inzwischen eingetroffenen Gästen vorgeführt.
Die Braut
Dann macht sich der Zug mit Musikbegleitung und Jubelrufen auf den Weg durch das Dorf zum Haus der Braut. Dort wartet schon der Rest der Hochzeitsgäste einschließlich zahlreicher sonstiger Dorfbewohner. Brautzeugin samt Brautkleidung verschwinden im Haus, draußen wird indessen geschwatzt und gewartet. Dann endlich der große Moment - die Braut erscheint in der Tür - eine überaus schöne Braut. Und natürlich wird sie beklatscht und bejubelt. Reis wird nicht geworfen, statt dessen zur Freude der anwesenden Kinder jede Menge Bonbons.
Der Hochzeitszug formiert sich neu, angeführt mit den Brautzeugen, der Braut, dem Bräutigam, zwei entzückenden kleinen Brautjungfern, der Musik und dann den vielen Gästen und Neugierigen. Laut hupend fahren einige Autos hinterher. Vor dem Bürgermeisteramt versammeln sich die Hochzeitsgesellschaft. Sonstige Neugierige aus dem Dorf  auf der anderen Straßenseite.

Hochzeitstanz vorm Bürgermeisteramt
Fröhlich geht es zu und natürlich wird hier zur Musik getanzt, eine Hora, in die auch das Brautpaar einbezogen ist. Brautpaar und Trauzeugen verschwinden schließlich im Bürgermeisteramt, wo der offizielle Akt der Trauung vollzogen wird. Anschließend macht sich die Hochzeitsgesellschaft auf in die Nachbarstadt Zarewo, wo bis zum Abend gefeiert wird.

Montag, 6. September 2010

Tag der Vereinigung in Bulgarien und Panair

Der 6. September ist in Bulgarien so etwas wie der 3. Oktober für die Deutschen - der Tag der Vereinigung. Nur dass er hier auf ein Ereignis zurückgeht, das 125 Jahre zurückliegt. Deshalb hier mal wieder ein Ausflug in die Geschichte: Mit der Befreiung von der 500 Jahre währenden Türkischen Besatzung im russisch-türkischen Krieg wurde 1878 mit dem Vorfriedensvertrag von San Stefano festgelegt, dass Bulgarien ein autonomes Fürstentum werden soll. Das freilich rief andere europäische Staaten auf den Plan, die ein mit Russland befreundetes Großreich auf der Balkanhalbinsel verhindern wollten. Besonders England drohte mit Krieg, unterstützt von Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn. Der Berliner Kongress legte schließlich nach langwierigen Verhandlungen andere Grenzen fest: Das Gebiet wurde dreigeteilt, nur ein kleiner Teil sollte Bulgarien heißen. Das heutige Nordbulgarien mit dem Gebiet von Sofia sollte  ein autonomes aber den Türken
Das halbe Dorf kommt zum Kurban zum Paraklis
tributpflichtiges Lehnsfürstentum bilden.Südbulgarien sollte unter der Bezeichnung Ostrumelien eine von der Hohen Pforte halbabhängige Provinz mit ausgedehnter administrativer Autonomie bleiben.
Der dritte Teil Bulgariens von San Stefano, also das gesamte Mazedonien, wurde wieder der direkten und uneingeschränkten Autorität des Sultans unterstellt. Entscheidungen, die für die meisten Bulgaren bis heute nicht verschmerzt sind und die immer wieder zu Diskussionen über eigentliche Landesgrenzen führen: Mazedonien, so eine landläufige Meinung, gehört eigentlich zu Bulgarien.
Zumindest Nord- und Südbulgarien wurden schließlich vereinigt. 1885 bildete sich in Plovdiv ein revolutionäres Komitee, das in vielen größeren Städten und Gemeinden Südbulgariens Vertretungen hatte. Am  6. September 1885 erklärte schließlich  nach zahlreichen Massenprotesten und Kundgebungen und nach der Nachricht, dass die Armee Nordbulgariens zum Einmarsch bereitsteht, die Revolutionsführung den Ostrumelischen Gouverneur für abgesetzt und die Vereinigung für vollzogen. Der bulgarische Fürst Alexander I. marschierte in Plovdiv ein und wurde gefeiert als der Herrscher über ganz Bulgarien. Die europäischen Großmächte stellten sich gegen die Vereinigung, selbst Russland zog sich zurück und Serbien führte Krieg gegen Bulgarien, unterlag jedoch. Daraufhin wurde die Vereinigung in Europa anerkannt.
Und was hat dieser Feiertag mit unserem Dorf Varvara zu tun?
Den Segen gibt es auch für die Lammsuppe
Immer am Wochenende so um den 6. September herum wird hier das Panair, das alljährliche Dorffest gefeiert. Es beginnt gegen Mittag mit einem Gottesdienst und einem Kurban, einer Suppe aus einem Opferlamm, am kleinen Paraklis, der Kapelle in der Nähe des Dorfes.Hier treffen sich die Dorfbewohner zum Segen des Popen und zum gemeinsamen Mahl, an dem jeder teilhaben kann. Das eigentlich Fest ist dann am Abend im Dorfzentrum mit viel Musik, mit Essen und Trinken und Tanz. Der Bürgermeister hält eine kleine Rede, in den vergangenen Jahren hat auch Landrat Arnaudov kämpferische Reden zum Vereinigungstag gehalten. Ihren Inhalt konnten wir mangels ausreichender Sprachkenntnisse nicht verstehen, aber es fühlte sich immer so an  wie: Es lebe der Sozialismus, es lebe der Erste Mai - sie leben hoch, hoch, hoch. Er wird es nicht gesagt haben, aber es klang so. Dieses Jahr hat Arnaudov übrigens nicht gesprochen. Vielleicht hing ihm ja das Fernsehinterview vor einer Woche noch an, wo er und seine Parteivorsitzende in einer
Morgensendung  für sie offenbar völlig überraschend mit recht vielen und sehr konkreten Korruptionsvorwürfen konfrontiert wurden. Arnaudov verweigerte sozusagen die Aussage, die Parteichefin verließ wutentbrannt den Senderaum. Also diese Rede blieb allen diesmal erspart, statt dessen, wenn es völlig dunkel ist, dann wieder der Höhepunkt des Festes: die Nestinarki , die Feuertänzer. Der Feuertanz hat hier eine lange Tradition, die begründet sein soll im kleinen Strandsha-Dorf Bulgari ganz hier in der Nähe. Meiost sind es ältere Frauen, die mit bloßen Füßen über die Holzkohleglut tanzen.
Das Fest fand damit einen Höhepunkt, trotz heftigen Regengusses aber noch längst kein Ende. Bis Mitternacht, wenn die Musiker auf der Bühne ihren Auftritt benedet haben, gibt es Strandsha-Musik: Musik mit Dudelsack, Klarinette, Gadulka, Trommeln, Akkordeon. Im Grunde wurde von Freitag bis Montagmorgen, dem eigentlichen Feiertag, durchgefeiert. Drei tolle Tage also oder anders ausgedrückt: Drei Nächte dröhnend  laute Musik für eine recht kleine Gruppe Jugendlicher im Zentrum des Dorfes, zum Leidwesen vieler Anwohner, für die an Schlaf nicht zu denken war. Aber dieses Fest gibt es ja nur einmal im Jahr.

Montag, 26. Juli 2010

Von himmlischer Ruhe und teuflischen Löchern

Es herrscht wieder Ruhe im Haus. Der Pool liegt den größten Teil des Tages verlassen, die Katzen entspannen und räkeln sich an den vertrauten Plätzen. Dabei hatten sie sich nach langem Zögern mittlerweile an die Besucher gewöhnt und ließen sich von den Enkelkindern sogar streicheln. Doch jetzt sind erst mal alle Besucher weg und auch wir müssen uns an die Ruhe erst wieder gewöhnen.
Da hilft nur langsam fahren
Dabei war es heute gar nicht so ruhig - Blitz und Donner suchten uns heim und jede Menge Wasser strömte vom Himmel. Unser Feuerloch ist zu zwei Dritteln gefüllt. Man sollte meinen es ist ein Brunnen. In etlichen Teilen des Landes gab es Katastrophenalarm, es hatte Straßen unter Wasser gesetzt und aus Rinnsalen wieder Flüsse gemacht.
Schlechte Zeiten für Autofahrer. Nicht nur wegen des möglichen Aquaplanings. Denn zu den nachhaltigsten Eindrücken von Bulgarien zählen bei Freunden und Verwandten, die hier mit dem Auto unterwegs waren, die  Straßen. Straße, das  heißt hierzulande mal abgesehen von einigen Autobahnen und wenigen Transitstrecken vor allem eins: Loch an Loch. Dabei hat Bulgarien durchaus Straßenbauprogramme, dokumentiert auf großen Tafeln am Straßenrand. Auch auf dem Weg nach Zarewo finden sich solche Tafeln: Hier wird gebaut, an einem internationalen Projekt und mit internationalen Mitteln, beispielsweise die Transitstrecke von Zarewo nach Malko Tarnovo, der Grenzstadt zur Türkei. Die Tafel stammt von 1996. Vom Bau bisher nichts zu sehen oder zu spüren. Die Leute sind sich einig, dass die Mittel für den Straßenbau auch geflossen sind. Nur in welche Taschen, das weiß kaum einer. Sicher ist jedoch, dass wir den Grenzübergang zur Türkei auch ohne Grenzkontrollen spüren  könnten: Auf türkischer Seite hat das Rütteln und Schütteln ein Ende und die Gefahr ist gebannt, mit dem Auto auf Nimmerwiedersehen in einem riesigen Loch zu verschwinden. Dort wurde die Transitstrecke nämlich wirklich gebaut.
Aber in Bulgarien sind Straßen wie die hier abgebildete die überwiegende Realität. Wie sagte es doch unser Freund Bernd Krüger, nachdem er ohne größeren Schaden wieder in Deutschland angekommen war: "Wir waren auf eine Straße geraten, die müsste gesperrt werden oder man hätte  das Auto eigentlich durchtragen müssen"
Kurz vor dem Ortseingang zu unserer Nachbarstadt Ahtopol hat es neulich sogar eine medienwirksame Kundgebung empörter Autofahrer gegeben wegen der riesigen Schlaglöcher, die die Straße eigentlich auch unpassierbar machen. Aber ob es was nützt? Uns wurde erzählt, dass für den Straßenneubau zwischen Zarewo und Ahtopol eine Summe von mehreren Millionen geflossen sei. Aber auch hier: Nur der neue Eigentümer weiß in welche Taschen.
Ein Freund erzählte uns neulich dazu einen in Russland spielenden Witz: Treffen sich zwei Freunde, Bauingenieure, nach langer Zeit. Lädt der eine den anderen in sein prächtiges Haus, zeigt auf die Umgebung, den kleinen Fluss unweit des Hauses. Dort, so sagt er, hat er im Auftrag des Staates die große moderne Brücke gebaut. Was für eine Brücke, fragt der Freund, das ist doch nur ein Steg. Ja, sagt der erste, für mehr  hat es eben nicht mehr gereicht nachdem mein Haus fertig war.

Sonntag, 20. Juni 2010

Auch Varvara nicht ohne Fussball


Fussball WM in Varvara
Auch wenn man nicht unbedingt von Fussballfieber reden kann - ganz ohne Fussball geht es auch im kleinen bulgarischen Schwarzmeerort Varvara nicht. In allen Hotel-Gaststätten steht mindestens ein Fernseher, und der ist in diesen Tagen meist auf WM eingestellt. Die Zuschauerzahl hält sich in Grenzen - Bulgarien ist nicht dabei bei dieser WM. Im Hotel Tscherno more trifft sich indessen eine kleine internationale Truppe regelmäßig vor dem Bildschirm: Vier Deutsche, zwei Bayern, zwei Schweizer, sechs bis 10 Bulgaren. Auf den Tischen je nach Tageszeit Kaffee oder auch Bier und Wein.
An den Tischen, vor allem beim Spiel Deutschland gegen Serbien, lautstarke Kommentare und viel Unverständnis über die Schiedsrichterentscheidung. Freilich auch Klatschen und Jubeln beim serbischen Tor und dem verschossenen Elfmeter- das waren zwei bulgarische Zuschauer. Die anderen stehen zu den Deutschen. Der Schweizer Paul und die in München lebende Bulgarin Donka retten sogar gemeinsam die extra aufgehängte deutsche Fahne vor dem Absturz. Und wenn schon keine bulgarische Teilnahme an dieser WM, dann darf wenigstens die Geschichte eines großen bulgarischen Fussball-Triumphes nicht fehlen: als 1994 das bulgarische Fussballteam das deutsche aus dem Viertelfinale schoss. Lechkov war der Torschütze - ein bisschen ein Volksheld bis heute.

Samstag, 7. November 2009

Das war heute das reinste Strandwetter

Wandern im Strandsha-Gebirge

Hier nun endlich mal wieder eine Wortmeldung aus Bulgarien. Lange genug hat es ja gedauert. Aber es war mal wieder eine ereignisreiche Zeit. Erst "Heimaturlaub" in Deutschland, dann liebe Freunde aus Gera hier zu Besuch. Mit ihnen wandern im Strandja und Kurzvisite in Geras Partnerstadt Sliven - dazu demnächst hier mehr.

Nach Annis und Bernds Abreise erst mal ein wenig ausruhen. Dann wieder Freunde aus Sofia hier. Und zwischendurch für Jo Heizung bauen im Haus, für mich Garten umgestalten. Letzteres aber erst ab dieser Woche so richtig, denn vorher hatten wir hier jede Menge Regen. Und kalt war es auch. Aber seit einigen Tagen haben wir wieder viel Sonnenschein und Temperaturen bis 20 Grad. In der Sonne noch höher, aber da war es heute Mittag kaum zum Aushalten. Also fast Strandwetter. Die Schwalben haben davon nichts mehr. Die sind seit Ende September nach und nach davongeflogen. In der vergangenen Woche sind auch die vielen Stare verschwunden. Der Wein ist geerntet und damit ihre herbstliche Hauptnahrungsquelle versiegt. Da muss man machen dass man woanders was findet. wir haben uns bei schönstem Wetter mal wieder auf eine kurze Wanderung begeben.


Die Einheimischen können das nicht. Viele von ihnen sind ohne Arbeit. Die Krise hat auch hier in Bulgarien voll zugeschlagen. Vor allem die Roma trifft es stark. Die meisten von ihnen sind ohne Beruf, haben in den vergangenen Jahren vor allem auf den vielen Baustellen entlang der Küste oder in den großen Städte gearbeitet. Aber viele Baustellen können wegen fehlender Kredite nicht weitergeführt werden. Neue gibt es aus dem gleichen Grund auch nicht. Oder höchstens vereinzelt. Auch hier im Ort ist einiges ins Stocken geraten. Da sich die Ferienwohnungen der angefangenen Häuser nicht verkaufen lassen, ist kein Geld zum Weiterbau da. Dass die Bauwut entlang der Küste erst mal gestoppt wurde ist gut. Viele der Bauwerke, bei deren Planung das Wort Architektur offenbar ein Unwort war, sind einfalls- und geschmacklose Betonklötze. Die Küste wurde zubetoniert wie das auch in vielen anderen Ländern schon passiert ist. Jetzt setzt, so hoffen wir, auch mal Nachdenken ein. Aber die Leute sind ohne Arbeit. Und das ist die unschöne Kehrseite der Krise. Da die meisten ohnehin schwarz gearbeitet haben bekommen sie natürlich auch kein Arbeitslosengeld. Ein harter Winter steht den meisten Menschen in Bulgarien bevor.

Montag, 29. Juni 2009

Eine kleine Nachtmusik


Gaaanz vorsichtig über die Stacheln
In der Abenddämmerung geht es los - das durchaus lautstarke Konzert der Grillen. Ihr Grillen, Zirpen, Knarzen und helles Singen erschallt aus allen Richtungen: von unserer Wiese, aus den Blumenrabatten, von den Bäumen und natürlich aus den verwilderten Nachbargärten.


Sie gönnen sich keine Pause, finden aber Verstärkung. Aus dem kleinen Bachlauf melden sich lautstark die Frösche, ergänzen das Zirpen mit Gequak in verschiedenen Höhenlagen. Dazwischen ertönen schrille Rufe einiger Steinkäuze. Und für eine stimmungsvolle Beleuchtung ist auch gesorgt - vom teifdunkelblauen Himmel leuchten undglaublich viele Sterne. In Konkurrenz zu diesem Leuchten ziehen zahlreiche Glühwürmchen über die Wiese und senden hektisch blinkende Morsezeichen aus.

Vor unserer Abreise im vergangenen Jahr wurden wir gefragt, ob wir die Kulturlandschaft unserer alten Heimat nicht vermissen werden. Bei derartigen Erlebnissen

Neuer Nachbar
- stellt sich da die Frage wirklich noch?

Wir genießen diese stillen Abende. Noch bis Mitte Juli wird es so bleiben. Auch jetzt sind schon einige Urlauber da, aber nur wenige. Einige junge Eltern oder auch Großeltern mit kleineren Kindern. Die Ferien für die Grundschüler beginnen bereits Mitte Juni. An den Wochenende belebt es sich ein wenig mehr, da kommen viele Bulgaren zu einem Kurzurlaub. Doch die richtige Urlaubszeit beginnt Mitte Juli, wenn dann alle Schulen und auch die Universitäten Ferien haben. Dann fängt auch für die Bulgaren, die eine Arbeit haben und sich einen Urlaub leisten können, die schönste Zeit des Jahres. Und dann wird es ein wenig lauter auch bei uns im Dorf. In den Gaststätten herrscht dann Hochbetrieb bis spät in die Nacht. Doch bis dahin werden wir die stillen Abende noch ausgiebig genießen.